Flüchtlingsrettung im Mittelmeer
Deutsche Schiffe warten auf Auslaufbefehl

Die deutsche Marine könnte loslegen mit der Flüchtlingsrettung im Mittelmeer – doch die Politik muss sich erst noch abstimmen. Bis dahin warten die Schiffe „Berlin“ und „Hessen“ vor Kreta auf ihren Auslaufbefehl.
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BerlinDie deutsche Marine arbeitet mit Hochdruck an der Vorbereitung des deutschen Einsatzes für Flüchtlinge im Mittelmeer - doch immer noch sind einige Fragen ungeklärt. Die zwei Bundeswehrschiffe, die zur Seenotrettung eingesetzt werden sollen, sind inzwischen auf der Mittelmeerinsel Kreta eingetroffen. Die Fregatte „Hessen“ und das Versorgungsschiff „Berlin“ sollen dort bis Dienstag mit Hilfsmitteln beladen werden, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag in Berlin mitteilte. Auch weiteres Personal wird den Angaben zufolge mit an Bord genommen.

Welches Seegebiet die Schiffe genau anlaufen, ist aber noch ebenso ungeklärt wie die Frage, ob sie Teil der Operation „Triton“ unter dem Dach der EU-Grenzschutzagentur Frontex sein werden. An der Abstimmung sind außer dem Verteidigungsministerium auch das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium beteiligt.

„Bisher haben wir noch keinen Auslaufbefehl“, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Ein Sprecher sagte, man werde zehn Rettungsinseln, 450 Rettungswesten, 1000 Decken und medizinisches Personal an Bord nehmen - unter anderem acht Ärzte. Die Arbeiten seien „voll im Plan“. Man rechne mit einem Beginn des Einsatzes spätestens am kommenden Freitag. Wie nah die deutschen Schiffe der libyschen Küste kommen werden, ist aber noch offen. Zuletzt war ein großer Teil der Menschenschmuggler-Boote von dem nordafrikanischen Land aus in Richtung Italien gestartet.

Die Schiffe der Deutschen Marine hatten sich zuvor am „Atalanta“-Einsatz gegen Piraten am Horn von Afrika beteiligt. Bei einem EU-Sondergipfel zur Flüchtlingspolitik beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs vor kurzem einen Ausbau der Seenotrettung und die Bekämpfung der Schleuser. Allein unter der Führung der italienischen Küstenwache wurden am Wochenende 6551 Menschen gerettet - so viele wie nie zuvor. Die griechische Küstenwache meldete am späten Sonntagabend außerdem, sie habe binnen 72 Stunden in der Ägäis 1110 Migranten gerettet.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Viele Tausende Menschen sollen jetzt von der deutschen Marine gerettet werden, die demnächst vor der libyschen Küste warten wird und anstatt sie wieder dorthin zu bringen, wo sie herkamen, geht es in die EU. Dumm nur, dass sich die meisten EU-Politiker nicht mit ihrer Bevölkerung verderben wollen und sich schlichtweg auch aus anderen guten Gründen weigern, diese Migranten aufzunehmen. Sie nehmen so einfach noch nicht mal die Kriegsflüchtlinge auf und erst recht nicht die Armen dieser Welt oder Glücksritter. Da kann man sich denken, wohin die Bahn aus Mailand diese Geretteten wieder bringt. In unser Märchenland, wohin denn sonst. Parallel dazu erklärte gerade unser Außenminister in Ägypten, Deutschland wolle Ägypten 600 dort "gestrandete" Migranten abnehmen, wovon die Hälfte aus Vorderasien und die andere aus Afrika kommen. Damit hat er sich sicher viel grüner Sympathie verdient und so mancher, der nicht bereit ist, den Mindestlohn zu zahlen, freut sich sicher auch. Der Steuerzahler wird es schon richten.

  • @Herr Müller: wie bitte, zurück nach Afrika und die Zeitarbeitsfirmen dumm aus der Wäsche schauen lassen. Und andere Unternehmen die , in zusammen Arbeit mit dem TTIP , auf billige Aushilfen ohne Rechte und befristete Arbeitnehmer mit demonstrationsverbot verzichten lassen? Boa Eye , das geht ja gar net. Ein paar getarnte Boko Haram "traumatisierte Flüchtlinge"brauchen wir schon. Das ist ihnen doch klar oder? Immerhin muss die "Überwachung" und der "Schutz " ausgebaut werden !

  • Retten ist ja in Ordnung, aber bitte dann sofort zurück nach Afrika.

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