Fortzüge
Immer mehr Bundesbürger verlassen das Land

Immer mehr Deutsche kehren der Bundesrepublik den Rücken. Gleichzeitig steigt erstmals seit 2001 wieder die Zahl der ausländischen Einwanderer.

HB BERLIN. Die Zahl der Fortzüge stieg 2007 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 165 000, wie das Statistische Bundesamt amitteilte. Besonders die Deutschen aus dem früheren Bundesgebiet und Berlin zog es ins Ausland: Während von dort rund 151 000 Bundesbürger das Land verließen, waren es aus Ostdeutschland gerade einmal 14 000. Hauptzielländer waren die Schweiz (20 000 Personen), die USA (14 000) sowie Polen und Österreich (je 10 000).

Während Umzüge in die Schweiz, Österreich und die USA meist tatsächlich als Auswanderungen gelten können, handelt es sich bei Ländern wie Polen oft in Wirklichkeit um Heimkehrer, wie der Migrationsexperte Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung erklärte. Man müsse davon ausgehen, dass dies größtenteils osteuropäische Aussiedler seien, die zeitweise in Deutschland gelebt hätten, um ihre deutsche Staatsangehörigkeit zu sichern. Österreich, die Schweiz und die USA seien dagegen wegen des guten Arbeitsmarktes und der geringen sprachlichen Hürden attraktiv.

Während die Deutschen auswanderten, ist die Zahl ausländischer Zuwanderer erstmals seit 2001 wieder gestiegen: Mit 572 000 Personen waren es zwei Prozent mehr als im Vorjahr. In der Gesamtheit aller Zu- und Wegzüge von Bundesbürgern und ausländischen Personen ergibt sich damit ein Wanderungsüberschuss von 48 000 Personen - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Insgesamt zogen 683 000 Personen nach Deutschland und 635 000 aus Deutschland weg. Das waren 21 000 Zuzüge mehr und 4000 Fortzüge weniger als 2006.

Zusätzlich zur steigenden Zahl von Zuwanderungen ausländischer Personen verringerte sich auch die Abwanderung dieser Gruppe: Mit 470 000 Fortzügen verließen drei Prozent weniger von ihnen Deutschland als im Vorjahr. Damit stieg der Wanderungsüberschuss von Ausländern gegenüber 2006 um 36 Prozent auf 102 000. Vor allem das frühere Bundesgebiet und Berlin profitierten mit einem Plus von 94.000 Personen davon. In den neuen Bundesländern lag der Wanderungsüberschuss von Ausländern nur bei 8000 Personen.

Auch unter den Deutschen stieg trotz vermehrter Auswanderungen die Zahl der Rückkehrer um acht Prozent auf 111 000. Darin enthalten sind die Zuzüge von Spätaussiedlern sowie von Deutschen, die aus dem Ausland wieder in die Bundesrepublik kamen. Migrationsexperte Kröhnert vermutet, dass auch die Entspannung am Arbeitsmarkt ausgewanderte Bundesbürger zunehmend zur Rückkehr animiert. Allerdings reichte das nicht, um die Abwanderung auszugleichen: Unter dem Strich ergab sich bei den Bundesbürgern ein Wanderungsverlust von 54 000 Personen. Im Vorjahr hatte der Wanderungsverlust unter den Deutschen bei 52 000 gelegen.

Massive Abwanderung aus Ostdeutschland

 

Darunter leidet besonders Ostdeutschland, weil von dort im vergangenen Jahr zusätzlich 138 000 Personen ins alte Bundesgebiet umzogen - rund 2000 mehr als im Vorjahr. Von West nach Ost waren es dagegen nur 83 000, rund 1000 mehr als im Jahr zuvor. Unter Berücksichtigung der Wanderungen mit dem Ausland und zwischen den Bundesländern aller deutschen und ausländischen Personen ergab sich für die alten Bundesländer und Berlin ein Plus von rund 103 000 Personen, während die neuen Bundesländer ein Minus von rund 55 000 Personen verzeichneten.

Die Gründe für den Fortzug aus Deutschland und die voraussichtliche Dauer des Auslandsaufenthaltes sind aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes nicht ersichtlich. Auch eine Unterscheidung zwischen Spätaussiedlern, Eingebürgerten und Deutschen ohne Migrationshintergrund ist nicht möglich.

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