Fraktionsspitze
Gysi sticht Wagenknecht aus

Offenbar hat sich Gregor Gysi im Machtkampf um den Vorsitz der Linksfraktion gegen Sahra Wagenknecht durchgesetzt. Sie bestätigt, dass sie nicht auf eine Doppelspitze besteht. Damit könnte Gysi weiter alleine führen.
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BerstelandIm Machtkampf um den Vorsitz der Linksfraktion hat sich der bisherige Fraktionschef Gregor Gysi offenbar gegen seine Stellvertreterin Sahra Wagenknecht durchgesetzt. Wagenknecht machte am Dienstag am Rande der Fraktionsklausur im brandenburgischen Bersteland deutlich, dass sie nicht auf Bildung einer Doppelspitze mit Gysi bestehen werde. Damit könnte Gysi die Fraktion weiter alleine führen.

Wagenknecht übte aber heftige Kritik an Gysis Vorgehen und warf ihm indirekt vor, die Abgeordneten unangemessen unter Druck gesetzt zu haben. Man müsse „aufpassen, dass man Fraktionen nicht zu Zerreißproben bringt, wenn dann eben Ultimaten öffentlicher Art im Raum stehen. Das muss man natürlich berücksichtigen“, sagte sie. „Ich glaube schon, dass in der Fraktion, wenn es eine ganz freie Entscheidung wäre, sicherlich viele eine Doppelspitze sich wünschen würden.“

Wagenknecht bezog sich damit auf Andeutungen aus dem Gysi-Lager, nach denen der 65-Jährige nicht für eine Doppelspitze zur Verfügung stehen würde. Gysi wollte die Diskussion nicht kommentieren. „Ich werde mich zu den Personalfragen überhaupt nicht äußern, weil wir das einvernehmlich in der Fraktion miteinander bereden und entscheiden werden“, sagte er.

Der Fraktionsvorstand wird an diesem Mittwoch in Bersteland neu gewählt. Wagenknecht hat nach dpa-Informationen bereits einem Kompromissvorschlag zugestimmt, nach dem Gysi alleiniger Fraktionschef bleiben und sie selbst einzige „erste Stellvertreterin“ werden soll. Daneben soll es sechs weitere Stellvertreter geben, darunter der frühere Parteichef Klaus Ernst und der ehemalige Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch.

Die Regelung soll aber nur für zwei Jahre gelten. Die Befürworter einer Doppelspitze wollen einen verbindlichen Beschluss, dass es ab 2015 zwei Fraktionschefs gibt - einen Mann und eine Frau. „Wir brauchen eine Doppelspitze, und zwar noch in dieser Legislatur“, sagte Wagenknecht. In der Fraktion wird spekuliert, dass der 65-jährige Gysi ohnehin nur noch zwei Jahre im Amt bleiben möchte.

Die Doppelspitze mit Wagenknecht wird vor allem von den westdeutschen Fundamentalisten in der Fraktion befürwortet. Die ostdeutschen Pragmatiker sind für Gysi als alleinige Spitze. Der Linksfraktion gehören je 32 Abgeordnete aus Ost und West an, die aber nicht alle einem der beiden Lagern zuzuordnen sind.

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Doppelspitze soll fest verankert werden

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  • @andre

    Die SED/PDS gibt es schon lang nicht mehr. Sicherlich sind noch viele ehemalige SED-Mitglieder in der heutigen Partei "Die Linke" aber das ist auch völlig legitim.

    Eine Mangelwirtschaft haben wir doch heute ebenso! Nur bezieht sich dieser Mangel nicht auf Konsumgüter sondern auf vernünftig bezahlte Arbeitsplätze.

    Über Produktqualitäten braucht man schon gleich gar nicht erst reden. In dem heutigen System werden die Produkte von vornherein so konstruiert, dass sie nach Ablauf der Garantie kaputt gehen. Auf der anderen Seite sind noch Millionen von Haushaltsgeräten der ehemaligen DDR in den neuen Bundesländern im Betrieb.

    Zur Polizeiüberwachung muss man auch nichts schreiben. Ich sage nur NSA und BND. Und wer nichts zu verbergen hatte, musste auch zu Zeiten der DDR keine Polizei fürchten.

    Kombinatswirtschaft war doch nichts anderes als eine Kombination sinnvoller Wirtschaftszweige in einem Unternehmen. Eben jene Kombination, welche internationale Konzerne noch heute anstreben, insofern das Kartellamt zustimmt.

    So gesehen, sind wir von lauter Irren umgeben oder?

  • Der "Brudermörder", gerade bei den Kommunisten und anderer Radikaler wetzt immer sein Messer im Rücken des Patriarchen, das ist auch bei den SED Kommunisten nicht anders.

  • VOr Frau Wagenknecht muss man sich hüten. Sie verdreht die Tatsachen und keiner enttarnt die Lügen:
    Letztens meinte sie aus Ludwig Erhardts "Wohlstand für alle" zu zitieren mit "Die Löhne müssen mit der Produktivität steigen."
    Richtigerweise hat er aber gesagt: "Die Löhne dürfen nicht stärker steigen als die Produktivität."
    Klingt ähnlich ist aber grundverschieden.

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