Flüchtlingsströme über die Balkanroute
Endstation Passau

„Wir sind das größte Einfallstor“: In Passau kommen täglich 300 und mehr Flüchtlinge in Bussen und Kleintransportern an, die über die Balkanroute nach Europa reisen. Die Region stößt an ihre Grenzen. Ein Ortsbesuch.
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PassauWer in Passau vor der Dreiländerhalle rechts abbiegt, hält entweder vorm Freibad – oder vor der Flüchtlingsauffangstation. Draußen sind es angenehme 24 Grad, die Sonne lacht an diesem Julitag. Menschen sonnen sich auf der Liegewiese oder ziehen im kühlen Wasser ihre Bahnen. Auf der anderen Straßenseite aber warten bewaffnete Männer vor der einstigen Turnhalle der Polizei.

Es riecht säuerlich in der Halle, die Luft steht, obwohl die Türen aufstehen. Rund 100 Flüchtlinge, stehen, sitzen oder liegen hier. Ihre Reise haben sie in Afghanistan, dem Irak oder Syrien begonnen. Jetzt besteht ihre vorläufige Endstation aus einer kargen Halle, in der rund 20 bewaffnete Bundespolizisten damit beschäftigt sind, Personalien aufzunehmen. Die "Vorstufe zum Paradies", nennt Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) Bayern gerne.

300 Flüchtlinge kommen inzwischen jeden Tag über die Balkanroute in Passau an. „Wir sind das größte Einfallstor“, sagt Polizeioberrat Thomas Lang von der Bundespolizei. Weil so viele kommen, reicht die Polizeistation schon lange nicht mehr, um die Flüchtlinge gründlich polizeidienstlich zu erfassen, wie es im Fachjargon heißt.

Also sitzen die Ankömmlinge in der stickigen Halle und warten. Die Halle ist mit Bauzäunen provisorisch aufgeteilt, An einer Wand hängen Din-A-4-Seiten mit arabischen Schriftzeichen, davor steht ein Samowar gefüllt mit Wasser. Einige der überwiegend jungen Männer sitzen auf den Stühlen und schauen apathisch ins Nichts, andere tippeln unruhig mit den Beinen. Andere liegen über mehrere Stühlen und schlafen, wieder andere auf Tischen. Ein kleines Kind schreit.

Jeder trägt hier jeder ein weißes Plastikband am Arm – als erstes Erkennungszeichen. Die meisten der Flüchtlinge erreichen illegal Bayern. Gut 15.000 seien es dieses Jahr schon, berichtet Bundespolizist Lang. Sie zahlen 2000 bis 3000 Euro an Schleuser. Früher, da haben die Menschenhändler die Verzweifelten in Zügen über die Grenze gebracht und ihrem Schicksal überlassen, berichtet Lang. Dann habe man sie in den Städten und Dörfern ausgesetzt. Inzwischen kämen sie in Kleintransportern aus Ungarn über die Grenze.

Bis zu 40 Menschen würden eingepfercht darin auf eine sichere Zukunft hoffen - und dann an der deutschen Autobahn ausgesetzt werden. Dort irren sie dann herum, bis die Polizei sie aufgreift und in die alte Turnhalle nach Passau bringt - gegenüber des Freibads.

Kommentare zu " Flüchtlingsströme über die Balkanroute: Endstation Passau"

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  • Aber genau die, die das heute alles machen, sind die, die ständig schreien "das ist recht", wenn mal irgendwer etwas sagt.
    Die sind so dämlich in Berlin und die ganzen Gutmenscen im Land, Alt-68er und Grüne, die merken gar nicht, dass sie den Weg beretien für wirklich stramm rechts.

  • Marc Hofmann
    Volksabstimmung? Wovon träumen Sie?
    So etwa gab es in der DDR auch nicht und bei uns ist schließlich Politik nach Art des Politbüros
    Bei der Deutschen Einheit ist nicht die DDR bei BRD beigetregten, sondern die DDR hat die BRD übernommen

  • Einfach unverständlich, offenbar auch auf Anordnung erfolgt
    http://www.pi-news.net/2015/07/dienstanweisung-polizei-soll-gescannte-fingerabdruecke-von-illegalen-loeschen/

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