„Flugzeuge mit Minderleistungen“
Von der Leyen droht Airbus wegen A400M

Dass die Bundeswehr den A400M dringender denn je braucht, zeigen die Probleme mit Transall-Maschinen beim Irak-Einsatz. Doch bei der Auslieferung hakt es. Das Verteidigungsministerium will das nicht hinnehmen.
  • 25

BerlinDie alternde Flotte der Luftwaffe ist in einem teilweise desolaten Zustand. Gerade jetzt, wo die Bundeswehr international immer stärker gefordert ist, wiegt der Ausfall von Transportmaschinen des Typs Transall besonders schwer.

Nachdem sich in diesen Tagen wegen einer defekten Transall schon eine Reise von Bundeswehrsoldaten verzögerte, die inzwischen im Irak kurdische Peschmerga-Kämpfer in der Handhabung der gelieferten deutschen Waffen unterweisen, gibt es jetzt eine weitere Panne. Wegen eines technischen Defekts ist eine für die Ebola-Luftbrücke vorgesehene Bundeswehr-Transall auf Gran Canaria liegen geblieben und kann vorerst ihren Weiterflug nach Dakar im Senegal nicht fortsetzen. Entsprechende Informationen des Handelsblatts (Online-Ausgabe) bestätigten die Bundeswehr-Luftwaffe und das Verteidigungsministerium.

Demnach ist inzwischen eine Ersatzmaschine mit Ersatzteilen und Mechanikern auf dem Weg nach Gran Canaria, um den Defekt zu beheben. Die Transall sollte für den Aufbau einer Luftbrücke für Material zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika eingesetzt werden.

Die Bundeswehr-Ausbilder die in den Irak entsandt werden sollten, darunter sechs Fallschirmjäger und ein Sanitäter, hatten zunächst wegen einer defekten Transall in Bulgarien auf eine Ersatzmaschine warten müssen. Erste nach einigen Verzögerungen konnten sie vom bulgarischen Burgas aus in Richtung Erbil weiterfliegen. Nicht nur im Irak und in Westafrika spielen die Transportflugzeuge eine zentrale Rolle. In Afghanistan werden sie ebenso benötigt wie im Kosovo. In Mali versorgten Transall-Maschinen der Bundeswehr afrikanische Truppen mit Nachschub.

Die Intensität der Einsätze und die Altersschwäche der Transall führen zu häufigen Ausfällen. Lediglich 24 von 56 Flugzeugen sind derzeit einsatzbereit, wie aus einem Bericht des Bundesverteidigungsministeriums hervorgeht. Eigentlich sollte die in den 1960er-Jahren entwickelte Maschine längst ausgemustert sein. Doch die Auslieferung des Nachfolgers, ein A400M-Militärtransporter, steht unter keinem guten Stern.

Über die Beschaffung streitet das Verteidigungsministerium seit Jahren mit dem Hersteller Airbus. Seit langem steht fest, dass der A400M später ausgeliefert und teurer als geplant wird. Ende des Jahres soll nun die erste von insgesamt 53 bestellten Maschinen ausgeliefert werden. Doch auch hier kommt es zu einer Verzögerung – die Rede ist von mindestens einem weiteren Monat. Frühestens im Dezember soll nun das erste Exemplar bei der Luftwaffe ankommen. Dann allerdings auch nur mit eingeschränkten Fähigkeiten.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will das nicht hinnehmen. A400M-Maschinen mit „Minderleistungen“ sollen daher nur dann abgenommen werden, wenn Airbus die Kosten zur Beseitigung der Mängel übernimmt. Das geht aus einer auf den 1. September 2014 datierten Antwort des Verteidigungs-Staatssekretärs, Markus Grübel (CDU), auf eine schriftliche Frage des Haushalts- und Verteidigungsexperten der Grünen-Bundestagsfraktion, Tobias Lindner, hervor.

„Die Abnahme der Flugzeuge mit Minderleistungen (…) wird nur erfolgen, sofern angemessene Kompensationsleistungen in Verbindung mit einem für den Bund kostenfreien Nachrüstungsprogramm zur Erreichung der geforderten Fähigkeiten für die operative Nutzung vereinbart werden können“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) vorliegt.

Kommentare zu " „Flugzeuge mit Minderleistungen“: Von der Leyen droht Airbus wegen A400M"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Andrea Merker „....aber nach Ihrer Aussage haben es andere verbockt und tragen die Schuld.“

    Da hat er recht, wenn er sich auf das Projekt A400M bezieht, denn den und das dazu gehörende Panzerprojekt, das mit diesem Flugzeug transportiert werden sollte, hat Rudolf Scharping unterschrieben. Die Beschaffung bei der BW hat nichts mit Richtlinienkompetenz zu tun, die Beschaffung bzw. die Projektierung liegen beim Beschaffungsamt der BW; zuständig ist der Bundesminister der Verteidigung.
    Eine Arztempfehlung erspare ich mir.

  • Die AN-70 ist seit Jahrzehnten in der Planung aber hat noch gar keine Zulassung und auch keine Produktionsstätte. Die Maschine sollte ursprünglich von der Ukraine und Russland zusammen gebaut werden...

    Die C-130 ist leider auch viel zu klein für das heutige Gerät der Bundeswehr. Das Problem ist der zu kleine Rumpfquerschnitt wie ihn auch die Transall hat. Es gibt zwar von Lookheed eine C-130J "Super" Hercules aber deren Rumpf ist auch breiter sondern nur länger. Der A400M hat bei gleicher Zuladung die doppelte Reichweite.

    Nein, die C-17 wäre auch keine Alternative. Das Fahrwerk und die Triebwerke sind einfach nicht für teilweise befestigte Pisten geeignet. Man kann diesen Transporter zwar mal für eine Fotosession auf einer Sandpiste landen aber das war's auch schon.

  • @Herr Gert Roth
    "Verantwortlich waren SPD und Grüne Verlogen argumentieren diese Parteien jetzt, und kritisieren die amtierende Ministerin."

    Leiden Sie an Gehirnwäsche oder nur an ordinärer Doofheit?!!
    Tun Sie mal etwas für Ihre Bildung, Sie haben es wirklich dringend nötig!
    Bei Wikipedia kann Ihnen geholfen werden. Da stehen über Frau Merkel folgende Fakten:
    "Seit dem 10. April 2000 ist sie (Merkel) Bundesvorsitzende der CDU und seit dem 22. November 2005 – mittlerweile in der dritten Amtsperiode – als Chefin von unterschiedlich zusammengesetzten Koalitionsregierungen deutsche Bundeskanzlerin."
    http://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel

    Frau Merkel und ihre CDU bestimmen also seit mehr als neun Jahren die Richtlinien der Bundespolitik in Deutschland, aber nach Ihrer Aussage haben es andere verbockt und tragen die Schuld.
    Gehen Sie mal zum Arzt, wenn es nicht besser wird!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%