Forscher und Unternehmer haben viel Know-how – doch viel zu selten werden daraus Produkte
Das Wissen bleibt in der Schublade liegen

Schon 1917 schrieb Albert Einstein erstmals über den „stimulierenden Effekt“ der Lasertechnik, doch es brauchte 60 Jahre und viele Forschungsgelder, bis die schwäbische Trumpf GmbH ihre erste Lasermaschine baute. Heute ist die Trumpf-Gruppe Weltmarktführer für industrielle Laser mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent. Aus der Grundlagenforschung ist eine Anwendung geworden, bei der Deutschland einen Spitzenplatz belegt. Doch nicht immer gelingt das.

DÜSSELDORF. Viel zu oft bleiben Forschungsergebnisse in der Schublade liegen, oder gute Erfindungen werden nicht ausreichend vermarktet. Ein Beispiel ist das digitale Kompressionsverfahren MPEG-1 Layer 3, besser bekannt als MP3, das weltweit Millionen von Menschen benutzen, um Musikdateien in ausgezeichneter Qualität auf geringem Speicherplatz zu komprimieren und das Beobachtern zufolge bis 2008 ein Marktvolumen von 58 Mrd. Dollar erreichen könnte. Erfunden haben es Forscher vom Erlanger Fraunhofer- Institut für Integrierte Schaltungen, hergestellt werden die kleinen Abspielgeräte jedoch von Sony, Philips, Apple und vielen anderen. Das einzige, was dem Fraunhofer-Institut von seiner Erfindung bleibt, sind satte Lizenzeinnahmen.

Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) beklagt ein „Verwertungsdefizit“ bei den Forschungsergebnissen. Wirtschaftsführer unterstreichen dies. „Die zügige Ableitung marktfähiger Produkte aus unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt deutlich zu wünschen übrig“, sagt Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, einem der Hauptpatentanmelder auf dem Gebiet der Kraftfahrzeugtechnik. „Obwohl sich die Situation in den letzten Jahren schon deutlich verbessert hat, ist die Forschungskultur in Deutschland noch zu wenig von praxisorientiertem Innovationsgeist geprägt", ergänzt Udo Oels, Mitglied des Vorstands der Bayer AG und unter anderem zuständig für Innovation, Technik und Umwelt. „Wir können es uns nicht leisten, dass wir in Deutschland Forschung betreiben und andere die Wertschöpfung haben“, fügt Wolfgang Gawrisch, Chief Technology Officer für Forschung der Henkel KgaA hinzu.

Das Umsetzungs- und Verwertungsdefizit lässt sich an mehreren Indikatoren ablesen. An den Patentaktivitäten ebenso wie an den Unternehmensgründungen in forschungs- und wissensintensiven Wirtschaftszweigen. Zwar gingen im vergangenen Jahr allein 52 000 Patentanmeldungen aus Deutschland beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) ein – sie bezeugen laut DPMA-Präsident Jürgen Schade eine beständige Forschungs- und Erfindungstätigkeit. Doch bei genauem Hinsehen ist die Zahl nicht so beeindruckend. Denn trotz gesteigerter Anmeldungen ist Deutschland 2003 in der Zahl der internationalen Patentanmeldungen hinter Japan zurückgefallen. „Die Zunahme der Anmeldungen ist nur zum Teil auf eine effizientere Forschung zurückzuführen“, schränkt Knut Blind vom Fraunhofer Institut für Innovationsforschung weiter ein. Oft diene die Anmeldung einfach dazu, die Konkurrenz zu blockieren. Und nicht jede Anmeldung führt zu einem Patent.

In der Regel werden nach Angaben des DPMA nur 30 Prozent der Anmeldungen nach etwa 4 Jahren tatsächlich patentiert. Vor allem aber hapert es an der Verwertung. Das Patentamt schätzt, das nur ein Zehntel tatsächlich verwertet wird, andere Fachleute gehen von nur 6 Prozent aus. Um dieses Umsetzungsdefizit zu beseitigen, hat Forschungsministerin Bulmahn schon 2001 eine Verwertungsoffensive mit dem Ziel gestartet, jedes wirtschaftlich nutzbare Forschungsergebnis aus deutschen Hochschulen in Deutschland zum Patent anzumelden. Finanziert wurden die neuen Patentverwertungsagenturen zunächst mit rund 50 Millionen Euro aus den Zinsersparnissen der UMTS-Lizenzversteigerungen.

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