Flüchtlingshilfe in Hamburg
„Deutschlands größte Kleiderkammer“

Die Initiatoren sind sicher: Die Kleiderkammer für Flüchtlinge in Hamburg ist die größte in Deutschland. Dort sortieren Freiwillige alles, was die Menschen brauchen – und manches andere. Nun muss die Kammer umziehen.

HamburgAlles fing mit einem Kleiderbeutel an. Als Anfang August die ersten Flüchtlinge in der riesigen Messehalle B6 in Hamburg einquartiert wurden, fragten sich einige Menschen im nahen Karoviertel, wie man ihnen helfen könnte, erinnert sich Rene Grassau. „Erst lag der eine oder andere Kleiderbeutel vor der Halle.“ Dann wuchs die Aktion der Freiwilligen zu einem mittelständischen Betrieb heran. Die „Kleiderkammer“ hat sich zu einem fast schon professionell organisierten Sammel- und Verteilzentrum entwickelt.

Fast 8000 Quadratmeter, etwa so groß wie die überbaute Fläche des Kölner Doms, mitten in Hamburg. Hier lagert, was hilfsbereite Menschen spenden, nicht aber immer das, was Flüchtlinge unbedingt brauchen. „So 70 Prozent der Flüchtlinge sind junge Männer, die meisten haben die Kleidungsgröße S oder M“, sagt Arnd Boekhoff. „Der deutsche Durchschnittsmann liegt aber meist zwei Größen drüber.“ Außerdem werde mehr Kinder- und Frauenkleidung gespendet als benötigt.

„Aktuell brauchen wir vor allem Winterjacken, Unterwäsche, warme Socken, alles in eher kleineren Größen“, fasst Boekhoff zusammen. Der 35-Jährige hat studiert und sucht einen Job. „Das Schreiben von Bewerbungen kommt allerdings im Moment etwas zu kurz.“ Was gebraucht wird und was nicht, kann man im Internet etwa auf „zusammenschmeissen.de“ lesen.

Um der ständig wachsenden Menge an Sachspenden Herr zu werden, hat der IT-Unternehmer Grassau mit der Initiative ein Computersystem aufgebaut. Die Spenden werden sortiert, gepackt, ins System eingetragen und der Computer vergibt dann einen Stellplatz und einen QR-Code, der auf den Karton geklebt wird. „Das System registriert Ein- und Ausgang der Ware“, erklärt Grassau stolz.

In einer etwas abgelegenen Ecke der Messehalle stehen Kartons mit der Aufschrift „Damen, zu sexy“. „High Heels, bauchfrei, durchsichtig und so“, sagt Grassau. „Da sollte man sich als Spender vielleicht vorher überlegen, aus welchem Kulturkreis die Menschen kommen.“

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