Forschungsförderung
EU-Kommission setzt Unis unter Druck

Hochschulen, die in den Genuss der vollen EU-Forschungsförderung kommen wollen, müssen ab 2007 alle Kosten offen legen. Viele deutsche Universitäten sind dazu aber heute noch nicht in der Lage.

BERLIN. Die Forschungförderung aus Brüssel dürfte deutschen Universitäten ab 2007 große Kopfschmerzen bereiten: Mit dem Start des 7. Forschungsrahmenprogramms will die EU-Kommission die Förderung umstellen. Um EU-Gelder zu erhalten, sollen die Unis dann alle Kosten nachweisen – genau wie geförderte Unternehmen.

Eine solche „Vollkostenrechnung“ können die Hochschulen jedoch nicht leisten, weil sie „nicht wissen, was was kostet“, warnt der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker. Zwar haben bereits einige Länder wie Bayern den Hochschulen aufgetragen, moderne Kosten-Leistungs-Rechnungen aufzubauen. In der Praxis jedoch seien „derzeit wohl die allerwenigsten dazu in der Lage“, räumt der Kanzler der Universität Erlangen, Thomas Schöck, freimütig ein. Schöck leitet den Arbeitskreis der Kanzler für EU-Forschung und Drittmittel. Als Kostenrechnungs-Pionier gilt etwa die TU München.

Mit der traditionellen Kameralistik erfassen die Hochschulen nur Einnahmen und Ausgaben, die Gesamtkosten eines einzelnen Projektes können sie nicht errechnen. Denn dafür müssten sie neben den direkten Kosten – etwa für eigens engagierte Mitarbeiter, neue Geräte oder Dienstreisen – auch einen Teil der Gemeinkosten auf einzelne Projekte verteilen. Dazu zählen die Personalkosten der Professoren, die Gebäude- und Laborkosten sowie Verwaltung und Strom. Eine solche Vollkostenrechnung ist nur mit einer echten Kosten- und Leistungsrechnung möglich. Durch die Pläne der EU entstehe nun „ein enormer Druck auf die Hochschulen, moderne Systeme aufzubauen“, sagt Winnacker.

Solange es diese nicht gebe, könnte die Umstellung der EU-Vergabepolitik sogar dazu führen, dass die Hochschulen weniger Anträge in Brüssel stellen, weil die Förderung „finanziell unattraktiv“ werde, warnt Erlangens Uni-Kanzler Schöck. Das wiederum wäre nicht im Sinne der Bundesregierung, die die Forschungsförderung der EU mitfinanziert. Das gilt umso mehr, als die EU die Förderung in ihrem 7. Rahmenprogramm massiv ausweitet. Von 2007 bis 2013 stehen gut 50 Mrd. Euro zur Verfügung. Zuletzt ging rund ein Fünftel der EU-Mittel nach Deutschland.

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