Flüchtlingskrise in Deutschland
Männliche Flüchtlinge dürfen nicht ins Schwimmbad

Das Diskussion um Flüchtlinge treibt kuriose Blüten: Die Stadt Bornheim hat nach Belästigungsfällen ein generelles Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge verhängt. Jetzt rudert der Bürgermeister wieder zurück.

Bornheim/RheinbergMännliche Flüchtlinge im Schwimmbad nicht erwünscht, ein Flüchtlingsheim als „Gefahrenpunkt“ für den Karneval – in der aktuellen Debatte um den Umgang mit Zuwanderern haben zwei NRW-Kommunen drastische Konsequenzen gezogen. Am Freitag lösten die einschneidenden Maßnahmen Diskussionen aus.

So ist die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen gegen ein generelles Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge, wie es die Stadt Bornheim bei Bonn praktiziert. Es sei fraglich, ob dieses Verbot praktisch durchsetzbar und juristisch haltbar sei, sagte ein Sprecher der Gesellschaft am Freitag.

Die Stadt Bornheim teilte mit, die Flüchtlinge hätten Ausweise, mit denen sie bisher preiswerter ins Schwimmbad gekommen seien. Anhand dieser Ausweise könne man sie erkennen und ihnen den Zutritt verweigern. „Es ist einfach auch wichtig, dass sich Frauen nicht irgendwelche obszönen Äußerungen anhören müssen“, sagte er.

Die Stadt hatte Flüchtlingsmännern über 18 Jahren den Zugang zu dem Hallenbad verboten, weil sich immer mehr Besucherinnen und Angestellte über sexuelle Belästigungen durch Männer aus einer nahen Asylbewerberunterkunft beschwert hatten. Dabei habe es sich nicht um Straftaten gehandelt, sagte Bornheims Sozialdezernent Markus Schnapka. Die Stadt Bornheim will das Schwimmbadverbot nach der öffentlichen Kritik in der nächsten Woche wieder aufheben. Das erklärte Bürgermeister Wolfgang Henseler am Freitag im Gespräch mit dem Bonner „General-Anzeiger“. Am Montag werde der Verwaltungsvorstand darüber beraten, an welchem Tag das Verbot aufgehoben werde.

Das Verbot sei bei den Bewohnern der Unterkunft jedoch auf Verständnis gestoßen, betonte Schnapka und kündigte bereits im Vorfeld an: „Sobald wir von den Sozialdiensten die Mitteilung bekommen, dass die Botschaft angekommen ist, beenden wir diese Maßnahme wieder.“ Die deutsche Bädergesellschaft will neue Aushänge für die Schwimmbäder drucken, in denen in mehreren Sprachen erklärt wird, dass Berührungen und mündliche Anspielungen unzulässig sind.

Am Donnerstag hatte ein Karnevalsverein in Rheinberg am Niederrhein den Rosenmontagsumzug abgesagt. Die Stadt hatte ein Sicherheitskonzept verlangt, das der kleine Traditionsverein im Ortsteil Orsoy so schnell nicht umsetzen kann. Dabei spiele auch die Nähe des Zugs zu einer Flüchtlingsunterkunft eine Rolle, die ein „Gefahrenpunkt“ sein könne, räumte ein Vertreter der Stadt ein. Der Umzug sei aber nicht nur wegen der Nähe zur Unterkunft abgesagt worden.

Bei manchen Rheinberger Bürgern stieß der Schritt auf Unverständnis. Nach den Übergriffen vermutlich arabischer und nordafrikanischer Männer in der Kölner Silvesternacht habe man Angst, sagte Liane Weyers. „Aber wir sind in Deutschland und das ist unsere Tradition. Was geben wir demnächst auf? Weihnachten?“

Aus anderen Kommunen wurden solche Rosenmontags-Absagen bislang nicht bekannt. Allerdings hat die Polizei in einigen Großstädten wie Köln oder Essen bereits eine Urlaubs- und Freizeitsperre für ihre Beamten an Rosenmontag ausgesprochen. In Münster sagte eine Sprecherin am Freitag: „Wir werden unsere Beamten an bestimmten Brennpunkten gut verteilen.“

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