Folterberichte
„Bremer Taliban“ erhebt schwere Vorwürfe gegen Bundeswehr

Der als "Bremer Taliban" bekannt gewordene Murat Kurnaz hat in seinem ersten Interview schwere Vorwürfe geäußert: Bei seiner Festnahme durch US-Truppen in Afghanistan sei er auch von Männern in deutschen Uniformen misshandelt worden. Die Bundesregierung kündigte eine Untersuchung an.

HB BERLIN. Kurnaz hatte in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview des Magazins „Stern“ erklärt, er sei nach seiner Überstellung durch die USA in ein afghanisches Gefangenenlager möglicherweise von Soldaten der deutschen Eliteeinheit KSK misshandelt worden. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte in Berlin, den Hinweisen sei sofort nachgegangen worden.

„Aufgrund erster Befragungen gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass deutsche Soldaten damals an Verhören eines deutschsprachigen Gefangenen des US-Militärs beteiligt waren. Von Misshandlungen ist nichts bekannt.“ Eine Arbeitsgruppe des Ministeriums werde unverzüglich die Arbeit aufnehmen, gegebenenfalls werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Kurnaz hatte gegenüber dem „Stern“ erklärt, bereits zwei Wochen nach seinem Eintreffen in einem afghanischen Gefangenenlager hätten ihn „zwei deutsche Soldaten“ sehen wollen. Die Männer hätten ihn an den Haaren gezogen und seinen Kopf auf den Boden geschlagen. Dem „Stern“ zufolge handelte es sich dabei „aller Wahrscheinlichkeit nach um Angehörige der Elite-Einheit KSK, Kommando-Spezialkräfte, damals die einzigen deutschen Soldaten im afghanischen Kandahar“.

Im Interview beschreibt Kurnaz die Begegnung mit den angeblich deutschen Soldaten so: „Es hieß, zwei deutsche Soldaten wollten mich sehen. Sie trugen Camouflage-Uniformen, das Tarnmuster war aus kleinen Punkten zusammengesetzt, wie vom Computer gemacht, und sie trugen die deutsche Flagge am Ärmel“, sagte er dem „Stern“. Auf die Frage „KSK? Kommando-Spezialkräfte waren damals die einzigen deutschen Soldaten in Kandahar“ antwortete Kurnaz: „Kann sein. Er hat jedenfalls meinen Kopf auf den Boden geschlagen, und die Amerikaner fanden das lustig.“

Kurnaz sagte weiter, er sei in Kandahar von US-Militärs unter anderem mit Elektroschocks misshandelt worden. Darüber hinaus habe man ihn stundenlang an seinen Händen aufgehängt, die auf dem Rücken gefesselt waren. Nach zwei Monaten sei der dann in das Gefangenenlager Guantanamo gebracht worden, wo er ebenfalls brutal gefoltert worden sei.

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