Flüchtlingsunterkünfte
Mehr Flexibilität – aber nicht beim Brandschutz

Die Bundeskanzlerin hat die Flüchtlingsfrage zur Chefsache gemacht. „Flexibel“ soll Deutschland auf den Ansturm reagieren, bei Regeln und bei der Unterbringung nicht so streng sein. Doch es gibt Widerspruch.
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BerlinBauen in Deutschland ist teuer. So teuer, dass ein Bündnis für bezahlbares Bauen und Wohnen seit Monaten um Vorschläge ringt, an welchen Kostenschrauben gedreht werden kann. Bislang ohne vorzeigbares Ergebnis. „Seit der Jahrtausendwende sind die Baukosten um 40 Prozent gestiegen – wie soll man da preiswerte Wohnungen bauen?“ fragt Klaus Graniki, Geschäftsführer der Dortmunder Gesellschaft für Wohnen (Dogewo).

Das Spannungsfeld in der nordrhein-westfälischen Stadt: Aufgrund der hohen Kosten, so sagt es Graniki dem Handelsblatt, erforderten neu gebaute Wohnungen eine Miete von mindestens neun Euro pro Quadratmeter. Die durchschnittliche Miete in der Stadt liege derzeit aber bei nur 5,25 Euro pro Quadratmeter. Die Folge: Es wird zu wenig gebaut – eine Situation, die sich mit steigenden Flüchtlingszahlen zuspitzt.

Asylanträge von Minderjährigen
nach Altersgruppe

1.1.15 bis 31.7.15


Jetzt sollen pragmatische Lösungen helfen. Mit dem Hinweis, dass man womöglich auf Anforderungen im Brandschutz, bei der Höhe von Treppengeländern oder bei der Wärmedämmung beim Umbau von Kasernen in Flüchtlingsunterkünfte verzichten müsse, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer Sommerpressekonferenz am Montag auf einige Kostentreiber im Wohnungsbau hingewiesen.

Das stößt auf Zuspruch und Skepsis gleichermaßen. „Wir brauchen praktikable Lösungen, damit in Deutschland sowohl die Erstunterbringung von Flüchtlingen als auch die längerfristige Integration gewährleistet werden kann. Dazu müssen auch bestehende Rechtsrahmen auf den Prüfstand“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), dem Handelsblatt.

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), forderte die Aussetzung der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 – Anforderungen, die ab 1. Januar 2016 in Kraft treten. Allein die Erhöhung dieser Anforderungen führe zu einer Verteuerung der Wohnungen von knapp zehn Prozent, was sich dann auch in den Mieten niederschlägt, so Pakleppa. „Wir fordern daher, diese Erhöhung für die nächsten vier Jahre auszusetzen, um den Wohnungsneubau nicht weiter zu belasten.“

Für ihn sei aber klar: Sollte es Übergangsregelungen geben, müssten diese für den gesamten Wohnungsbau gelten. „Wenn die Bundeskanzlerin deutsche Flexibilität anstelle deutscher Gründlichkeit fordert, dann muss das für alle gelten, auch um der Wohnungsnot in Ballungsgebieten Herr zu werden.“

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„Der Gesetzgeber versucht, uns entgegenzukommen“

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  • Zum Verständnis:
    Politiker streben nach Macht und Ruhm. Sie wollen in Geschichtsbüchern auftauchen. Dies lässt sich nur durch extremes Handeln erreichen. Denken Sie an die Verschrottungsprämie vor ein paar Jahren. Die Autohändler welche sich auf preiswerte Gebrauchtwagen konzentriert haben verloren über Nacht quasi den gesamten Gebrauchtwagenwert. Von den Verlierern wird nicht berichtet, die Vorzüge werden überhöht dargestellt. So ist auch diese Aktion zu verstehen. Wenig Substanz, viel Leid.

  • ich bin dafür alle Gesetze auszusetzen und neu zu reformieren; aus Sicht eines Normalbürgers und für jeden verständlich.

  • Was in Deutschland nicht öffentlich gemacht wird:
    Die Deutsche Politik kritisiert Japan und Korea das diese Länder keine Flüchtlinge aufgenommen hätten. Fakt ist das dort im vergangenen Jahr etwa 500 Menschen Asyl beantragt haben, welche aber nach wenigen Tagen fast ausnahmslos das Land freiwillig verlassen haben. Hierzu sei gesagt das es in Japan und Korea keine Sozialhilfe ähnlich dem Deutschen H4 gibt. Die Asylanten haben Japan und Korea verlassen weil es ihnen nicht attraktiv genug erschien dort zu bleiben.

    Wozu also die Kretik seitens Deutschland? Glauben die Deutschen Politiker allen Ernstes das andere Länder den Asylanten mehr bieten müssen als ihrem eigenen Volk?

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