Flughafen Berlin Brandenburg
Der Geisterflughafen

Eigentlich sollte am BER ein Flieger nach dem anderen abheben. Doch 20.000 Mängel stehen zwischen dem Flughafen und seiner Eröffnung. Immerhin funktioniert das Licht, wenn auch sonst nicht viel. Eine Reportage.
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BerlinAuch heute hängt man am Berliner Flughafen mal wieder hinterher. Während sich im Süden schon längst der Frühling ausbreitet, hat sich über Nacht eine zehn Zentimeter dicke Schneeschicht über die Hauptstadt und ihr Flughafenprojekt gelegt. Die weiße Decke verdeckt blaue und rote Baucontainer, das riesige Rollfeld, auch die große Plaza vor dem Terminal ist zugeschneit.

Immerhin eines funktioniert einwandfrei: der Winterdienst: Alle Straßen sind geräumt, sogar die Fußgängerwege sind frei. Nur benutzen tut sie niemand.

Doch es ist nicht nur der Schnee, der den Hauptstadtflughafen umhüllt, es ist eine Schicht aus Dreck, gedämpftem Lärm und Resignation. Seit Jahren wird hier gearbeitet, und noch immer sind die Gebäude von Bauzäunen umzogen, noch immer hört man hier nur vereinzelte Bohrmaschinen-Schreie, aber keine menschlichen Laute. „Die Menschen, die hier arbeiten, sind schon enttäuscht“, sagt Flughafenseelsorger Justus Fiedler. „Ganz Deutschland lacht über uns.“ Egal, wie prachtvoll die Bauten, wie vorbildlich die Infrastruktur des Willy-Brandt-Flughafens bei der Fertigstellung sein werden, der BER wird für die Deutschen immer eine Lachnummer, eine Pleite bleiben. Noch immer arbeitet man hier gegen die Zeit, dabei ist das Rennen schon längst verloren.

Justus Fiedler steht im sogenannten Besucherzentrum des Hauptstadtflughafens, das sich rechts in einem klotzigen Gebäude neben dem Terminal versteckt. Besucher gibt es hier keine, dafür stehen noch die Tassen und Getränkeflaschen von der gestrigen Pressekonferenz herum. Rechts an der Wand sind sieben Informationstafeln aufgestellt, hier könnten Besucher - wenn sie nur kommen würden - etwas über Sicherheitssysteme, die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens, oder Tiertransporte erfahren.

Justus Fiedler fährt mit dem Finger über einen Touchbildschirm, der in einer der Informationstafeln installiert ist. Er steuert so durch eine 3D-Animation des Terminals, durch die Eingangshalle hin zur Treppe, rauf in den ersten Stock, wo rechts neben Starbucks ein Gang zur Flughafen-Kapelle führt.

Kommentare zu "Der Geisterflughafen"

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  • Tabu,
    das kommt davon, wenn man bei Ausschreibungen immer nur auf den Preis, nicht aber auf die Leistung, die Sicherheiten und das jeweilige Land schaut, aus dem die angeblichen "Experten" kommen!

    Ein Hoch auf Europa!- Alles inclusive Alternativlosigkeit-!!!!

  • Immerhin funktioniert das Licht, wenn auch sonst nicht viel

    Ich habe vor wenigen Tagen in einer Berliner Zeitung gelesen, dass das LICHT am Flughafen NICHT(!!!!!) auszuschalten ist! Es brennt Tag und Nacht voll durch!

    Als dürfte das mit dem "Funktionieren" wohl nicht stimmen.

    Bedauerlicherweise berichten Sie, liebes Handelsblatt, also nur die HLABE WAHRHEIT!!!!

  • @tabu: Es sind nicht deutsche Werte den Bach runter gegangen. Das kommt davon, wenn Auftraggeber einen Flughafen "billigst" bauen lassen wollen. Dann kommen Unternehmen, die Subunternehmer engagieren. Und diese wieder Subunternehmer und so weiter. Schauen sie sich mal die Wohnsiedlungen im Berliner Speckgürtel an. Fast alles von Subunternehmern hochgezogen. Diese haben in Rumänien, Polen oder sonstwo eine Schnellbesohlung "im Halten einer Maurerkelle" erhalten. Schimmel lässt grüßen. Speziell in Großziethen. Da soll dann ein Flughafen ohne Mängel sein?

  • Und diesen kranken Flughafen wollten sie letzten November aufmachen? Da müssen es ja noch weit mehr als 20.000 Mängel gewesen sein. Aber trotzdem öffnen? Auweia. Wie lebensgefährlich. Wenn der Geist sich bis zur "Eröffnung" hält, flieg ich da nie, dann sind die Flugzeuge genauso "gut" gewartet wie sein Flughafen - nämlich gar nicht. Reisst dieses kranke Gebilde endlich weg und baut es woanders besser wie der auf.

  • Das sind eben die jungen Geisterschreiber vom Handelsblatt. Dumm rummeckern aber zu dumm um Deutsch zu schreiben. Wenn man den Frankfurter Flughafen genauso checken würde, käme man ebenso auf mindestens 10.000 Fehler.

  • 100 % auf den Nagel getroffen!
    Deutschland WAR mal was...und jetzt? wir gehen immer mehr den Bach runter! Kein Wunder, überall nur Inkompetenz, angefangen bei der Regierung, Justiz, etc. etc.

  • Ich habe selbst ein Projekt geleitet für die Erstellung eines wichtigen Gewerks am Flughafen. Wir waren externer Auftragnehmer. Das Ausschreibungsverfahren und die Verhandlungen bis zur Auftragsvergabe waren haarsträubend: Die Auftraggeber traten mit einer unbeschreiblichen Arroganz auf, der Verhandlungsführer stauchte permanent seine eigenen Mitarbeiter zusammen und die Verdingungsunterlagen waren durch und durch mangelhaft. Hätten wir das Gewerk so realisiert, wären sofort erhebliche rechtliche Konsequenzen eingetreten.
    Mich wundert es ehrlich wirklich nicht, dass der Flughafen so eine technische Nullnummer geworden ist.

  • ",...arbeitet Fiedler bereits an den Flughäfen in Tegel und Schöneberg."
    Ich wusste gar nichts, dass es in Schöneberg auch einen Flughafen gibt. Mensch, Handelsblatt Redaktion, der Beitrag ist voller Schreibfehler. Da sind so lustige Sachen zu lesen wie der Anzugflug. Was ist denn das nun wieder ? Mehr Sorgfalt vor der Veröffentlichung wäre gut.

  • Haben die Verantwortlichen der Flughafengesellschaft den Seelsorgern eigentlich schon gebeichtet, weshalb sie die Anwohner in Berlin und Brandenburg über den tatsächlichen Verlauf der Flugrouten belogen und betrogen haben?

  • .....es ist doch gut so, was da passiert. Der billigste Anbieter wurde genommen. Und jetzt die Ernüchterung. Wird alles u. U. doppelt so teuer? Ja. Die Verantwortlichen sollen derartig belehrt werden, daß so etwas nicht passieren soll. Wird das so sein? Nein, eher kommt der Mond auf einem goldenen Tablett zu uns runter, als diese Methoden der Ausschreibung geändert werden. Also sollen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden? Ja. Und sie sollen dafür bluten, d. h. sie sollen Kürzungen Ihrer finanziellen Zuwendungen hinnehmen müssen. Also ihre Gehälter sollen gekürzt werden. Aber es ist Traumtänzerrei. Es bleibt alles beim Alten, wie gehabt. Ist ja genug Geld da. Die Steuereinnahmen sprudeln. Man bediene sich

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