Forschungsgemeinschafts-Präsident Winnacker
„Deutschland kann sich maximal drei Spitzen-Unis leisten“

Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, hat vor der Illusion gewarnt, dass in Deutschland in absehbarer Zeit zehn Spitzenuniversitäten entstehen können.

HB BERLIN. "International sichtbare Forschungsuniversitäten können wir uns vielleicht zwei oder drei leisten", sagte Winnacker wenige Tage vor der Entscheidung der so genannten Exzellenzinitiative für die Hochschulen dem Handelsblatt.

Die Entscheidung in der ersten Runde des Wettbewerbs fällt an diesem Freitag. Insgesamt erhalten die besten zehn Hochschulen über sechs Jahre insgesamt 1,9 Mrd. Euro zusätzlich. Bei der Vorauswahl hatten sich lediglich die FU Berlin, die Uni Bremen und die TH Aachen als nicht-süddeutsche Kandidaten profilieren können. Die Exzellenzinitiative soll die Profilbildung der Hochschulen vorantreiben, so dass auch in Deutschland international sichtbare Elite-Unis entstehen. DFG und Wissenschaftsrat organisieren den Wettbewerb, für die Bewertung der Unis wurden vor allem internationale Gutachter ausgewählt

Die rund 30 Mill. Euro, die die Sieger der Exzellenzinitiative jährlich erhalten werden, seien aber nicht ausreichend, sagte der DFG-Präsident. Eine echte Spitzen-Uni brauche zwei-bis dreimal so viel Geld wie derzeit etwa die TU München. Diese hat derzeit bei 20 000 Studenten ein Budget von 340 Mill. Euro. "Die ETH Zürich hat für 12 000 Studenten 800 Mill.Euro - und ist in den weltweiten Rankings immer unter den ersten 20", setzt Winnacker dies in internationale Relation. "Mit dem Niveau von Harvard, das seit 350 Jahren Kapital ansammelt, können wir aber noch lange nicht konkurrieren".

Zudem hält es Winnacker für denkbar, dass aus der ersten Runde der Exzellenzinitiative nur süddeutsche Universitäten als Sieger hervorgehen: "Jeder ahnt, dass das gut möglich ist. Das würde einen gewissen Aufschrei provozieren", erwartet Winnacker, denn "für Landespolitiker sind große Unterschiede im Niveau ihrer Universitäten nur sehr schwer zu verkaufen". Wer aber echte Spitzenuniversitäten wolle, müsse solche Unterschiede akzeptieren, mahnt der DFG-Chef vorsorglich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%