Flüchtlingsdebatte
CSU im Zwei-Fronten-Kampf

Die CSU folgt in der Flüchtlingskrise einer neuartigen Strategie: Die Verbündeten schlagen, um den Feind in Schach zu halten. CSU-Chef Horst Seehofer attackiert die Kanzlerin – aber nur weil er Angst hat.

Berlin/MünchenDrohungen, Bitten, Appelle – alles fruchtlos. Seit Wochen fordert CSU-Chef Horst Seehofer einen Kurswechsel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingskrise, doch der lässt auf sich warten. Trotz Verschärfung des Asylrechts fehlt der aus CSU-Sicht entscheidende Satz: Ein Bekenntnis zur Begrenzung der Zuwanderung.

Die Folge: Ein eigenartiger Zwei-Fronten-Krieg der CSU. Aus Seehofers Sicht schwächt Merkel die Union und stärkt AfD, Pegida und Rechtsextremisten. „Die Gefahr, dass sich die Gesellschaft spaltet, ist jeden Tag mit Händen zu greifen“, sagt er am Dienstagabend im Landtag in München. Seehofers unablässig wiederholtes Mantra: „Wenn wir das nicht lösen, wird das zulasten aller Parteien gehen, weil die Leute das Vertrauen verlieren.“

Sollte die AfD erst einmal mit zweistelligem Ergebnis im Bundestag sitzen, wäre sie kaum wieder zu verdrängen – so die große Angst in der CSU-Landesleitung. Und deswegen attackiert Seehofer die Verbündete Merkel, um die Feinde von rechts zu treffen. Dabei weiß der CSU-Chef den allergrößten Teil seiner Basis hinter sich.

Doch je länger Seehofer fordert, droht, appelliert und bittet, desto ohnmächtiger wirkt die CSU. Nach traditioneller Lehrmeinung in der Union sind die Anhänger von CDU und CSU weit weniger bereit, internen Streit zu tolerieren, als im Grabenkampf erprobte Sozialdemokraten.

Zumindest einzelnen Mitgliedern der CSU-Spitze ist inzwischen nicht nur wegen der Rekordzahl von Flüchtlingen angst und bange. „Hilflos“, seufzt ein CSU-Vorstand über die Äußerungen des Chefs.

Nichts illustriert die christsoziale Ohnmacht besser als das Parteiorgan „Bayernkurier“: „Bayern handelt: Grundlegende Änderung der gesamten Asylpolitik“, betitelte die Redaktion im Juli einen langen Artikel. Seither hat sich die Zahl der Flüchtlinge vervielfacht - von damals 500 bis 600 auf mehrere tausend am Tag.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%