Deutschland

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Flughafen Berlin Brandenburg: Der Geisterflughafen

Eigentlich sollte am BER ein Flieger nach dem anderen abheben. Doch 20.000 Mängel stehen zwischen dem Flughafen und seiner Eröffnung. Immerhin funktioniert das Licht, wenn auch sonst nicht viel. Eine Reportage.

BER ist der Flughafen, an dem alles stillsteht. Quelle: Reuters
BER ist der Flughafen, an dem alles stillsteht. Quelle: Reuters

BerlinAuch heute hängt man am Berliner Flughafen mal wieder hinterher. Während sich im Süden schon längst der Frühling ausbreitet, hat sich über Nacht eine zehn Zentimeter dicke Schneeschicht über die Hauptstadt und ihr Flughafenprojekt gelegt. Die weiße Decke verdeckt blaue und rote Baucontainer, das riesige Rollfeld, auch die große Plaza vor dem Terminal ist zugeschneit.

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Immerhin eines funktioniert einwandfrei: der Winterdienst: Alle Straßen sind geräumt, sogar die Fußgängerwege sind frei. Nur benutzen tut sie niemand.

Flughafen-Debakel Guck mal, Tegel lebt!

Das Debakel um den neuen Hauptstadtflughafen produziert auch einen großen Gewinner.

Doch es ist nicht nur der Schnee, der den Hauptstadtflughafen umhüllt, es ist eine Schicht aus Dreck, gedämpftem Lärm und Resignation. Seit Jahren wird hier gearbeitet, und noch immer sind die Gebäude von Bauzäunen umzogen, noch immer hört man hier nur vereinzelte Bohrmaschinen-Schreie, aber keine menschlichen Laute. „Die Menschen, die hier arbeiten, sind schon enttäuscht“, sagt Flughafenseelsorger Justus Fiedler. „Ganz Deutschland lacht über uns.“ Egal, wie prachtvoll die Bauten, wie vorbildlich die Infrastruktur des Willy-Brandt-Flughafens bei der Fertigstellung sein werden, der BER wird für die Deutschen immer eine Lachnummer, eine Pleite bleiben. Noch immer arbeitet man hier gegen die Zeit, dabei ist das Rennen schon längst verloren.

Die Starttermine für den Flughafen BER

  • 30. Oktober 2011

    Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

  • 3. Juni 2012

    Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

  • 17. März 2013

    Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

  • 27. Oktober 2013

    Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.

  • Frühestens 2014

    Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.

Justus Fiedler steht im sogenannten Besucherzentrum des Hauptstadtflughafens, das sich rechts in einem klotzigen Gebäude neben dem Terminal versteckt. Besucher gibt es hier keine, dafür stehen noch die Tassen und Getränkeflaschen von der gestrigen Pressekonferenz herum. Rechts an der Wand sind sieben Informationstafeln aufgestellt, hier könnten Besucher - wenn sie nur kommen würden - etwas über Sicherheitssysteme, die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens, oder Tiertransporte erfahren.

Justus Fiedler fährt mit dem Finger über einen Touchbildschirm, der in einer der Informationstafeln installiert ist. Er steuert so durch eine 3D-Animation des Terminals, durch die Eingangshalle hin zur Treppe, rauf in den ersten Stock, wo rechts neben Starbucks ein Gang zur Flughafen-Kapelle führt.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

  • 1990er Jahre

    Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
    Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

  • 2004-2005

    August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
    April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

  • 2006-2008

    März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
    Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
    Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

  • 2010-2011

    Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
    Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

  • Januar 2012

    Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

  • Mai 2012

    Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

  • August 2012

    Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

  • September 2012

    Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

  • Januar 2013

    6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
    16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

  • Februar 2013

    13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
    19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

  • März 2013

    4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
    7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
    8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

  • 23.03.2013, 13:30 UhrSchneewittchen

    Hatte für meinen Privatjet schon einen Parkplatz fix gebucht gehabt. Von dort ist der Weg in meine Sommerresidenz am Golfplatz Motzen auch nicht so weit weg.
    Wer ersetzt mir jetzt die entstandenen Kosten und den Zeitverlust über Tegel ? Ist eine echte Sauerei.

  • 23.03.2013, 14:03 UhrTabu

    Doch 20.000 Mängel stehen zwischen dem Flughafen und seiner Eröffnung.
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    Von Pfusch am Bau,kann so manch ein Häuslebauer ein Lied singen.
    Die könnens einfach heute nicht mehr.
    Da fehlt die Sorgfalt und die Genauigkeit.
    Deutsche Werte,die den Bach runtergegangen sind.

  • 23.03.2013, 15:03 UhrPaul

    .....es ist doch gut so, was da passiert. Der billigste Anbieter wurde genommen. Und jetzt die Ernüchterung. Wird alles u. U. doppelt so teuer? Ja. Die Verantwortlichen sollen derartig belehrt werden, daß so etwas nicht passieren soll. Wird das so sein? Nein, eher kommt der Mond auf einem goldenen Tablett zu uns runter, als diese Methoden der Ausschreibung geändert werden. Also sollen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden? Ja. Und sie sollen dafür bluten, d. h. sie sollen Kürzungen Ihrer finanziellen Zuwendungen hinnehmen müssen. Also ihre Gehälter sollen gekürzt werden. Aber es ist Traumtänzerrei. Es bleibt alles beim Alten, wie gehabt. Ist ja genug Geld da. Die Steuereinnahmen sprudeln. Man bediene sich

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