Frank-Walter Steinmeier – ein Porträt „Ich will ein Mutmacher sein“

Aus den Hinterzimmern in die weite Welt: Frank-Walter Steinmeier, die „graue Effizienz“, hat es vom politischen Beamten in Niedersachsen zum Außenminister geschafft. Heute nun die Krönung seiner Karriere. Ein Porträt.
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Frank-Walter Steinmeier zusammen mit seiner Frau Elke Büdenbender auf dem Weg in die St. Hedwigs-Kathedrale zum Gottesdienst. Quelle: dpa
Am Wahltag

Frank-Walter Steinmeier zusammen mit seiner Frau Elke Büdenbender auf dem Weg in die St. Hedwigs-Kathedrale zum Gottesdienst.

(Foto: dpa)

BerlinDie Umstellung wird für Frank-Walter Steinmeier gar nicht so groß sein. Lange Reden halten, als Vermittler und Erklärer auftreten, viel reisen. All das kann der langjährige Außenminister auch noch, wenn er als frisch gewählter Bundespräsident ins Schloss Bellevue einzieht. Noch hat Steinmeier (61) fünf Wochen Zeit, um sich auf seine fünfjährige Amtszeit vorzubereiten, die am 19. März beginnt.

Das höchste Staatsamt krönt eine fast mustergültige politische Karriere, die 1991 in Hannover mit einer denkwürdigen Begegnung beginnt. Der im 1000-Seelen-Dorf Brakelsiek im ostwestfälischen Lipperland aufgewachsene Tischlersohn und Jurist Steinmeier trifft dort auf Gerhard Schröder, ebenfalls Jurist, ebenfalls aus einem Dorf im Lipperland, aber zu diesem Zeitpunkt schon Ministerpräsident Niedersachsens.

„Er trat anders auf als die anderen. Der kam nicht in gebückter Haltung zu mir“, sagt Schröder später. In den folgenden 14 Jahren gehen die beiden einen gemeinsamen politischen Weg – steil nach oben. Steinmeier zieht in Schröders Staatskanzlei ein, folgt ihm 1998 nach Bonn und Berlin ins Kanzleramt, wird schließlich als Chef der Regierungszentrale Schröders Dirigent der Macht.

Es ist die Zeit, aus der sein Spitzname „graue Effizienz“ stammt. Der Mann mit der weißen Haarfarbe, die er seit einer komplizierten Augenoperation mit Mitte 20 hat, agiert unauffällig aber wirkungsvoll. Er gibt kaum Interviews, scheut die Öffentlichkeit, gestaltet aber die wichtigsten Regierungsprojekte wie die umstrittene Agenda 2010 maßgeblich mit.

Diese Promis wählen den Bundespräsidenten
Hape Kerkeling
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Verkleidet als Königin Beatrix konnte der Entertainer Hape Kerkeling bereits im Jahr 1991 das Schloss Bellevue aus nächster Nähe bewundern – nun darf er zumindest dessen nächsten Einwohner wählen. Für die CDU Nordrhein-Westfalen ist Kerkeling Teil der 16. Bundesversammlung.

Joachim Löw
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Der Bundestrainer hat, auch wenn er sich die erste Silbe seiner Amtsbezeichnung mit dem deutschen Staatsoberhaupt teilt, kein politisches Amt in Deutschland inne. Allerdings wurde er von den Grünen in Baden-Württemberg für die Bundesversammlung nominiert, und darf somit über den nächsten deutschen Bundespräsidenten mitentscheiden.

Bibiana Steinhaus
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Eine weitere Sportlerin in der Bundesversammlung ist WM-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. 2013 und 2014 wurde sie zur Welt-Schiedsrichterin des Jahres gewählt und war die erste Frau, die jemals das Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft gepfiffen hat. Steinhaus wurde von der SPD Niedersachsen für die Bundesversammlung nominiert.

Veronica Ferres
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Schauspielerin Veronica Ferres, hier mit ihrem Ehemann Carsten Maschmeyer, wurde von der CDU Nordrhein-Westfalen für die Bundesversammlung nominiert.

Stefanie Kloß
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Bekannt als Show-Moderatorin und Frontsängerin der Band „Silbermond“ ist Stefanie Kloß (Mitte) jetzt Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten. Sie wurde von der SPD in Sachsen nominiert.

Alexander zu Schaumburg-Lippe
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Für die FDP in Niedersachsen ist Unternehmer Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe Teil der Bundesversammlung und nimmt somit ebenfalls an der Wahl zum neuen deutschen Staatsoberhaupt teil.

Carolin Kebekus
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Auch Komikerin Carolin Kebekus darf den Bundespräsidenten wählen – sie wurde von den Grünen in Nordrhein-Westfalen nominiert.

2005 ist die rot-grüne Regierung Schröders am Ende. Der Kanzler verliert eine von ihm selbst herbeigeführte Neuwahl, sorgt aber dafür, dass „sein Mann“ Steinmeier als Vizekanzler und Außenminister in die erste große Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einzieht. Das Team Merkel/Steinmeier funktioniert gut – am Ende vielleicht zu gut. Von den Erfolgen der großen Koalition profitiert vor allem Merkel und fügt dem SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier bei der Bundestagswahl 2009 eine bittere Niederlage bei. Die Sozialdemokraten stürzen auf 23 Prozent ab, das schlechteste SPD-Ergebnis aller Zeiten.

Steinmeier wird trotzdem Oppositionsführer und kehrt vier Jahre später – wieder unter Merkel – ins Auswärtige Amt zurück. Mit sieben Jahren war er insgesamt so lange Außenminister wie vor ihm nur Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Joschka Fischer (Grüne). „Der Name Frank-Walter Steinmeier wird mit der deutschen Außenpolitik verbunden bleiben. Er steht für Unermüdlichkeit, dafür, weiter zu verhandeln, zu vermitteln, zu überzeugen“, sagt Bundespräsident Joachim Gauck, als er Steinmeier Ende Januar seine Entlassungsurkunde übergibt.

Verhandeln wird Steinmeier als Bundespräsident nicht mehr, überzeugen muss er weiterhin. Vor allem will er die Menschen in Deutschland davon überzeugen, wie kostbar die Demokratie ist. „Ich will ein Mutmacher sein, denn ich bin fest davon überzeugt: Demokratie verträgt keine Resignation“, sagt er.

Steinmeiers Weg zum Bundespräsidenten
Frank-Walter Steinmeier und Bundespräsident Joachim Gauck
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Joachim Gauck wurde im Jahr 2012 von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt. Dieses Jahr kündigte er an, für das Amt ab 2017 aus Altersgründen nicht mehr zu Verfügung zu stehen. Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten lief seitdem auf Hochtouren. Bundeskanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer hatten lange mit ihrer Unterstützung für den 60-jährigen Sozialdemokraten gezögert – zumal der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in dieser Frage einseitig vorgeprescht war. Heute gab die CDU und CSU aber bekannt, dass sie hinter der Kandidatur für Steinmeier stehen. Er steuert damit zielsicher auf das Schloss Bellevue zu.

Beginn Steinmeiers Karriere
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Geboren wurde Steinmeier am 5. Januar 1956 als Sohn eines Tischlers und einer Fabrikarbeiterin. Jahrelang spielte er Fußball für die TuS 08 Brakelsiek, unter anderem als Libero, und war dabei nach eigener Einschätzung „nicht der begnadete Filigrantechniker“, hatte aber als Teamspieler „großes Kämpferherz und langen Atem“. Nach eigenen Aussagen bemerkte er in seinem Dorf aber einen „Stillstand“ und wollte seine Heimat deshalb verlassen. Nach dem Abitur ging Steinmeier zunächst zur Bundeswehr und war dort für zwei Jahre bei der Luftwaffe in Goslar tätig.

Bildungsweg
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1976 begann Steinmeier an der Justus-Liebig Universität Gießen Rechtswissenschaft zu studieren. Nach seinem zweiten Staatsexamen arbeitete der Politiker an der Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter und schrieb seine Doktorarbeit.

Im Jahr 2013 wurde ein Plagiatsverfahren eingeleitet, weil seine Dissertation Zitierfehler und handwerklicher Mängel enthielt. Er wurde jedoch freigesprochen und konnte seinen Doktortitel behalten.

Steinmeier im Bundeskanzleramt
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Nach seinem Studium arbeitete Steinmeier von 1998 bis 2005 als Staatssekretär im Bundeskanzleramt, nachdem Gerhard Schröder Bundeskanzler wurde. Er zählte zu den engsten Vertrauten von Schröder.

Privatleben
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Frank-Walter Steinmeier heiratete 1995 die Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender. Das Ehepaar lernte sich während des Jura-Studiums kennen und hat eine gemeinsame Tochter. Im Jahr 2010 zog sich Steinmeier für einige Wochen aus der Politik zurück, um sich um seine erkrankte Frau zu kümmern: Steinmeier spendete ihr eine Niere.

Kabinett Merkel Steinmeier
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Obwohl Steinmeier als Vertrauter von Schröder galt, ernannte ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2005 überraschend als Bundesminister des Auswärtigen. Kurze Zeit später löste er Franz Müntefering als Vizekanzler ab.

Zeit in der SPD
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In Umfragen führte Steinmeier wiederholt die Liste der beliebtesten deutschen Politiker mit Abstand an. Auch seine Bewerbung um das Präsidentenamt stößt demnach in der Bevölkerung auf Unterstützung. Bereits mit 19 Jahren trat Steinmeier in die SPD ein und war in der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten tätig. Ein wichtiger Schritt in seiner SPD-Laufbahn war für den Politiker die Bundestagswahl im Jahr 2009. Dafür wurde er zu rund 95 Prozent der Stimmen als Spitzenmann für die Kanzlerkandidatur gewählt.

Steinmeier ist nicht nur in der Bevölkerung so beliebt wie kein anderer Politiker. Er hat sich auch über die Parteigrenzen hinweg extrem viel Rückhalt und Respekt erarbeitet. Selbst CSU-Chef Horst Seehofer nennt ihn inzwischen „den lieben Frank“ und bei der Wahl am Sonntag konnte er auch auf Stimmen aus den Reihen von FDP und Grünen setzen.

Steinmeiers privater Rückhalt ist seine sechs Jahre jüngere Frau Elke Büdenbender, eine Verwaltungsrichterin, die nur selten mit ihm in der Öffentlichkeit auftritt. Die beiden haben eine Tochter, Merit, die Anfang 20 ist. Sein Familienleben spielt nur einmal eine größere Rolle in der Öffentlichkeit, als Steinmeier im Jahr 2010 seiner Frau eine Niere spendet. Er zieht sich dafür zehn Wochen aus der Politik zurück, erntet viel Hochachtung und wird in den Medien als Held gefeiert. Es gibt eben auch im Leben eines passionierten Berufspolitikers wichtigeres als Politik.

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