27.10.2006

Bundeswehr: Foto-Skandal weitet sich aus

Im Skandal um die Fotos von Totenschändungen sind neue schockierende Bilder von makaberen Handlungen deutscher Soldaten aus Afghanistan aufgetaucht. Der Fernsehsender RTL zeigte am Donnerstag, wie deutsche ISAF-Soldaten mit Totenköpfen posieren.

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Edelweiß-Kaserne in Mittenwald/Oberbayern. Gebirgsjäger aus dem bayerischen Standort wird Totenschändung vorgeworfen. Foto: dpaLupe

Edelweiß-Kaserne in Mittenwald/Oberbayern. Gebirgsjäger aus dem bayerischen Standort wird Totenschändung vorgeworfen. Foto: dpa

HB BERLIN/KABUL. In dem Nachrichtenfilm war unter anderem zu sehen, wie mehrere Totenschädel auf einem Bundeswehr-Fahrzeug gestapelt wurden. Die Bilder tragen das Datum vom 11. März 2004 und sind damit rund ein Jahr später aufgenommen, als die bereits in der „Bild“-Zeitung veröffentlichten Fotografien. Sie hatten den Skandal ins Rollen gebracht.

Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sprach in dem Bericht von „einem neuen Einzelfall“. Der Vier-Sterne-General kündigte an, dass auch gegen diese Soldaten rücksichtslos und schonungslos ermittelt werde. Bei den Soldaten soll es sich dieses Mal um Panzergrenadiere handeln. „Es ist nicht zu fassen, dass es solche Menschen gibt. Und es ist außerordentlich entsetzlich, dass es solchen Menschen in unserer Reihen gibt, die mit diesem Verhalten nicht nur gegen alle Grundsätze unserer Inneren Führung und auch von Moral und Anstand verstoßen“, sagte der Generalinspekteur.

Schneiderhan sagte, er hoffe nicht, dass es eine Toleranzgrenze bei Vorgesetzten gegeben habe. Sollte dies zutreffen, hätten auch sie die Konsequenzen zu tragen. Nach einer Mitteilung der Potsdamer Staatsanwaltschaft wird im Zusammenhang mit den ersten Fotos gegen sieben statt bisher sechs deutsche ISAF-Soldaten als mögliche Beteiligte ermittelt.

Auf den von RTL gesendeten und mit einer Digitalkamera aufgenommen Bildern ist weiter zu sehen, wie ein Soldat einen Schädel auf dem Bizeps seines linken Oberarms trägt. Auf einem anderen Foto posiert ein Soldat vor einem Jeep der ISAF, auf dessen Fronthaube ebenfalls ein Totenschädel liegt.

Mit Entsetzen haben der Bundestag und die Regierung in Kabul auf die deutschen Soldaten vorgeworfene Totenschändung reagiert. Das afghanische Außenministerium wertete den auf Fotos dokumentierten obszönen Umgang mit einem Menschenschädel am Donnerstag als Verstoß gegen islamische Werte und afghanische Traditionen und forderte Konsequenzen. Im Bundestag stießen die Bilder einhellig auf Empörung.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Ströbele will von hunderten solcher Bilder erfahren haben.

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