Fördermittel für Ostdeutschland würden deutlich reduziert werden: Ifo-Chef sieht dramatische Folgen der EU-Osterweiterung

Fördermittel für Ostdeutschland würden deutlich reduziert werden
Ifo-Chef sieht dramatische Folgen der EU-Osterweiterung

Laut Ifo-Chef Hans-Werner Sinn wird der Aufbau Ost zum Erliegen kommen, wenn die Osterweiterung der Europäischen Union (EU) über die Bühne geht. Bei anderen Experten stießen seine Thesen allerdings auf Ablehnung: Von der EU-Erweiterung profitiere Deutschland bereits.

HB BERLIN. Die Fördermittel der EU würden deutlich reduziert und fehlten künftig beim Ausbau der Infrastruktur in Ostdeutschland, sagte der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Montag in einem „Welt“-Interview. Vor allem aber seien die Arbeitskosten in Ostdeutschland im Vergleich zu den künftigen EU-Ländern zu hoch, um konkurrenzfähig zu sein. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet dagegen keine dramatische Entwicklung. Das sei am bereits weitgehend liberalisierten Handel mit den EU-Beitrittsländern ablesen.

Mit der EU-Erweiterung um acht mittel- und osteuropäische Staaten sowie Zypern und Malta am 1. Mai sieht Sinn vor allem Ostdeutschland zunächst massiv absacken, bevor es langfristig davon profitiert. Westdeutsche und internationale Investoren würden weiter „über Ostdeutschland hinweghüpfen und ihre neuen Betriebsstätten in den Reformstaaten ansiedeln“. Dadurch werde das ohnehin schwache Wachstum gebremst und der Aufbau neuer Arbeitsplätze beeinträchtigt. „Die Ursache liegt in einem gewaltigen Lohngefälle“, sagte Sinn. So seien die Löhne in Ostdeutschland fünf Mal so hoch wie in Tschechien oder Polen.

In den Beitrittsstaaten wird es dagegen Sinn zufolge „ein Wirtschaftswunder geben“. Unter der EU-Osterweiterung werde aber nicht nur Ost-, sondern auch Westdeutschland leiden: „Die stillen Stars des Mittelstandes setzen sich sukzessive nach Osteuropa ab.“ Deutschland werde sich zu einer „Basar-Ökonomie“ entwickeln, denn es beliefere die Welt mit billigen und guten Produkten, die es in zunehmendem Maß nicht mehr selbst erzeuge, sondern in seinem osteuropäischen Hinterland produzieren lasse.

Der DIW-Experte für die EU-Osterweiterung, Herbert Brücker, widersprach Sinn, dem er vorwarf, Ängste zu schüren. „Nichts Dramatisches wird passieren.“ So habe die deutsche Wirtschaft vom liberalisierten Handel mit den EU-Beitrittskandidaten bereits profitiert und das Handelsvolumen werde sich nochmals verdoppeln. Mit Blick auf die angebliche Verlagerung von Produktionsstätten sagte er, die Direktinvestitionen in den Kandidaten-Ländern machten lediglich 0,15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der EU aus.

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