Forschung
Was Merkel von den Simpsons lernen kann

Vom Erfolg der Kultserie „Die Simpsons“ können manche Politiker nur träumen. Doch Homer, Bart und Maggie haben mehr Einfluss auf die Politik als Merkel, Gabriel und Co. lieb sein wird.
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BambergCarsten Wünsch weiß, was in unseren Köpfen vorgeht, wenn wir vor dem Fernseher sitzen, Computer spielen oder im Kino einen Film anschauen. Von Werbung ist längst bekannt, dass sie das Kaufverhalten beeinflussen kann. Der 41-jährige Medienwirkungsforscher an der Universität Bamberg in Bayern untersucht dagegen, wie sich Serien oder Spielfilme auf das menschliche Denken und Handeln auswirken. Seine Experimente sind oft unkonventionell, die Ergebnisse verblüffend.

Das Simpsons-Experiment zum Beispiel: Wünsch ließ Bamberger Studenten in den vergangenen Monaten in seinem Labor verschiedene Folgen der amerikanischen Zeichentrickserie „Die Simpsons“ anschauen. Danach mussten die jungen Leute beantworten, wie zufrieden sie mit der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind. Das Ergebnis: Je nach dem, welche Simpsons-Folge die Studenten vorgesetzt bekamen, bewerteten sie die Arbeit der Bundesregierung höchst unterschiedlich.

Flog in der Comic-Serie völlig überzeichnet ein Atomkraftwerk in die Luft, spielte für die Studenten Merkels Umweltpolitik eine bedeutende Rolle. In einer anderen Folge brachte Marge Simpson als gestresste Hausfrau den morgendlichen Berufsverkehr im Zeichentrickort Springfield durch einen Streik zum Erliegen. Die Umweltpolitik war für die Studenten anschließend eher zweitrangig – jetzt interessierten sie sich mehr für das Thema Erziehungsgeld.

„Wenn wir eine politische Talkshow anschauen, liegt es auf der Hand, dass wir uns mit Politik gedanklich intensiver beschäftigen“, sagt Wünsch. Das Simpsons-Experiment sei der Beweis dafür, dass auch fiktionale Geschichten die politischen Vorstellungen beeinflussen können. „Wenn wir unterhalten werden, trennen wir ganz offenbar nicht zwischen dem, was erfunden ist, und zwischen dem, was wir für real halten.“ Weshalb das so ist, will der aus Dresden stammende Forscher genauer untersuchen. Seine Studenten der Kommunikationswissenschaft freut das: Sie dürfen noch mehr Simpsons schauen.

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Im Unterbewusstsein kommt etwas in Gang

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