Forschung
Nanotechnologie in Gefahr

Die Bundesregierung erhofft sich von der Erforschung winzig kleiner Partikel lukrative Anwendungen. Doch die Koalitionsfraktionen sehen Risiken: Zehn Prozent der Fördermittel sollen künftig für die Risikoforschung ausgegeben werden. Die FDP wirft Schwarz-Rpt Technikfeindlichkeit vor.

BERLIN. Die ideologische Debatte über die Grüne Gentechnik ist noch nicht beendet, da flammt schon der nächste Streit um einen vielversprechenden Forschungszweig auf: die Nanotechnologie. Die Bundesregierung erhofft sich von der Erforschung winzig kleiner Partikel lukrative Anwendungen in der Umwelt-, Energie- oder Informationstechnik. Doch die Bundestagsfraktionen von Union und SPD fordern in einem gemeinsamen Antrag, auch "mögliche Risiken umfassend und frühzeitig zu untersuchen" und diese publik zu machen. Die FDP wirft Schwarz-Rot deshalb Technikfeindlichkeit vor: "Die Koalitionsfraktionen schaffen ein Klima, mit dem wir nach der Grünen Gentechnik auch die nächste Zukunftstechnologie an die Wand fahren", kritisierte die Haushälterin und Forschungsexpertin der Liberalen, Ulrike Flach.

Es müsse dringend geprüft werden, ob die gültigen Vorschriften - etwa bei den Schwellenwerten - verschärft werden müssen, fordern Union und SPD. "Defizite bei der toxikologischen Bewertung von Stoffen im Nanometerbereich sind nicht zu übersehen", heißt es im Antrag. Die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse ließen befürchten, dass zumindest die "freien" Nanopartikel, die nicht fest in anderem Material wie etwa Lacken eingebunden seien, "ein Risiko darstellen könnten". Solange dies nur ungenügend geklärt sei, "sollte die Verbreitung in Gewässer, Luft und Boden so weit wie möglich vermieden werden".

Verhindern wollen CDU und SPD auch, dass Nano-Objekte "gezielt in den menschlichen Körper eingebracht" oder Lebens- und Futtermitteln beigemengt werden. Schließlich soll die Regierung prüfen, wie sie eine sachgerechte Entsorgung von Nano-Material gewährleisten kann, "ohne dass dabei gefährliche Partikel in die Umwelt gelangen". Der Anteil für die Risikoforschung müsse auf zehn Prozent der Fördermittel erhöht werden - das ist das Doppelte dessen, was bisher die Grünen forderten. In den Fachausschüssen hat die Koalition den Antrag bereits durchgewinkt, in Kürze soll er verabschiedet werden.

FDP-Forschungspolitikerin Flach versteht vor allem die Union nicht: "Die CDU hat hier entweder nicht aufgepasst oder absichtlich der SPD nachgegeben, um etwas anderes einzutauschen", mutmaßt die Liberale.

Die Bundesregierung hatte noch vor gut einem Jahr in einem Bericht für das Parlament zur Nanotechnologie jeden Bedarf für neue Gesetze eindeutig verneint. Die existierenden Regeln böten "flexible Instrumente, um mögliche Risiken zu erkennen und gegebenenfalls darauf zu reagieren". In der High-Tech-Strategie der Regierung ist die Nanotechnologie eine zentrale Säule.

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