Förderung stockt
Ausnahmezustand Ganztagsschule

Viele Bundesländer stehen beim Ausbau der Ganztagsschulen auf der Bremse. 400 Mio. Euro Fördergelder des Bundes haben sie noch nicht abgerufen – obwohl das Programm schon um ein Jahr verlängert wurde. Allein 132 Mio. entfallen auf Nordrhein-Westfalen. Die Unterschiede unter den Ländern sind gewaltig.

BERLIN. Besonders langsam kommen auch Hessen, Niedersachsen und Bayern voran. Das zeigt eine Zwischenbilanz des Bundesbildungsministeriums, die dem Handelsblatt vorliegt. 2008 verkündete die damalige Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Saarlands Ressortchefin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), man wolle „nachholen, was in vielen Ländern Europas selbstverständlich ist“ – bis 2020 werde die Ganztagsschule „der Normalfall“.

Davon ist die Republik weit entfernt. Eigentlich sollte das vier Mrd. Euro schwere Programm, das 2003 die damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) anschob, 10 000 Ganztagsschulen finanzieren. Bisher sind es 6 918 – die teilweise auch nicht neu geschaffen, sondern nur renoviert wurden. Nur jedes fünfte Kind besucht eine Schule, die Ganztagsbetrieb anbietet. Nicht einmal neun Prozent der Kinder besuchen eine sogenannte „gebundene Ganztagssschule“, die für alle ein verbindliches Programm bis in der Regel 16 Uhr vorsieht.

Ganztagsschulen gelten als zentrales Instrument, um besonders schwache Schüler und Migranten, aber auch besonders Begabte besser zu fördern. Hintergrund ist, dass Deutschland im internationalen Vergleich nicht nur besonders viele Risikoschülern hat, sondern auch die Spitzengruppe ziemlich dünn besetzt ist. Zudem könnten Ganztagsschulen auch manches Einzelkind sozial integrieren, sagt etwa KMK-Vizepräsident, der bayrische Kultusminister Ludwig Spaenle. Zudem ermöglichen Ganztagsschulen beiden Eltern die Berufstätigkeit.

Aus beiden Gründen drängt auch die Wirtschaft massiv auf ein flächendeckendes Angebot. Die Eltern sowieso: Umfragen zufolge wollen fast drei Viertel mehr Ganztagsschulen. Noch Anfang des Jahrzehnts gab es aber nicht einmal für jeden zehnten Schüler ein ganztägiges Angebot.

Um das zu ändern, startete Bulmahn 2003 nach zähem Streit mit den Ländern, die sich nichts vorschreiben lassen wollten, das Milliarden-Programm. Davon waren Ende 2008 nur 3,7 Mrd. abgerufen. Einzig Bremen und Thüringen hatten ihre Mittel vollständig verwendet. Also verlängerte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) um ein Jahr.

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