Forderung klarer Erfolgskriterien
Transfergesellschaften streiten über Qualität

Aufgrund von Massenentlassungen droht den Transfergesellschaften, die geschasste Mitarbeiter für eine Übergangszeit auffangen, im Herbst ein neuer Ansturm. Der Bundesverband der Träger im Beschäftigtentransfer fordert nun, dass sich sämtliche Anbieter auf dem zersplitterten Markt 15 Qualitätsstandards unterstellen. Aber nur eine Minderheit der Branche macht mit.

DÜSSELDORF. Während ein Teil der Branche verbindliche Qualitätsstandards setzen will, haben sich die meisten Anbieter an die lasche Gesetzeslage gewöhnt und möchten weiter ungestört die Fördergelder der Bundesagentur für Arbeit kassieren (BA).

Der Zoff kommt zur Unzeit. Denn auf die Transfergesellschaften kommt viel Arbeit zu. Sollte sich die Konjunktur nicht schnell erholen und die Unternehmen im Herbst massenhaft Mitarbeiter entlassen, rücken Transfergesellschaften in den Mittelpunkt der Arbeitsmarktpolitik. Sie wären nach der Kurzarbeit das zweite Auffangnetz zwischen Job und Arbeitslosigkeit – ein ziemlich löchriges Netz, bemängeln Kritiker.

In den Transfergesellschaften werden entlassene Arbeitnehmer bis zu einem Jahr lang angestellt. Die Gesellschaften – meist getragen von gewerkschafts- oder arbeitgebernahen Instituten – sollen die Arbeitnehmer qualifizieren und in Arbeit vermitteln. Feste Regeln, wie das zu passieren hat, gibt es bisher nicht. Welche Weiterbildungsprogramme oder Betreuungskonzepte die Gesellschaften den Mitarbeitern zukommen lassen, liegt mehr oder weniger im Ermessen einer jeden Gesellschaft. Dabei zahlt die Arbeitsagentur bis zu 67 Prozent des letzten Gehalts weiter, der Arbeitgeber stockt bis auf 80 Prozent auf. Der Vorteil für Politik und BA: Die Mitarbeiter der Transfergesellschaften tauchen in keiner Arbeitslosenstatistik auf.

Mit gut 200 Mio. Euro aus dem Etat der BA jährlich ist es ein teuer erkaufter Vorteil, zumal es keine messbaren Erfolgskriterien gibt. Und es könnte noch teurer werden. Seit Anfang des Jahres steigt der Betrag, den die BA monatlich für die Transfers aufwendet, konstant. Am Jahresende dürften mehr als 200 Mio. Euro zusammengekommen sein.

Das Problem: Einigen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften im Fall einer Massenentlassung auf eine Transfergesellschaft, wird diese auch eingerichtet. Und Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich nahezu immer – denn beide stellen in vielen Fällen die Träger für die Maßnahmen. Der BVTB hat nun Kriterien aufgestellt, die die Arbeit der Gesellschaften überprüfbar machen soll. „Wir wollen endlich nachvollziehbare Qualitätskriterien“, sagt der Sprecher des Verbandsvorstandes Harald Müller. Solche wären etwa eine zweijährliche Zertifizierung, eine rasche Aufnahme der Vermittlungstätigkeit, persönliche Ansprechpartner, ein Betreuungsschlüssel von maximal 50 Betreuten pro Mitarbeiter, eine belastbare Finanzierung, ein dokumentierter Projektverlauf und eine Erfolgsüberprüfung. Die Resonanz ist bisher überschaubar – keine zwei Dutzend Transfergesellschaften haben sich den Kriterien bisher unterworfen. Deswegen fordert Müller: „Die Arbeitsagentur muss den Kriterienkatalog verbindlich machen.“ Nur wenn ein Entzug der öffentlichen Fördergelder drohe, seien die Transfergesellschaften einsichtig.

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