Forderung nach längeren Arbeitszeiten
Union sagt "Freizeitweltmeistern" den Kampf an

Der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) sagte am Freitag in München, als „Freizeitweltmeister“ werde Deutschland den globalen Wettbewerb nicht bestehen. Nötig seien Verzicht auf ein paar Urlaubstage oder längere Wochenarbeitszeit.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Damit könnten die Beschäftigungslage gefestigt und das Wachstum gestärkt werden. Ähnlich hatte CDU-Chefin Angela Merkel am Vortag bei einem Betriebsrätetreffen argumentiert. Sozialministerin Christa Stewens (CSU) sprach sich für eine längere Lebensarbeitszeit aus. Ein Jahr mehr bringe 15 Milliarden Euro in die Rentenkassen. „Wir müssen beim tatsächlichen Renteneintrittsalter möglichst nah an die Grenze von 65 Jahren kommen“, sagte sie. Wer früher in Rente gehe, solle höhere Abschläge hinnehmen müssen.

Auch Staatskanzleichef Erwin Huber (CSU) plädierte für Mehrarbeit, da sonst der Lebensstandard nicht zu halten sei, wie er der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag) sagte. Die Politik könne die Arbeitszeit nicht regeln, die Regierung habe aber eine Führungsaufgabe. Bayern werde deshalb sowohl bei den Beamten wie auch bei den Angestellten und Arbeitern im öffentlichen Dienst „die Konsequenzen ziehen“.

Zuvor hatte sich der CSU-Arbeitsmarktpolitiker Johannes Singhammer für die 48-Stunden-Woche ausgesprochen. „Bei der Post können die Mitarbeiter schon bis zu 48 Stunden pro Woche arbeiten. Das ist das Modell der Zukunft“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Der Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Rainer Wend (SPD), erneuerte seine Forderung, flexible Arbeitszeiten bis zu 45 Stunden pro Woche durch den Tarifvertrag zu ermöglichen.

Bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zeichnet sich bei den Verhandlungen um eine Haushaltssanierung dagegen eine Lösung ähnlich der Pläne bei Opel und Telekom ab: Die Mitarbeiter sollen nach den Vorstellungen des Betriebsrates die Arbeitszeit halbieren können bei Reduzierung des Gehalts auf 80 Prozent, berichtet der Berliner „Tagesspiegel“ (Samstag). Wenn zehn Prozent der Beschäftigten freiwillig diese Arbeitszeitverkürzung akzeptierten, könnten vier Millionen Euro im Jahr gespart werden. Darüber werde im Moment verhandelt, sagte Verdi-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Andreas Bahn der Zeitung.

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