Flüchtlingschaos an der deutsch-österreichischen Grenze
„Wir sind das Drehkreuz für ganz Deutschland"

6000 Flüchtlinge waren es in der vergangenen Nacht, diese sollen es wieder Tausende sein: Die Verzweiflung unter Asylsuchenden und Helfern in Passau wächst. Der Oberbürgermeister sieht die Situation als „Lackmustest“.

Wegscheid, Freyung, PassauFür Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper gibt es derzeit kaum einen Moment zum Durchschnauen. In der Nacht zum Mittwoch waren wieder rund 6000 Flüchtlinge über die Grenze gekommen. „Es ist uns gelungen, alle Menschen in trockene und warme Unterkünfte zu bringen“, sagte er am Mittag dem Handelsblatt. Allerdings sind schon die nächsten Busse für den Abend angekündigt. „Es wird wieder eine spannende Nacht.“

Seit am Münchener Hauptbahnhof nur noch wenige Flüchtlinge ankommen, kommen die meisten Flüchtlinge über die Passauer Region nach Deutschland. „Wir sind das Drehkreuz für ganz Deutschland", sagte Dupper. Von Vorteil für die Passauer ist, dass die österreichische Seite inzwischen früher ankündigt, wo die Flüchtlinge ankommen. Der nächste Ansturm wird am Grenzübergang Achleiten erwartet. „Da können wir uns jetzt drauf einstellen und die Infrastruktur aufbauen“, sagte OB Dupper. Wichtig sei, dass dann die Weiterverteilung funktioniere.

Ob er sauer über die Österreicher ist, die unkoordiniert die Flüchtlinge an die Grenze gefahren hatten? „Sauer ist keine Kategorie, würde die Kanzlerin sagen“, meint Dupper. Man habe auf lokaler Ebene über Jahrzehnte gut mit den Nachbarn zusammengearbeitet. „Wir würden es bedauern, wenn diese Zusammenarbeit beim ersten Lackmustest nicht mehr funktionieren würde.“

Am Mittwochvormittag war die Dreiländerhalle in Passau, in der in der Nacht wieder hunderte Flüchtlinge geschlafen hatten, weitgehend geräumt gewesen. Es war nur ein kurzes Durchschnaufen für Helfer und Einsatzkräfte. Nur vereinzelt liegen noch Flüchtlinge auf ihren Wolldecken, Kinder spielen an der Balustrade. Die meisten aber sind in den vergangenen Stunden mit Bussen zu ihren nächsten Unterkünften gebracht worden. Die Halle ist wieder frei für den Ansturm in der kommenden Nacht.

Dann wird es wieder Bilder geben wie in den Nächten zuvor: Am Montagabend hatte es an der Grenze chaotische Szenen gegeben. „Um 18.30 Uhr ist die Sache explodiert“, erinnert sich Bürgermeister Lamperstorfer. Etwa 2.000 Flüchtlinge durchbrachen die Grenze, auch die Bundespolizei konnte die Lage nicht mehr kontrollieren.

„Ich habe mich sehr hilflos gefühlt“, sagt der Bürgermeister. Wegen der Kälte seien hunderte Flüchtlinge auf der Bundesstraße einfach immer weitermarschiert. Erst in der Früh konnten die letzten notdürftig untergebracht werden. Einige mussten auf Bierzeltgarnituren schlafen.

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