Forsa-Chef attackiert AfD
„Ich nenne ihn nur noch Lügen-Lucke“

Das Umfrageinstitut Forsa hat eine einstweilige Verfügung gegen AfD-Chef Bernd Lucke erwirkt. Dieser hatte behauptet, dass die Umfragezahlen der Partei heruntergerechnet wurden. Forsa-Chef Güllner ist empört.
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HamburgKurz vor der Bundestagswahl hat die Euro-kritische Partei Alternative für Deutschland vor dem Landgericht Köln eine juristische Schlappe kassiert. Das Umfrageinstitut Forsa erwirkte eine einstwillige Verfügung gegen den AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke, berichtet Spiegel Online. In einem Interview mit dem Handelsblatt hatte der AfD-Spitzenkandidat den Meinungsforschern eine Manipulation der Zahlen vorgeworfen.

Forsa würde die Zahlen für seine Partei vorsätzlich herunterrechnen. Das Landgericht Köln untersagte Lucke nun vorläufig, Behauptungen zu verbreiten, dass die AfD in den Rohdaten von Forsa deutlich über der Fünf-Prozent- Hürde liege.

Forsa-Chef Manfred Güllner begrüßte die Entscheidung - und attackierte den AfD-Vorsitzenden. „Das ist schon infam, was er uns vorgeworfen hat“, sagte Güllner gegenüber Spiegel Online. „Wir behandeln die AfD wie jede andere auch. Ich nenne den AfD-Chef jetzt nur noch Lügen-Lucke.“

Güllner hatte die Kritik von Lucke auch im Interview mit Handelsblatt Online schon scharf zurückgewiesen. „Der spinnt hochgradig. Wir behandeln die AfD wie jede andere Partei. Was Herr Lucke erzählt, ist absoluter Tinnef, eine typische Verschwörungstheorie. Keiner unserer Mitarbeiter redet mit Herrn Lucke, absoluter Unfug“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner Handelsblatt Online.

Ähnlich äußerte sich die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher. „Wenn Herr Lucke das tatsächlich behauptet, so ist das frei erfunden“, sagte Köcher Handelsblatt Online. „In unseren Rohzahlen war die AfD noch nie annähernd bei fünf Prozent, geschweige denn darüber.“ Im Übrigen hätten alle Institute nur ein Ziel: solide Arbeit zu leisten.

Lucke hatte im Handelsblatt-Interview gesagt: „Die Forschungsinstitute nutzen den Spielraum der statistischen Analyse, um uns kleinzurechnen.“ Sie wollten offenbar ihre Hauptauftraggeber, die etablierten Parteien, nicht verärgern. Er habe für seinen Vorwurf „eindeutige Hinweise von Mitarbeitern der Wahlforscher“, sagte Lucke. „In den Rohdaten von Allensbach und Forsa liegen wir deutlich über fünf Prozent.“ Lucke rechnet mit einem sicheren Einzug in den Bundestag.

Der AfD-Chef geht sogar noch weiter: er habe für seinen Vorwurf „eindeutige Hinweise von Mitarbeitern der Wahlforscher“. Unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro verbat das Landgericht Köln Lucke nun diese Behauptung. Bisher hat der AfD-Vorsitzende noch keine Stellung zum Gerichtsbeschluss genommen.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Forsa-Chef attackiert AfD: „Ich nenne ihn nur noch Lügen-Lucke“"

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  • Verständlich. Schade zwar, aber ok.
    Meinen aufrichtigen Dank dafür, dass Sie überhaupt, und über einen doch recht langen Zeitraum, eine Diskussion zugelassen haben! Vorbildlich, besonders im Vergleich zu anderen Medien! Demokratie, wie sie sein soll!
    Danke!
    handelsblatt.com ist leider eine der letzten Onlinezeitungen, die unaufgeregt und sachlich über politische Themen berichtet, ausgewogen und fair. Und dann noch öffentliche Diskussionen bis weit über die Schmerzgrenze hinaus zulässt und moderiert. Respekt!

  • @LuckeIstEinStaatsfeind

    Ich bedauere auch, dass außer einer eher konservativen Partei keine anderen politischen Kräfte in der Lage sind die Situation realistisch zu beurteilen und alternative Lösungsvorschläge aus ihrer Sicht zu präsentieren. Was man sieht sind: Totschweigen, Wunschdenken, Schönfärberei, Flausen usw. In der Linken hat zwar Lafontaine schon erkannt, dass der Totale Euro unhaltbar und asozial ist aber der verträumt-flausige oder sektiererisch-hirnonanistische Teil seiner Linken hält den Euro immer noch für die Ausgeburt des Internationalismus, statt ihn als Blut-und-Eisen-Vehikel für das Groß-Europa multinationaler Konzerne und ihres entgrenzt-entdemokratisierten Primitiv-Kapitalismus, dem gegenüber die "Soziale Marktwirtschaft" die Wohlfahrt ist, zu erkennen.

    Im übrigen kann der Hamburger Appell ja so falsch auch nicht gewesen sein, da wir ja heute angeblich als einzige in der Lage sind ganz Europa zu retten. Teil des Problems ist nur, dass den Bürgerm, die die harten Maßnahmen ertrugen, die zu DM-Zeiten übliche Sozialdividende gestrichen wurde und sie dadurch ärmer sind als nötig. Aber auch die Agenda2010 bei gleichzeitigen Lohnexzessen in Südeuropa zeigt den ganzen Dilettantismus der "Groß-Europäer" mit denen einfach kein Staat zu machen ist. Hätten Sie damals bei Euro-Einführung auf Lafontaine gehört und die Währungspuffer nicht ersatzlos gestrichen sondern wenisgtens durch eine produktivitätsorientierte Lohnpolitik ersetzt, hätten wir heute nicht den Salat. Aber die Dumpfbacken haben alles dem Selbstlauf überlassen und die Karre so gegen die Wand gefahren.

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