Flüchtlingskrise
Gewalt unter Flüchtlingen alarmiert die Politik

Die Übergriffe zwischen Flüchtlingen in Notunterkünften nehmen zu. Nach einer Massenschlägerei in Kassel werden Konsequenzen gefordert. Doch mit konkreten Lösungen tut sich die Politik schwer.

BerlinIn den vergangenen Wochen gab es in überfüllten Asyl-Unterkünften immer wieder Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen. In Ellwangen und Heidelberg in Baden-Württemberg, im thüringischen Suhl sowie in Leipzig, Dresden und Heidenau in Sachsen kam es zu Schlägereien unter Flüchtlingen. Nachdem nun bei einer Massenschlägerei im hessischen Kassel-Calden Dutzende Menschen verletzt wurden, werden Rufe nach Konsequenzen laut. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob Christen und Muslime künftig getrennt voneinander untergebracht werden sollen. Die Forderung der Gewerkschaft der Polizei findet jedoch in der Politik kaum Zuspruch.

„Eine Trennung von Flüchtlingen nach Ethnien und Religionszugehörigkeiten löst aus meiner Sicht das Problem nicht. Die jetzt bekannt gewordenen Auseinandersetzungen waren nicht auf ethnische oder religiöse Konflikte zurückzuführen, sondern eher auf eine Überbelegung der Unterkunft in Kassel-Calden“, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, dem Handelsblatt.

In Hessen eskalierte die Gewalt an einer vermeintlichen Kleinigkeit. Bei der Essensausgabe soll sich nach Polizeiangaben ein junger Albaner vorgedrängelt haben, was einen älteren Mann aus Pakistan verärgerte. Nach einem Wortgefecht und einer Tätlichkeit sollen dann etwa 70 Pakistani mit Aluminiumstangen wahllos auf Albaner eingeschlagen haben.

Auf dem Gelände des alten Flughafens Calden sind etwa 1500 Flüchtlinge aus rund 20 Nationen untergebracht. Erst vor zwei Wochen hatten sich dort mehrere Flüchtlinge gegenseitig mit Reizgas angegriffen. Rund 60 von ihnen wurden verletzt, darunter auch Kinder.

Der Grünen-Innenpolitiker Volker Beck ist überzeugt, dass auch Mangelversorgung und zum Teil entlegene Unterkünfte Frust und Gewalt zunehmen ließen. „Lagerkoller und Mangelversorgung verschärfen die Konflikte“, sagte Beck dem Handelsblatt. Beck, warnte vor einer weiteren Zuspitzung der Gewalt unter Flüchtlingen. „Das Asylrechtsänderungsgesetz der Bundesregierung  wird durch längere Lageraufenthalte, Sachleistungen und Arbeitsverbote die bestehenden Konflikte eher noch verschärfen. Flüchtlinge müssten stattdessen besser und schneller in die Gesellschaft integriert werden“, so Beck.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

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