#fragsigmar
Sigmar Gabriel trinkt seinen Kaffee schwarz

Ein Schelm, wer böses dabei denkt: SPD-Parteichef Sigmar Gabriel meldet sich nach langer Abstinenz wieder auf Twitter zurück – zwei Jahre vor der Bundestagswahl. Die Antworten bleiben vage, die Resonanz ist dennoch groß.

Berlin „Aufgrund massiver technischer Probleme mussten wir den für heute angekündigten Chat abbrechen. Wir holen ihn so schnell wie möglich nach“ das war bis Montagabend der letzte Tweet von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel. Aus dem „so schnell wie möglich“ wurden zwei Jahre. Nun hat er sich zurückgemeldet – mit einem Interviewformat unter dem Hashtag #fragsigmar.

Die Resonanz ist groß – zeitweise ist der Hashtag Top Eins in Deutschland. Unter den Tweets sind viele Schmähungen und Anfeindungen, aber auch ernstgemeinte Fragen, wie der nach dem Kanzlerkandidaten, der Angela Merkel bei der nächsten Bundestagswahl ablösen kann. Gabriel weicht oft aus, was aber auch an der Schwäche des Kurznachrichtendienstes liegt, denn die Zahl der Zeichen ist auf 140 Zeichen begrenzt.

Die Wirkung solcher Social-Media-Aktionen ist umstritten, zumal nach einer so langen Twitter-Pause wie der von Gabriel. Manch ein Twitterview-Teilnehmer zweifelt dann auch an der Ernsthaftigkeit seiner Rückkehr.

Ganz um die Präsenz in Sozialen Medien kommen die Politiker jedoch nicht herum. „Es kann sich keine Partei leisten, Social Media links liegen zu lassen, sie würde dann den Zugang zu einer jungen Wählergruppe verlieren und als verstaubt gelten“, sagt Lothar Probst, Wahlforscher an der Universität Bremen.

Und so versucht Gabriel im Sekundentakt und so authentisch wie möglich die vielen Fragen zu beantworten. Wie trinkt Gabriel seinen Kaffee, will einer wissen – „Schwarz“ lautet die knappe Antwort. „Beatles oder Rolling Stones?“ – „Stones natürlich. Watt ne Frage.“

Nach rund 70 Minuten verabschiedet sich Gabriel: „So, nun muss ich nach Hause. Meine Tochter ist krank (nur Fieber). Aber das ist wichtiger als Politik und selbst als Twitter.“ Unter dem Hashtag #fragsigmar laufen noch lange danach Fragen an den Wirtschaftsminister ein. Zumindest eines wird klar: Das Interesse der potenziellen Wähler ist da, fragt sich nur, ob es nun auch bedient wird.


Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
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