Flugsicherung muss neue Gewerkschaft anerkennen
Deutsche Fluglotsen dürfen streiken

Die Deutschen Fluglotsen dürfen grundsätzlich streiken. Dies entschied das Landesarbeitsgericht Hessen in Frankfurt in einem Eilverfahren und wies damit eine Beschwerde der Deutschen Flugsicherung (DFS) zurück.

HB FRANFURT/MAIN. DFS-Sprecher Ulrich Manz kündigte an, jetzt mit der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) Tarifverhandlungen aufzunehmen, um einen Arbeitskampf abzuwenden. Auch Gewerkschaftssprecher Marek Kluzniak sagte: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst.“

Der Streit hatte sich an der Frage entzündet, ob die Deutsche Flugsicherung die 2003 gegründete Gewerkschaft der Flugsicherung ähnlich wie die Gewerkschaft Verdi als Tarifpartner anerkennen muss. Die Flugsicherung hatte argumentiert, die GdF erfülle dazu nicht die formalen Voraussetzungen. So habe diese Gewerkschaft fast nur Mitglieder bei der Flugsicherung und sei damit nicht überbetrieblich organisiert. Außerdem dürften Fluglotsen nicht streiken, weil die Folgen für Dritte unverhältnismäßig hoch seien im Vergleich zu dem Schaden für den Arbeitgeber, der sich überwiegend durch Gebühren finanziert.

Der Vorsitzende Richter Rainer Bram erklärte in der Urteilsbegründung, er gehe davon aus, dass die Gewerkschaft sich der Folgen bewusst ist, wenn sie tatsächlich zu einem Arbeitskampf schreiten sollte. Die GdF wolle sich sicherlich nicht zur unbeliebtesten Gewerkschaft in Deutschland machen und 100 000 Arbeitnehmern den Urlaub verderben. Außerdem wies er auf den wirtschaftlichen Schaden eines Streiks hin. Dieser sei heute sicherlich zehn Mal höher als in den 70er Jahren. Damals hatten Fluglotsen einen Bummelstreik veranstaltet und einen Schaden von mehr als 300 Millionen Euro angerichtet.

Die GdF wolle bei den Tarifverhandlungen eine Lohnerhöhung von lediglich knapp einem Prozent durchsetzen, sagte GdF-Sprecher Kluzniak. In der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung wird aber befürchtet, dass Verdi und GdF bei künftigen Verhandlungen versuchen, sich in ihren Forderungen jeweils zu überbieten. In der Luftfahrtbranche gibt es bereits mit der Vereinigung Cockpit (Piloten) und der Flugbegleiter-Organisation UFO (Kabinenpersonal) zwei Spezialgewerkschaften.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung hat nach eigenen Angaben rund 2 000 Mitglieder, davon 1 600 bei der Flugsicherung. Rund 80 Prozent der Fluglotsen und Flugsicherungstechniker sind demnach bei der Gewerkschaft organisiert. Sie war entstanden, weil sich die Mitglieder von der heutigen Gewerkschaft Verdi nicht ausreichend vertreten sahen. Bei einer Urabstimmung im Mai hatten sich 95,9 Prozent für einen Streik ausgesprochen, wenn der Arbeitgeber die Aufnahme von Tarifgesprächen verweigere.

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