Flüchtlingskrise
Am Limit

Täglich kommt ein Zug mit rund 500 Flüchtlingen in Düsseldorf oder Köln an. Für die Städte ist das eine große Herausforderung. Es ist alles durchorganisiert und bis ins Detail geplant. Ein Ortsbesuch.

DüsseldorfDie Blicke der ankommenden Flüchtlinge könnten unterschiedlicher kaum sein. Manche sind leer und entkräftet bei der Ankunft am Fernbahnhof des Düsseldorfer Flughafens – andere lächeln oder haben funkelnde Augen. Es gibt Entschlossene und Zögernde. Ein unrasierter, müde wirkender junger Mann trägt Badelaschen ohne Socken. Seine giftgrüne Jacke ist dreckig, seine dunkle Hose an den Beinen zerrissen. Vor ihm trägt ein älterer Mann schwarzes Hemd und Lackschuhe. Es sind diese großen Unterschiede, die die Situation so besonders machen. Und doch haben alle Ankömmlinge ein gemeinsames Ziel: Sie sind gekommen, um zu bleiben.

Doch wer bekommt Asyl und wer nicht? Wer bekommt den Schutz, die Unterstützung und die Mittel, die er sich wünscht? Zurück möchte niemand von ihnen – doch nicht alle werden Asyl bekommen. Und abgelehnte Bewerber werden nach dem vor Wochenfrist verschärften Asylrecht schneller abgeschoben als bisher. Ihre Zeit in Deutschland ist auf wenige Wochen begrenzt. Wird ihr Asylantrag abgelehnt, müssen sie innerhalb weniger Tage zurück in die Heimat.

Vom Gleis aus geht es für die Flüchtlinge jedoch zunächst in einen geschlossenen Raum. Kurzfristig montiertes Absperrband und schwere Metallzäune weisen ihnen den Weg. Hier, am Düsseldorfer Flughafen, sind die Asylfragen nur bedingt relevant. Der Mann in den Badelatschen ist einer der ersten. Er schaut sich neugierig um – alles wirkt so ordentlich und strukturiert. Er reibt sich mit der rechten Hand die Augen, streicht sich anschließend durch das Haar.

Der Flughafen-Bahnhof dient in diesen Tagen als Koordinationsstelle. Im Aufenthaltsraum, der etwa so groß wie zwei Fußballfelder ist, werden die ankommende Flüchtlinge versorgt und empfangen. Eigentlich wird er als Eventhalle genutzt. Es gibt eine Essensausgabe, Toiletten, mobile Wickel-, Sanitär- und Rückzugsräume, eine Reihe von Feldbetten und unzählige Bierzelt-Garnituren. Von hier aus erfolgt letztlich der Transport in die eigentlichen Flüchtlingsunterkünfte in Nordrhein-Westfalen. Der Düsseldorfer Flughafen ist eine Durchgangsstation.

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