Folge der Air-Berlin-Insolvenz
Preisexplosion bei der Lufthansa alarmiert Politik

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Spielmaterial für die Kartellprüfung

Nach Einschätzung des Ökonomen Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) waren die Preiserhöhungen zu erwarten. „Genau so, dass die Qualität des Angebots sich verschlechtern wird“, sagte Duso dem Handelsblatt. „Dass die Preissteigerungen so hoch sind, zeigt auch, dass Air Berlin im Segment der Geschäftsreiseverbindungen ein besonders scharfer Wettbewerber für Lufthansa war.“ In diesem Segment seien die Low-cost-Fluggesellschaften nicht wirklich aktiv.

Duso setzt in der Ticketpreis-Frage auf die Europäische Kommission. Brüssel habe schon signalisiert, dass „viele Strecken problematisch“ seien. „Auf diesen Strecken wird die Kommission wahrscheinlich verlangen, dass Lufthansa Start- und Landerechte an Wettbewerber abgibt“, sagte der Ökonom. „Das könnte den Wettbewerb wieder beleben und die Preise wieder auf das alte Niveau bringen.“

Seit gut zwei Wochen sind deutlich weniger Flieger am Himmel als vor der Air-Berlin-Pleite. Rund 80 der 140 rot-weißen Flugzeuge stehen am Boden, laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr fehlen jeden Tag rund 60 000 Sitzplätze. Weitere Abhilfe sei erst nach einer positiven Kartell-Entscheidung der EU-Kommission zu erwarten.

1000 zusätzliche Flüge pro Monat soll dann allein die Tochter Eurowings anbieten, sofern sie denn bis dahin ausreichend Crews angeworben hat. Mit einer Entscheidung aus Brüssel noch in diesem Jahr wird es allerdings nur etwas, wenn die Kommission auf eine vertiefte Prüfung des Air-Berlin-Deals verzichtet.

Auch kleine Anbieter wie Germania, Condor, Sundair oder die griechische Aegean stocken ihre Flotten auf. Der zweite Air-Berlin-Käufer Easyjet will nach der Brüsseler Entscheidung nach und nach die erworbenen Kapazitäten in den Markt bringen.

Wegen der komplexen Formalien bei der Übernahme der Flugzeuge und des Personals wollen sich die Briten dabei bis September 2018 Zeit nehmen. Mit der Gewerkschaft Verdi verabredeten sie dazu sogar Übergangsgelder für das Personal der Air Berlin, das noch länger auf seinen Einsatz unter neuer Flagge warten muss.

Auf welchen Strecken und zu welchen Terminen die Londoner die bis zu 25 Jets einsetzen wollen, haben sie bislang nicht kommuniziert. Erwartet wird aber schon aus kartellrechtlichen Gründen ein Angebot auf den aktuell so überbuchten innerdeutschen Rennstrecken wie Frankfurt-Berlin, Berlin-München oder Düsseldorf-München.

Ausgerechnet auf diesen Verbindungen hat nun auch die Lufthansa-Tochter Eurowings neue Angebote ab 2018 angekündigt. Das kann Spielmaterial für die Kartellprüfung sein oder tatsächlich die Hoffnung auf wieder sinkende Ticketpreise schüren.

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Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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