Frank-Jürgen Weise soll Schwarzarbeit geduldet haben
Arbeiten und arbeiten lassen

Alles beginnt mit einem Gespräch, wie es in deutschen Unternehmen tausendfach geführt wird. Eine Gruppe Manager sitzt Anfang 2002 zusammen und diskutiert ein geschäftliches Problem. Ein Projekt wirft weniger Geld ab als erwartet, die Kosten sind zu hoch, der Auftraggeber will nicht so viel zahlen wie gefordert. Zu allem Überfluss ist eine Großinventur schief gelaufen. Sie muss wiederholt werden. Etwa 20 Mitarbeiter werden damit drei volle Tage beschäftigt sein, das wird teuer.

HEPPENHEIM. Da schlägt einer der Manager vor, bei der Inventur zu sparen. Die Arbeiter, es handelt sich vor allem um Zeitarbeitskräfte und Aushilfen, sollen am Wochenende ran, von Freitagnachmittag bis Sonntagabend. Und sie sollen schwarz bezahlt werden. Man kommt überein, dass es so gemacht wird. So erinnert sich einer, der damals mit dabei war.

Schwarzarbeit ist nichts Ungewöhnliches in Deutschland. Jedes Jahr werden Milliarden Euro an Finanz- und Sozialamt vorbeigeschleust. Die einen schätzen die Summe auf 90 Milliarden Euro pro Jahr, die anderen gar auf 370 Milliarden Euro. Und laut einer Umfrage vom Juni 2003 gibt jeder zweite Deutsche zu, schon einmal jemanden gesucht zu haben, der etwas schwarz für ihn erledigt.

Aber es war nicht irgendeine Gruppe, die da zusammensaß. Zunächst das Unternehmen: die Microlog Logistics AG aus Heppenheim, ein kleiner Konzern, der 2002 am Neuen Markt notiert war und auf 272 Millionen Euro Umsatz kam. Das ist nicht gerade die Liga, in der man Schwarzarbeit vermutet. Noch weniger, wenn der Finanzvorstand an dem Gespräch beteiligt war. Und zu allerletzt, wenn dieser Finanzvorstand Frank-Jürgen Weise heißt und heute Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist.

Der Mann steht vor einer der schwierigsten Reformaufgaben der Republik. Er verwaltet einen Etat von gut 50 Milliarden Euro, er soll 4,6 Millionen Arbeitslosen neue Jobs verschaffen. Und er hat eine Karriere hinter sich, die ihresgleichen sucht in Deutschland: zwölf Jahre Berufssoldat, Offizier und Kompaniechef, später Dozent für Betriebswirtschaftslehre, Wechsel in die Industrie und Aufstieg zum Personal- und Finanzchef der FAG Automobiltechnik AG. Dann gründet CDU-Mitglied Weise ein Logistikunternehmen, scheffelt am Neuen Markt Millionen – und wechselt wenig später in den Vorstand der Behörde, die vielleicht als die verschlafenste Deutschlands gilt: der Bundesagentur für Arbeit.

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