Flüchtlingsdebatte
„Wir müssen den ehrbaren Kaufmann leben“

Geschäftsleute stellen Essen und Logis zur Verfügung und organisieren Transporte: Doch Hubert Schöffmann vom Bayerischen Industrie-und Handelskammertag fordert im Handelsblatt-Gespräch noch mehr vom ehrbaren Kaufmann.

DüsseldorfDie Bilder der jubelnden Menschen am Münchner Hauptbahnhof beeindrucken. Und auch sonst zeigt sich die bayerische Landeshauptstadt hilfsbereit. Dabei will auch die Wirtschaft nicht nebenan stehen. Ein Gespräch mit Hubert Schöffmann, bildungspolitischer Sprecher des Bayerischen Industrie-und Handelskammertages.

Etwa 20.000 Flüchtlinge sind am Wochenende nach München gekommen. Die Messe ist eingesprungen und stellt Platz zur Verfügung. Wie geht die Münchener Wirtschaft mit den Flüchtlingen um?
Die Wirtschaft zeigt sich verantwortungsvoll und geht ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung nach – genauso wie die Zivilgesellschaft. Wo es möglich ist, will man die Landesregierung unterstützen. Da ist die Messe ein Beispiel. Alles was machbar und erforderlich ist, will die Wirtschaft leisten. Wir haben ein klares Bekenntnis unserer Unternehmen, dass sie der gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und sich nachhaltig engagieren wollen.

Gibt es konkrete Beispiele?
Einen konkreten Überblick haben wir noch nicht, dafür ist die gesamte Situation aktuell noch zu sehr im Fluss. Aber wir wissen von vielen Münchner Geschäftsleuten, die Nahrung und Unterkunft zur Verfügung stellen, die ehrenamtlichen Helfer vor Ort unterstützen oder Transporte organisieren. Da lassen sich nicht einzelne Firmen rausgreifen, das läuft unter der Prämisse: Wirtschaft übernimmt – als Teil der Gesellschaft – Verantwortung.

Wenn Unternehmen Unterkunft zur Verfügung stellen, kann sich das auch auf das Geschäft auswirken, oder?
Sicherlich ist das eine Herausforderung. Aber aktuell steht im Mittelpunkt, dass die Wirtschaft Verantwortung übernimmt und Engagement zeigt. Etwas, das wir bei den Unternehmen immer wieder einfordern ist, den Ehrbaren Kaufmann auch zu leben. Neben all dem Business, das es verständlicherweise zu betreiben gilt, gibt es auch die gesellschaftliche Verantwortung. Sie muss jetzt zum Tragen kommen.

Viele ehrenamtlich Engagierte konnten am Wochenende in ihrer Freizeit helfen. Jetzt müssen viele wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Sehen Sie Unternehmen in der Pflicht, Arbeitnehmer für das Engagement frei zu stellen?
Das geschieht bereits im Rahmen von Corporate Volunteering. Unternehmen könnten durchaus ihre Angestellten teilweise freistellen und so zeigen, dass ihnen das Engagement in dieser Sache wichtig ist. Es nützt allerdings nichts, wenn hundert Freiwillige einer Firma kommen, die in die Prozesse am Münchner Hauptbahnhof gar nicht eingesteuert werden können. Abstimmung ist daher wichtig. Aber: Wenn eine Firma einen Spezialisten hat, der gebraucht wird und schon ehrenamtlich tätig ist, wäre das ein starkes Signal.

Rufen Sie die Unternehmen zum Engagement auf?
Ja, unter dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns sollten Unternehmen jetzt reflektieren: Wo kann ich mich engagieren oder unterstützen? Das ist für Münchner Unternehmen aber zum Beispiel in der Ausbildung schon selbstverständlich.

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„Damoklesschwert der Abschiebung ist keine gute Voraussetzung“

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