Flughafen BER „Es hilft nur seriöse Arbeit, dieses verfluchte Terminal endlich fertig zu bauen“

Der Chef der Berliner Flughäfen, Engelbert Lütke Daldrup, hält am geplanten Starttermin im Oktober 2020 fest – und sieht keine Alternative zur Eröffnung.
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Rund sechs Milliarden Euro soll der Hauptstadtflughafen kosten, schätzt der Chef der Berliner Flughäfen. Quelle: dpa
Engelbert Lütke Daldrup

Rund sechs Milliarden Euro soll der Hauptstadtflughafen kosten, schätzt der Chef der Berliner Flughäfen.

(Foto: dpa)

BerlinEs ist ein Termin, bei dem sich der Chef der Berliner Flughäfen nicht groß rechtfertigen muss. Seine Zuhörer, Unternehmer vor allem der Berliner und Brandenburger Wirtschaft, sind Engelbert Lütke Daldrup grundsätzlich wohlgesonnen – was vielleicht auch an dessen Art liegt: Fokussiert und kenntnisreich, mit einer Brise Demut, erzählt er an diesem Montag bei der Berliner Industrie- und Handelskammer, warum er den von ihm selbst genannten Eröffnungstermin des neuen Hauptstadtflughafens BER im Oktober 2020 nach wie vor für sicher hält. Er erzählt auch, warum an dem Vorhaben, das problembehaftete Terminal zu eröffnen, kein Weg vorbeiführt, weil sonst 2,8 Milliarden Euro abgeschrieben werden müssten und keine Infrastruktur für einen reibungslosen Flughafen-Betrieb vorhanden wäre.

Da geht fast ein wenig unter, dass noch immer nicht klar ist, wie hoch eigentlich genau die Gesamtkosten für den Flughafen sein werden und wie die Gesamtfinanzierung aussieht. Ja, lassen Sie uns auch noch über Geld reden, sagt er auf eine Nachfrage, wie teuer der Flughafen denn am Ende eigentlich werde, nämlich rund sechs Milliarden Euro.

Bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrats am 2. März soll den Kontrolleuren von der Geschäftsführung die Auswirkungen der neuen Zeitplanung auf Kosten und Finanzierung vorgelegt werden.

Es ärgert Lütke Daldrup, dass immer nur der BER im Fokus steht, wenn von den Berliner Flughäfen die Rede ist. Was täglich in Tegel und Schönefeld geleistet werde, sagt er, „ist für die Stadt mindestens genauso wichtig“. Und doch kann er nachvollziehen, dass der Vertrauensverlust, der 2012 durch die Absage des ursprünglichen Starttermins und mehrere weitere Verschiebungen eingetreten ist, nur schwer wieder auszumerzen ist. Es sei ein „Makel, den wir mit uns herumtragen“. Da helfe kein Weglaufen und kein Meckern, „da hilft nur seriöse Arbeit, dieses verfluchte Terminal endlich fertig zu bauen“.

Lütke Daldrup, seit März 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, kennt die Baustelle seit Jahren. Er war Flughafenkoordinator im Berliner Senat und saß zeitweise auch im Aufsichtsrat des Airports. Viele von den gravierenden Problemen blieben zu dieser Zeit aber auch ihm verborgen. Als er im vergangenen März gewählt worden sei, habe er zunächst gedacht, „Ende 2018 bist du fertig“, erzählte er am Montag. „Auch ich habe einen schmerzhaften Lernprozess hinter mir.“ Er wisse, der Termin Oktober 2020 strapaziere die Geduld der Menschen in der Region, der Gesellschafter und auch die Geduld der Wirtschaft – „wir werden den Stress aber gemeinsam aushalten müssen“.

Klar in der Sache, unaufgeregt im Ton. Lütke Daldrup macht den Eindruck, als habe er die Lage im Griff. Es wäre unternehmerischer Selbstmord, auf das Terminal verzichten zu wollen, wie es manche Kritiker des Flughafens vorschlügen. Viele schwadronierten über einen Plan B, sagte er, aber es gebe keine vernünftige Alternative zur Fertigstellung des Terminals. Den jetzt genannten Termin hält er für sicher, es gibt neue Absprachen mit den Unternehmen, Sicherheitspuffer und außerdem, anders als bei früheren Terminplänen, liegen nach Angaben Lütke Daldrups jetzt sämtliche Baugenehmigungen vor.

Wie viele Fehler auch gemacht worden seien, der frühere Stadtplaner will nur begrenzt in der Vergangenheit herumstochern, sondern den Blick auf die Zukunft richten. Es sei aber ein „täglicher Kampf“, so ein Havarie-Projekt zu steuern, sagt der 61-Jährige und beklagt das regulatorische Umfeld, das den Umgang mit Großprojekten zunehmend schwieriger mache. Die Zahl der Baunormen beispielsweise habe sich in den letzten Jahren vervielfacht. Planungsverfahren seien hochkomplex, Änderungen später nur sehr schwierig durchzuführen. Deutschland, sagt er, sei eine sektorale Optimierungsgesellschaft geworden. In jedem Bereich nur das Beste.

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