Forschungsministerin Bulmahn gegen Gesetzeslockerung
SPD und Union kritisieren internationale Stammzellenbank

Die Initiative des südkoreanischen Gentechnikpioniers Hwang Woo Suk, durch eine internationale Stammzellenbank das therapeutische Klonen weltweit zu fördern, ist bei Union und SPD auf Kritik gestoßen.

BERLIN. Der Gentechnikexperte der SPD-Fraktion, Wolfgang Wodarg, sagte dem Handelsblatt: „Hwang will uns alles anbieten, was in Deutschland verboten ist.“ Die Vizevorsitzende der Unionsfraktion, Maria Böhmer (CDU), warnte davor, die Initiative aus Korea zum Anlass zu nehmen, das strenge deutsche Recht zu ändern. Auch Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) erteilte entsprechenden Erwartungen deutscher Genforscher eine Absage. „Das deutsche Recht zu ändern ist Sache des Bundestags – und der ist bislang mit großer Mehrheit dagegen“, sagte ein Sprecher.

Hwang hatte im Frühjahr erstmals Embryonen mit dem Erbgut unheilbar kranker Menschen geklont. Ziel der ersten Stammzellenbank für die internationale Forschung, die gestern in Südkorea eingeweiht wurde, ist, gezielt Stammzellen mit genetischen Defekten zu produzieren, die als Ursache für Erbkrankheiten wie Parkinson, Alzheimer oder Diabetes gelten. Über ein weltumspannendes Netzwerk sollen Stammzelllinien international ausgetauscht werden können. Forschern in aller Welt würde dadurch die Möglichkeit gegeben, die genetischen Ursachen dieser Erkrankungen besser zu erforschen.

Aus ethischen Gründen unterliegt der Import von Stammzellen in vielen Staaten aber Beschränkungen. In Deutschland dürfen nur vor dem 1. Januar 2002 gewonnene embryonale Stammzellen eingeführt werden. Vor kurzem wurde das 13. Forschungsprojekt mit solchen Zellen genehmigt.

Für Maria Böhmer ist dies ein klares Indiz dafür, dass das strenge deutsche Recht die notwendige Forschung nicht behindert. Dagegen bedauerten die Stammzellexperten Oliver Brüstle von der Universität Bonn und Hans Schöler vom Max-Planck-Institut in Münster, dass deutsche Forscher keinen Zugang zur Stammzellenbank der Südkoreaner haben würden.

Vorerst können nur Forscher in den USA und Großbritannien von Hwangs Arbeit profitieren. In beiden Ländern will der Südkoreaner Labors einrichten, die Wissenschaftler vor Ort mit Stammzellen versorgen sollen. In beiden Ländern ist therapeutisches Klonen erlaubt. Mit der Bildung des Dreiländer-Konsortiums setze sich Südkorea zweifellos an die Spitze der Embryonenforschung, so Schöler. Deutschland drohe den Anschluss zu verlieren.

Bulmahn sieht gleichwohl keine Veranlassung, auf das Angebot aus Korea mit einer Lockerung der deutschen Vorschriften zu reagieren. Das Thema werde daher auch nicht Gegenstand der laufenden Koalitionsverhandlungen werden. SPD-Gentechnikexperte Wodarg warnte davor, den Import von durch Klonen gewonnenen Stammzellen zu erlauben. „Wir können nicht das Töten von Embryonen und das therapeutische Klonen verbieten und dann deutschen Forschern den Zugang zu Zellen ermöglichen, die eben durch die Missachtung dieses Verbots entstanden sind. Das wäre „Ethikdumping,“ sagte Wodarg. „Wenn wir das täten, müssten wir morgen auch den Import von Organen erlauben, die sich die Armen in den Entwicklungsländern von skrupellosen Organhändlern haben abkaufen lassen.“ Wodarg erwartet nicht, dass es gelingt, zu dieser Frage eine einheitliche EU-Haltung zu erreichen.

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