Flüchtlingskrise
Deutsche und Österreicher fürchten um ihren Wohlstand

Viele Deutsche und Österreicher sehen die Flüchtlingskrise laut Umfrage als Bedrohung – für ihren Wohlstand und ein gedeihliches Zusammenleben. Eine Integration der Zuwanderer bezweifeln viele.

Linz/PragSehr viele Menschen in Deutschland und Österreich glauben nach einer Umfrage in beiden Ländern nicht an eine umfassende Integration der Zuwanderer. 52 Prozent der Österreicher und 42 Prozent der Deutschen stimmen der Einschätzung zu: „Ein Großteil der Zuwanderer ist nicht bereit, sich an unsere Spielregeln anzupassen“, wie aus einer Parallelstudie vom Linzer Spectra-Institut und vom Münchner IMAS-Institut hervorgeht. Obendrein fürchten in beiden Ländern viele, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten durch die Flüchtlingskrise verdüstern.

Unter den Pessimisten nannten nach der am Freitag veröffentlichten Umfrage 75 Prozent die Migration als Grund für ihre Angst vor einem Wohlstandsverlust. „Sehr sicher ist sich die Bevölkerung darüber, dass die Zuwanderer aus Nahost und Afrika dem eigenen Land mehr Nachteile als Vorteile bringen werden“, schreiben die Autoren. In Österreich überwiege das Gefühl der Nachteile mit 67 Prozent, in Deutschland mit 57 Prozent. Nur 17 Prozent der Österreicher und 21 Prozent der Deutschen bejahen die These: „Durch die vielen Menschen aus anderen Ländern und Kulturen wird Österreich (Deutschland) immer bunter und interessanter.“

Skepsis herrsche auch hinsichtlich der Regierung und der Medien: In Österreich befürchten 47 Prozent eine unvollständige und einseitige Information über die Nachteile und Gefahren der Zuwanderung, in Deutschland sind es 38 Prozent der Befragten. Als eher verfälschende Wiedergabe der Stimmung in der Bevölkerung werden die Willkommensbilder von Bahnhöfen gedeutet. 21 Prozent der Deutschen und 11 Prozent der Österreicher sehen diese Szenen als Beweis einer breiten Willkommenskultur. „Die Stimmung in der Bevölkerung hat sich innerhalb kurzer Zeit noch stärker eingetrübt und sich mit Skepsis aufgeladen“, sagte IMAS-Geschäftsführer Achim von Kirschhofer mit Blick auf ähnliche Studien vom Oktober.

Nach einer repräsentativen N24-Emnid-Umfrage fordert eine große Mehrheit eine deutsche Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik: Nur 15 Prozent meinen, Kanzlerin Angela Merkel sollte ihren Kurs bei der Flüchtlingspolitik beibehalten, 79 Prozent fordern von ihr, die Aufnahmebedingungen zu verschärfen. Dennoch: 53 Prozent der Befragten glauben, Merkel sei auch in der derzeitigen politischen Situation die richtige Kanzlerin - 42 Prozent sehen das anders.

Insgesamt hat die Angst vor einer Überforderung laut Emnid-Umfrage zugenommen. Auf die Frage „Haben Sie persönlich Angst davor, dass zu viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen?“ antworteten im April 2015 nur 23 Prozent der Deutschen, sie hätten Angst davor - im Januar 2016 sind es 48 Prozent. Im vorigen April hatten 74 Prozent keine Angst vor „zu vielen Flüchtlingen“ - nun sind es 49 Prozent.

Eine deutliche Mehrheit der Tschechen ist gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsländern. In einer repräsentativen Umfrage äußerten sich 60 Prozent in diesem Sinne, wie das Meinungsforschungsinstitut CVVM am Freitag mitteilte. Das waren rund zehn Prozentpunkte mehr als im September. Für eine vorübergehende Aufnahme von Schutzsuchenden waren nun 33 Prozent, nur zwei Prozent stimmten einer dauerhafte Ansiedlung der Flüchtlinge zu.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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