Flüchtlinge
Ökonomen schlagen Lohnsubventionen vor

Die Kosten für Arbeitgeber sollen sinken, wenn sie Flüchtlinge beschäftigen. Das schlägt der Ökonom Dennis Snower vor. Die Hürden für eine Integration in den Arbeitsmarkt seien zu hoch, gerade für Höherqualifizierte.

KielDer Ökonom Dennis Snower schlägt vor, Flüchtlinge mit staatlichen Lohnsubventionen über Beschäftigungsgutscheine leichter in Arbeit zu bringen. „Damit sinken die Kosten für den Arbeitgeber“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft der Deutschen Presse-Agentur. „Der Unternehmer kann den Mindestlohn zahlen und hat dennoch niedrigere Kosten für eine begrenzte Zeit, in der sich der Flüchtling einarbeiten kann.“

Auf diese Weise könnten Sozialhilfekosten gesenkt und auch Akzeptanzprobleme unter den Deutschen verringert werden, sagte Snower. Relevante Verdrängungseffekte zulasten von Einheimischen seien allenfalls in geringem Ausmaß zu erwarten. Dafür gebe es zahlreiche empirische Belege. Für jüngere Flüchtlinge wären aus Sicht des IfW-Präsidenten auch Ausbildungsgutscheine sinnvoll.

Generell seien die Hürden für den Zugang zum Arbeitsmarkt für viele Flüchtlinge hoch, sagte Snower. So seien die Qualifikationen nicht gut erfasst. Im Durchschnitt seien viele weniger gut qualifiziert als Einheimische. Erschwerend komme außer dem Mindestlohn die Tatsache hinzu, dass die Eintrittsbarrieren mit zunehmender Qualifikation immer höher werden. „Das alles führt dazu, dass viele Flüchtlinge nur Arbeit mit niedrigen Qualifikationen bekommen können“, sagte Snower. Zudem sei das Durchschnittsalter sehr niedrig, so dass viele nicht einmal eine abgeschlossene Schulausbildung hätten.

„Wie sich die hohe Flüchtlingszahl insgesamt auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt auswirken wird, hängt ganz wesentlich von der Integrationspolitik ab“, sagte Snower. Es sei ein großer Fehler zu glauben, die Befriedigung der materiellen Grundbedürfnisse reiche aus.

„Das Wichtigste wird sein, was sich in den Köpfen abspielt“, sagte der IfW-Präsident. „Wir müssen Einheimischen und Flüchtlingen die Möglichkeit eines Perspektivenwechsels geben.“ Dazu regte Snower in Anlehnung an das Freiwillige Ökologische oder Soziale Jahr ein Freiwilliges Jahr zur Flüchtlingsintegration für Schulabgänger oder andere Freiwillige an, am besten EU-weit. „Die Teilnehmer könnten in der Zeit an Projekten mitwirken, die nicht nur den Flüchtlingen nutzen, sondern auch dem jeweiligen Staat und der Bevölkerung.“ EU und Privatwirtschaft könnten das finanzieren, schlug Snower vor.

„Um Flüchtlinge sozial einzubinden, ist es wichtig, sich in ihre Perspektive gut einzufühlen“, sagte der Ökonom. „Gemeinsam etwas aufzubauen, würde einen gedanklichen Wandel hervorbringen.“ Aus Snowers Sicht wäre es erforderlich, die Unterstützung der Flüchtlinge als europäische Aufgabe zu verstehen und die Kosten gerecht auf die Mitgliedsländer zu verteilen. Dies wäre viel wirkungsvoller als die Flüchtlinge nach einer Quote auf die Staaten zu verteilen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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