
BerlinAuch heute hängt man am Berliner Flughafen mal wieder hinterher. Während sich im Süden schon längst der Frühling ausbreitet, hat sich über Nacht eine zehn Zentimeter dicke Schneeschicht über die Hauptstadt und ihr Flughafenprojekt gelegt. Die weiße Decke verdeckt blaue und rote Baucontainer, das riesige Rollfeld, auch die große Plaza vor dem Terminal ist zugeschneit.
Immerhin eines funktioniert einwandfrei: der Winterdienst: Alle Straßen sind geräumt, sogar die Fußgängerwege sind frei. Nur benutzen tut sie niemand.
Doch es ist nicht nur der Schnee, der den Hauptstadtflughafen umhüllt, es ist eine Schicht aus Dreck, gedämpftem Lärm und Resignation. Seit Jahren wird hier gearbeitet, und noch immer sind die Gebäude von Bauzäunen umzogen, noch immer hört man hier nur vereinzelte Bohrmaschinen-Schreie, aber keine menschlichen Laute. „Die Menschen, die hier arbeiten, sind schon enttäuscht“, sagt Flughafenseelsorger Justus Fiedler. „Ganz Deutschland lacht über uns.“ Egal, wie prachtvoll die Bauten, wie vorbildlich die Infrastruktur des Willy-Brandt-Flughafens bei der Fertigstellung sein werden, der BER wird für die Deutschen immer eine Lachnummer, eine Pleite bleiben. Noch immer arbeitet man hier gegen die Zeit, dabei ist das Rennen schon längst verloren.
Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.
Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.
Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.
Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.
Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.
Justus Fiedler steht im sogenannten Besucherzentrum des Hauptstadtflughafens, das sich rechts in einem klotzigen Gebäude neben dem Terminal versteckt. Besucher gibt es hier keine, dafür stehen noch die Tassen und Getränkeflaschen von der gestrigen Pressekonferenz herum. Rechts an der Wand sind sieben Informationstafeln aufgestellt, hier könnten Besucher - wenn sie nur kommen würden - etwas über Sicherheitssysteme, die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens, oder Tiertransporte erfahren.
Justus Fiedler fährt mit dem Finger über einen Touchbildschirm, der in einer der Informationstafeln installiert ist. Er steuert so durch eine 3D-Animation des Terminals, durch die Eingangshalle hin zur Treppe, rauf in den ersten Stock, wo rechts neben Starbucks ein Gang zur Flughafen-Kapelle führt.
Gründung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.
Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.
Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp. Bis zum Urteil sind nur Bauvorbereitungen gestattet.
Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.
Das Brandenburger Verkehrsministerium erlässt eine neue Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5.00 Uhr, Ausnahme Post- und Regierungsmaschinen, Notfälle. In den Randzeiten davor und danach ist die Zahl begrenzt.
Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von November 2011 auf den 3. Juni 2012 verschoben.
Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.
Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.
Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugrouten fest und folgt im wesentlichen einem Vorschlag der Fluglärmkommission aus Gemeinde- und Airline-Vertretern.
Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chef-Planer Manfred Körtgen entlassen.
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg spricht den Anwohnern das Recht auf besseren Schallschutz zu.
Der Aufsichtsrat entscheidet, den neuen Starttermin 17. März erneut zu überprüfen und am 16. August darüber zu entscheiden.
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig weist die Klage von Anwohnern ab, das Genehmigungsverfahren für den neuen Hauptstadtflughafen neu aufzurollen. Jetzt steht der Eröffnung des Airports zumindest juristisch nichts mehr im Weg.
Sitzung des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft. Der Aufsichtsrat lässt den Eröffnungstermin weiter offen. Damit sind auch die Mehrkosten und deren Finanzierung noch nicht abschließend geklärt. Fest steht, dass Bund und Länder Gelder zuschießen müssen. Beim Schallschutz für Anwohner wird nachgebessert.
Der Aufsichtsrat legt als Eröffnungstermin den 27. Oktober 2013 fest.

Tabu,
das kommt davon, wenn man bei Ausschreibungen immer nur auf den Preis, nicht aber auf die Leistung, die Sicherheiten und das jeweilige Land schaut, aus dem die angeblichen "Experten" kommen!
Ein Hoch auf Europa!- Alles inclusive Alternativlosigkeit-!!!!

Immerhin funktioniert das Licht, wenn auch sonst nicht viel
Ich habe vor wenigen Tagen in einer Berliner Zeitung gelesen, dass das LICHT am Flughafen NICHT(!!!!!) auszuschalten ist! Es brennt Tag und Nacht voll durch!
Als dürfte das mit dem "Funktionieren" wohl nicht stimmen.
Bedauerlicherweise berichten Sie, liebes Handelsblatt, also nur die HLABE WAHRHEIT!!!!

@tabu: Es sind nicht deutsche Werte den Bach runter gegangen. Das kommt davon, wenn Auftraggeber einen Flughafen "billigst" bauen lassen wollen. Dann kommen Unternehmen, die Subunternehmer engagieren. Und diese wieder Subunternehmer und so weiter. Schauen sie sich mal die Wohnsiedlungen im Berliner Speckgürtel an. Fast alles von Subunternehmern hochgezogen. Diese haben in Rumänien, Polen oder sonstwo eine Schnellbesohlung "im Halten einer Maurerkelle" erhalten. Schimmel lässt grüßen. Speziell in Großziethen. Da soll dann ein Flughafen ohne Mängel sein?
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