Frank-Jürgen Weise

Held der Arbeit

Frank-Jürgen Weise, Chef der Nürnberger Bundesagentur, ist vieles: Manager, Controller, Reformator, Sanierer. Nur eins ist er nicht: Politiker. Damit ist er für die Bundesregierung unverzichtbar. Vielen gilt Weise schon als der Managementberater der Regierung – weit über die Arbeitsmarktpolitik hinaus.
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Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit Quelle: dpa

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit

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BERLIN. Das ist die Woche des Frank-Jürgen Weise. Erst schenkt er dem Verteidigungsminister die Blaupause zu dessen Meisterstück – die Bundeswehrreform – und dann Kanzlerin Angela Merkel die frohe Botschaft: Mit knapp drei Millionen Arbeitslosen ist der tiefste Stand seit 18 Jahren erreicht. Hauptberuflich ist er zwar Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA). Tatsächlich aber ist der sportliche und uneitle Oberst der Reserve vieles: Manager, Controller, Reformator, Sanierer. Nur eins ist er nicht: Politiker. Deshalb wird er es stumm ertragen haben, dass seine Ministerin, Ursula von der Leyen, ihm gestern die Show stahl und völlig unüblich selbst die Erfolgszahlen aus Nürnberg verkündet hat.

Das politische Geschäft überlässt der 59-Jährige bewusst den profilbewussten Berufspolitikern – und sieht sich als nüchterner Vollstrecker. Dabei erkennen nicht wenige in Berlin in dem ehemaligen Manager und Reformer der früher notorisch kränkelnden BA sehr wohl höhere Qualifizierungen. Vielen gilt Weise schon als d e r Managementberater der Regierung – weit über die Arbeitsmarktpolitik hinaus.

Seine Ergebnisse können sich sehen lassen: Das einstige Bürokratieungeheuer in Nürnberg hat er längst bezwungen und auf Effizienz und Leistung getrimmt. Die Bundeswehrreform überlässt er formell dem Minister, so wie er die Umsetzung der Hartz-IV-Reform ministeriellem Selbstlob überließ. Doch der Kommissionsbericht, den er zu Guttenberg am Dienstag überreichte, hat es in sich: Es finden sich kaum Experten, die den Sinngehalt und die Notwendigkeit der Vorschläge anzweifeln. Darunter aber sind solche, die zur Umsetzung tatsächlich politischen Mut erfordern. Das wusste Weise vorher, insbesondere als er die Warnsignale aus dem Verteidigungsministerium erhielt, den Komplettumzug des Hauses vom Rhein an die Spree mit braven Wortgirlanden nur an-, aber nicht bis zur Umzugsforderung zu Ende zu denken.

Sein Pragmatismus, organisatorische Pflicht über politische Kür zu setzen, haben den Frühaufsteher schnell erkennen lassen, dass ihm die Arbeit des Reformers näher liegt als das Suchen nach politischen Kompromissen. Dabei ist er in der Kunst des Möglichen versiert. Seinen guten Ruf an einer notorisch heiklen Stelle im Getriebe der Arbeitsmarktpolitik hat er sich in seiner jetzigen Position als Chef der Bundesagentur seit dem Jahr 2004 (2002 wurde er Vorstand) nicht nur in der Welt der Wirtschaft und Beamten, sondern auch der Gewerkschaften erworben. Wenn viele ihn als uneitel schätzen, heben sie gleichzeitig den zielorientierten Macher hervor, den Manager also.

Geboren in Radebeul bei Dresden verpflichtete er sich nach dem Abitur für zwölf Jahre bei der Bundeswehr, wurde Fallschirmspringer und Kompaniechef. Dort studierte er auch Wirtschaftswissenschaften. Nach dem Wechsel in die Industrie wurde Weise nach einigen Jahren Vorstand beim Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer. Zuständig war er schon damals für all jenes, was er bis heute in Nürnberg überwacht: Finanzen, Controlling, Personal und IT.

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4 Kommentare zu "Frank-Jürgen Weise: Held der Arbeit"

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  • Held der Arbeit, da lachen ja die Hühner! Adolf Hennecke war der Held und erfand die Schaufel mit den zwei blättern. Er war die "Tunnelbohrmaschine" des sächsischen bergbaus!

  • Der Held der Arbeit und
    Old Shatterhand haben eines gemeinsam:

    beiden kommen aus Radebeul bei Dresden,
    alle Erzählungen waren Phantastereien.

  • Übrigens, liebes Handelsblatt,
    Held der Arbeit das it reiner DDR-Jargon

    ich dachte immer, wir hätten das überwunden

  • Hier mal ein paar realistische Zahlen:

    bA bericht September 2010 Seite 49 Unterbeschäftigung ohne Kurzarbeit 4.131.157
    Personen Unterbeschäftigungsquote 9,7 %

    Nach Angaben der bA wurden im März 2010 an 874.346 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld gezahlt. (Ab April 2010 vorläufig hochgerechnete Daten auf basis von Abrechnungslisten) Nach den jüngsten vorläufigen hochgerechneten Daten waren im Juli 288.000 Arbeitnehmer in konjunkturell bedingter Kurzarbeit nach § 170 SGb iii (bA bericht September 2010 Seite 9 )

    Leistungsempfänger 3):
    ALG i 865.663;
    ALG ii 4.832.440;
    Sozialgeld 1.799.582 (ohne Sozialhilfe SGb Xii) bA bericht September 2010 Seite 49 3) Endgültige Werte stehen erst nach einer Wartezeit fest.

    Die Zahl der Leistungsempfänger (ALG i, ALG ii, Sozialgeld) verharrt mitten im „Arbeitsmarktwunder“ weiterhin auf höchsten Niveau die Statistik der bA weist 7.497.685 Personen im Leistungsbezug von Arbeitslosengeld i; Arbeitslosengeld ii und Sozialgeld aus

    Kommentieren muß man das wohl nicht

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