Forschung
Bayern will Stammzellbeschluss kippen

Der Streit um die umstrittene Forschung mit embryonalen Stammzellen geht nach der Entscheidung des Bundestags vom Freitag in die nächste Runde. Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft begrüßten die Entscheidung; Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) kündigte Widerstand im Bundesrat an.

BERLIN. „Meine Sorge ist, dass es jetzt immer leichter wird, den Schutz des ungeborenen Lebens noch weiter auszuhöhlen.“. Protest kam auch von der katholischen Kirche. Dagegen begrüßten Vertreter der Wirtschaft und der Wissenschaft die Entscheidung.

Der Bundestag hatte am Freitag nach einer zum Teil emotionalen Debatte entschieden, den Stichtag für den Import embryonaler Stammzellen auf den 1. Mai 2007 zu verschieben. Bislang dürfen nur Stammzellen eingeführt werden, die vor dem 1. Januar 2002 durch Vernichtung bei der künstlichen Befruchtung übrig gebliebener Embryonen erzeugt wurde. Die Forschung hatte für die Verschiebung geltend gemacht, dass diese Zelllinien für die aktuelle Forschung nicht mehr brauchbar seien. Auch der neue Stichtag soll sicher stellen, dass von deutscher Forschung kein Anreiz ausgeht, immer neue Embryonen zu verbrauchen. Dies ist nach dem Embryonenschutzgesetz in Deutschland verboten. Nun könne Deutschland weiter an der Spitze der Gesundheitsforschung mitarbeiten, kommentierte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf die Entscheidung. „Das sichert Unternehmensstandorte und Arbeitsplätze in Deutschland.“

Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner sprach von einem „wichtigen Schritt nach vorne für die Forschung“. Er kündigte an, die Forscher würden die dadurch eröffneten Möglichkeiten „mit hohem Verantwortungsbewusstsein und mit ihren festen ethischen Prinzipien“ nutzen. Viele Forscher hatten sich eine völlige Aufhebung des Stichtags gewünscht. Angesichts der starken ethischen Bedenken, sei die Stichtagsverschiebung jedoch ein „tragfähiger Kompromiss“, sagte der Präsident der Helmholtz-Gesellschaft Jürgen Mlynek.

Dagegen kritisierte die Gentechnikexpertin Ulrike Flach, dass der nun wohl erreichte Rechtsfrieden nicht von Dauer sein werde. Schon in wenigen Jahren werde man über eine erneute Verschiebung des Stichtags reden müssen. Der Bundestag habe sich damit erneut um eine Werteentscheidung gedrückt. Positiv sei allerdings, dass künftig deutsche Forscher ohne Angst vor Strafe an Projekten im Ausland mit jüngsten Stammzellen teilnehmen könnten, sagte FDP-Vize Andreas Pinkwart.

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