Forderungen nach Aufklärung
Debeka-Skandal wird zum Fall für die Politik

Die Vorwürfe des illegalen Datenhandels gegen Mitarbeiter der Debeka-Versicherung erreichen die Politik. Was wussten die Länderinnenminister von den dubiosen Vorgängen? Der Ruf nach Aufklärung wird lauter.
  • 38

BerlinDie Anti-Korruptionsorganisation Transparency Deutschland hat die Innenminister der Länder aufgefordert, sich in die Aufklärung der Vorwürfe des illegalen Datenhandels gegen Mitarbeiter der Debeka-Versicherung einzuschalten. „Es kann nicht sein, dass Daten von Kollegen ohne deren Wissen an Dritte weitergegeben werden. Jetzt ist Aufklärung verlangt, und zwar nicht nur von der Debeka", sagte Transparency-Geschäftsführer Christian Humborg Handelsblatt Online. „Die 17 Innenminister müssen der Öffentlichkeit erklären, in welchem Umfang fragwürdige Nebentätigkeiten in den einzelnen Behörden geduldet wurden.“

Unter starken Druck könnte nun insbesondere die rot-grüne Landesregierung in Rheinland-Pfalz kommen, da die Hauptverwaltung der Debeka in dem Bundesland ihren Sitz hat. Der Vorsitzende der Landes-FDP, Volker Wissing, bezichtigte die Regierung indirekt der Mitwisserschaft über die dubiosen Vorgänge.

Der Debeka-Skandal verunsichere auch viele Beamte, die ohne Hintergedanken Kollegen hätten behilflich sein wollen. Da die Debeka in Koblenz ihren Sitz habe, stehe daher „die rheinland-pfälzische Landesregierung in der Pflicht, aufzuklären, wann das Debeka-System entstanden ist und inwieweit die Landesregierung darüber informiert war“, sagte Wissing Handelsblatt Online.

„Es ist schwer vorstellbar, dass die Versicherung ein solches System aufbauen konnte, ohne dass die Hausleitung der Ministerien davon Kenntnis hatte.“ Die rot-grüne Landesregierung müsse nun aufklären – „schnell und umfassend“.

Die SPD will die Debeka-Affäre zu einem Thema bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union machen. Der Verhandlungsführer der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD Karl Lauterbach kündigte dies in einem Gespräch mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe) an. „Sollten sich die Berichte über ein bis heute bestehendes System von Zuträgern und Vertrauensleuten bestätigen, hieße das, dass der Vorstandschef der Debeka Uwe Laue falsche Angaben gemacht hat, als er von Fehlern in der Vergangenheit sprach“, sagte Lauterbach. „Der Skandal dauert offensichtlich an. Das muss auch politische Konsequenzen haben.“

In Den Koalitionsverhandlungen soll in der nächsten Woche erstmals über mögliche Reformen im Bereich der privaten Krankenversicherung (PKV) gesprochen werden. Wie genau die Konsequenzen aussehen könnten, dazu wollte sich Lauterbach nicht äußern

Hintergrund ist ein Bericht des Handelsblatts vom Mittwoch. Demnach lässt der wegen laufender Ermittlungen unter Druck stehende Versicherer Beamte gegen Zahlung von Erfolgsprämien neue Mitglieder werben. Bei einem sogenannten Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit wie der Debeka sei ein solches Vorgehen „üblich“, verteidigte sich das Unternehmen. Der Deutsche Beamtenbund forderte Strafen, sollten Beamte an Debeka-Mitarbeiter für Geld Personaldaten möglicher neuen Kunden gegeben haben.

Kommentare zu " Forderungen nach Aufklärung: Debeka-Skandal wird zum Fall für die Politik"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hier postet jemand unter dem Namen "ThorulfMueller", was ich nicht besonders witzig finde, weil mutmaßlich Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Es gibt nur einen Thorulf Müller, derKVProfi, und das bin ich. Es ist erschreckend, wenn jemand meinen Namen für seine Statements verwendet, vor allem wenn er dann noch Dinge schreibt, die meiner Meinung vollständig widersprechen.

    Thorulf Müller
    derKVProfi

  • Hoffentlich übernimmt eines, der wenigen noch verbliebenen, seriösen Medien die Worte des anonymen lolo in die Kommentarspalte.
    Vielleicht kann ja das Handelsblatt mal darüber berichten, was sie dem "Tippgeber" gezahlt haben und warum sie gerade jetzt mit dem "Skandal" aufmachen? Immerhin liegen ihnen die Informationen hierzu schon ein paar Monate vor. Oder?

  • Ihr Vorredner bezieht sich meines Erachtens nach auf die Provisionen nach der Lehrzeit. Soweit ich weiß gibt es dort ein tarifvertragliches Mindesteinkommen, in dem Provisionen verrechnet werden. Während der Lehrzeit werden ALLE Provisionen on Top gezahlt. Das ist in der GESAMTEN Branche so. Dem ein oder anderen würde die Studie des Tarifvertrages der privaten Versicherungswirtschaft nicht schaden ....
    Es ist meist nicht die "schlimme" Debeka alleine sondern gesetzliche (Tippgeber) oder tarifvertragliche (Einkommen) Regelungen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%