#fragSigmar
Mein Twitterview mit Gabriel

Vizekanzler Sigmar Gabriel ist wieder da. Also auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Unter dem Hashtag #fragSigmar versucht er sein Comeback in den sozialen Netzwerken. Richtig ernst nehmen kann ich das nicht.

Berlin
Am Montag tauchte doch Sigmar Gabriel wieder in meiner Twitter-Timeline auf. Mit einem Aufruf unter dem Hashtag #fragSigmar, Fragen an den SPD-Chef zu schicken, die er dann am Dienstag ab 16 Uhr beantwortet. Nach zweijähriger Abstinenz seitens des Vizekanzlers habe ich mich da dann doch etwas gewundert. Damals übrigens auch zu einem angekündigten Chat, der dann aber „aufgrund massiver technischer Probleme“ abgebrochen werden musste. Nun also ein zweiter Versuch, die größtenteils 25- bis 44-Jährigen Twitter-User zum modernen Sozialdemokratentum zu bekehren. Also genau die Wählergruppe, die knapp ein Viertel der SPD-Stimmen bei der letzten Bundestagswahl stellten.

Fünf Tage hatte die Twitter-Gemeinde Zeit ihre Fragen an SPD-Chef Sigmar Gabriel zu stellen. Über mangelnde Resonanz kann sich der Wirtschaftsminister nicht beschweren. Über den Inhalt vielleicht schon. Fast 1.900 Beiträge liefen unter dem Hashtag #fragSigmar an diesem Dienstag bis 16 Uhr auf dem Kurznachrichtendienst ein. Die ernst gemeinten Fragen herauszufiltern, dürfte für seine Mitarbeiter allerdings einige Zeit in Anspruch genommen haben.

Da ich genau in die gewünschte Zielgruppe falle, habe ich unserem Vizekanzler auch ein paar Fragen geschickt. Zum Beispiel wie er sich vorstellt den Rest der SPD auf seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs einzuschwören? Oder ob er der Aussage seines neuen Beraters zustimmt, dass nur eine „systematische Re-Mobilisierung der Mitte“ die SPD zu „alter Stärke“ führen kann?


Während ich also auf die Antworten und mein persönliches Twitterview mit Sigmar Gabriel warte, beobachte ich natürlich, was der Vizekanzler sonst so schreibt.

Die erste Antwort des SPD-Politikers lässt allerdings an der angeblich neu aufgeflammten Begeisterung für soziale Netzwerke zweifeln. Von E-Zigaretten habe er keine Ahnung, da müsse er sich erstmal schlau machen. „Sorry“, bekam Patrick W. als Reaktion auf seine Frage nach den EU-Richtlinien für den elektronischen Zigarettenersatz.

Holt er aber wieder raus, indem er direkt im Anschluss zeigt, dass es auch als Vizekanzler locker geht.


Trotzdem, bei den richtig ernsten Fragen redet Gabriel sich raus. „Hätte die Flüchtlingskrise vermieden werden können, wenn Syriens Nachbarländern früher geholfen worden wäre?“. Gabriels Antwort: „Puuh. Schwierige Frage. Das wäre Spekulation und hilft uns heute leider nix mehr". Oder:


Nach einer Stunde waren es schon knapp 2800 Tweets mit dem Hashtag #fragSigmar. Negativfragen verweist er dabei entweder auf die schwarz-gelbe Vorgängerlegislatur oder fehlende Mehrheiten der Europäischen Union (EU). Errungenschaften der SPD wie Mindestlohn, Rente mit 63 und Mietpreisbremse hebt er natürlich besonders hervor.

Um viertel nach fünf habe ich immer noch keine Antwort. Und dann twittert Gabriel:


War wohl nichts. Gut, ich konnte auch nicht erwarten, dass der Vizekanzler 2.982 Tweets bekommt, und gerade meinen beantwortet. Aber natürlich ist man enttäuscht, wenn die Politik in einen offenen Dialog mit ihren Bürgern tritt, nur nicht mit einem selbst. Aber ich werde auch nie bei Gewinnspielen ausgelost.

Ob die SPD Teile meiner Generation mit dieser Aktion zum potenziellen SPD-Wähler macht? Eher nicht. Ich habe mehr das Gefühl, dass die enge Zusammenarbeit mit Angela Merkel auf Gabriel abgefärbt hat. Die Kunst Aussagen ohne Inhalt zu treffen, scheint er sich zumindest bei ihr abgeschaut zu haben. Ich sag nur: „Kein Wandel ohne Handel“. Dafür gehören auf jeden Fall fünf Euro ins Phrasenschwein.

Nun ja, jetzt weiß ich wenigstens dass der Vizekanzler der deutschen Bundesrepublik seinen Kaffee schwarz trinkt. Immerhin etwas.

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