Frank-Jürgen Weise
Firmen müssen bei Fachkräftesuche flexibler werden

Das Wort Flexibilät hörte man in den vergangenen Jahrzehnten vor allem im Zusammenhang mit Arbeitnehmern. Angesichts des demografischen Wandels und den Problemen der Wirtschaft bei der Frachkräftesuche, fordert der Chef der Bundesagentur für Arbeit nun von den Arbeitgeber ein, flexibler zu werden.
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HB NÜRNBERG. In der Debatte um einen Fachkräftemangel hat der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, von Firmen mehr Flexibilität bei der Anwerbung und Einstellung neuer Mitarbeiter verlangt. Unternehmen könnten angesichts des knapper werdenden Kräfteangebots nicht immer mit passgenauen Bewerbern rechnen, sagte Weise in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Rekrutierung neuer Kräfte funktioniere nicht mehr wie zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. "Wir werden in Zukunft für viele Berufe nicht mal mehr einen Arbeitslosen haben", unterstrich er.

Statt nach einem formalen, zertifizierten Berufsabschluss sollten sich Firmenchefs daher künftig verstärkt nach den tatsächlichen Fähigkeiten der Bewerber erkundigen. "Man wird vielleicht künftig einem Unternehmen auf eine qualifizierte Ingenieursstelle einen erfahrenen Techniker präsentieren", erläuterte der Bundesagentur- Manager. Was diesem noch an Qualifikationen fehle, sollte mit einem "training on the job" oder einer firmeninternen Fortbildung wettgemacht werden. Das sei aber allein Sache der Unternehmer. Diese müssten generell noch mehr in Fortbildung investieren.

Befürchtungen, die am 1. Mai startende Freizügigkeit für Beschäftigte aus Polen und den baltischen Staaten könnte zu einem Lohndumping in Deutschland führen, hält Weise hingegen für unbegründet. "Wirklich gut ausgebildete Menschen haben in ihrem Heimatland längst eine gute Beschäftigung", betonte er. Außerdem sei fraglich, ob Menschen aus diesen Ländern in Deutschland eine Beschäftigung suchten. Die Erfahrung zeige, dass etwa Balten wegen der schweren Sprachtests in Deutschland eher in andere europäische Länder gingen.

Probleme könne es allenfalls mit der Dienstleistungsfreizügigkeit geben. Diese erlaube etwa Zeitarbeitsunternehmen aus Polen oder dem Baltikum, ihre Dienstleistungen in Deutschland anzubieten. Die Beschäftigten würden dabei weiter zu Tarifen ihres Heimatlandes beschäftigt, sagte Weise. Davon betroffen sein könnten auch deutsche Handwerksbetriebe. "Das könnte zu einem Dumping führen. Da muss man jetzt überlegen, ob man das tariflich löst oder eine gesetzliche Linie zieht." Im Großen und Ganzen rechne er aber mit keinen großen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt.

Kommentare zu " Frank-Jürgen Weise: Firmen müssen bei Fachkräftesuche flexibler werden"

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  • vollkommen widersprüchliche Aussagen zum Fachkräftemangel allerorten. Echte Aufklärung würde nottun.

    Es stimmt: ab 2015 gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Ruhestand. ES stimmt aber auch: diese geburtenstarken Jahrgänge haben wir in Zeiten des Strukturwandels der Wirtschaft wie eine bugwelle an Arbeitslosigkeit vor uns hergeschoben und angesichts weiterer Rationalisierungen, Produktivitätssteigerungen und weiterer Deindustrialisierung in Europa brauchen wir auch immer weniger Arbeitskräfte, um zu produzieren, das gilt für den gewerblichen bereich. Anders sieht es aus bei sozialen und pflegerischen Dienstleistungen. Aber selbst dieser Mangel lässt sich über den heimischen Arbeitsmarkt decken, wenn man denn endlich mal die 16% schlechten Schulabgänger und Arbeitslose besser integrieren würde.

    Zur Zeit gibt es keinen Fachkräftemangel, lt. Statistischem bundesamt von Juni 2010 gibt ess derzeit eine reelle Unterbeschäftigung von 8,6 Mio - die wollen eigentlich alle mehr arbeiten. Das Arbeitsstundenvolumen sinkt kontinuierlich, ob Auf- oder Abschwung stetig.

    der nationale bildungsbericht von 2010 geht im übrigen davon aus, dass ein Fachkräftemangel erst so um 2025 merklich zu erwarten wäre: als branchen werden dort genannt: Reinigungsgewerbe, Gastronomie,Soziales und Pflege und auch dort wird mitnichten von gravierenden Mängeln berichtet. Außerdem sind das zum großen Teil Wirtschaftszweige, wo Stellenaufbau abhängig ist von der inlandsnachfrage oder Steuergeldern bzw. staatlicher Nachfrage.

    der ingenieursmangel ist auch herbeifantastasiert und übertrieben. Maschinenbaustudium ist mittlerweile das zweitbeliebteste Studienfach - auch hier dürfte kein Mangel zu erwarten sein, wie es der Arbeitsmarktforscher brenke letztens schön formulierte: eher eine Fachkräfteschwemme mit dem Risiko, das gut ausgebildete Personen dann auswandern, weil nicht ausreichend Stellen zur Verfügung stehen.







  • Das Spardesaster bekommt man doch inzwischen nicht nur in der freien Wirtschaft zu spüren (Lohndrückerei selbst bei Hochqualifizierten), sondern auch in der Wissenschaft.

    Die Unis sparen bei Assistenten, Dissertationen und Juniorprofessoren.


    ich erkenne inzwischen selbst die Universitäten nicht mehr. Voll mit indern und sonst welchen Kleingeistern, die innerhalb von 5 Jahren der deutschen Sprache nicht mächtig genug sind, um einen anständigen Vortrag auf Deutsch zu halten.
    Und auf Englisch fallen da einem sowieso die Ohren ab!


    Es ist wirklich eine Riesen-Perversion welche Entwicklung der Turbokapitalismus seit den 1990-ern genommen hat.

    Wer auch nur einen kleinen Schimmer Selbstachtung hat, der wird entweder Selbstständig oder wandert aus diesem Land von ungebildeten Schwuchteln und gierigen Lobbyisten aus.


    Es ist inzwischen sogar irrelevant, ob die Arbeitgeber in der freien Wirtschaft flexibler werden oder auch nicht!

  • so nennen wir es nicht mehr Humanresours,nein nennen wir es Sklaverei, das wollen die Unternehmen nach wie vor einstellen, fragt diesen Clement, der steht auf dieses Zeug, die Ware arbeitskraft muss billig bleben, nur so kann der Cement und seine Kumpels sich die Taschen vollstopfen, die Merkel und ihre FDP helfen wo sie können.Firmen müssen gezwungen werden wieder mit den Mitarbeitern zu ordentlichen Anstellungsbedingungen zu arbeiten,nicht mit brutaler Ausbeutung.Merkel,Clement und Co,rein in die Leiharbeit zu brutalsten bedingungen und schon haben wir Ruhe.

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