_

Frank-Walter Steinmeier: „Spitzenpolitiker kann man bei uns nicht mieten“

exklusiv Im Gespräch mit dem Handelsblatt wirft Oppositionschef Frank-Walter Steinmeier Union und FDP ein „suspektes Politikverständnis“ vor und fordert Außenminister Westerwelle auf, das „Palaver“ zu beenden. Aber auch zum Thema Griechenland bezieht der SPD-Fraktionsvorsitzende klar Position.

_
Quelle: ap
Quelle: ap

Handelsblatt: Herr Steinmeier, die Sponsoren-Affäre in NRW belastet die CDU, fällt aber auf alle Parteien zurück. Haben Sie selbst je für Gespräche Geld genommen?

Anzeige

Frank-Walter Steinmeier: Das, was da in NRW ans Licht gekommen ist, schadet der Politik insgesamt. Und das mitten in einer Wirtschaftskrise, in der die Autorität der Politik gegenüber Akteuren der Wirtschaft mehr denn je gefragt ist. Ich selbst trete nicht für Honorare auf.

HB: Können Sie ausschließen, dass nicht auch die SPD Angebote für Gespräche gemacht hat?

Steinmeier: Bei uns kann man Spitzenpolitiker nicht mieten.

HB: Und für die SPD-Zeitung, den „Vorwärts“, haben Sie auch nicht an Kaminabenden teilgenommen, bei denen dann Anzeigenkunden geworben wurden?

Steinmeier: Das kann man nicht vergleichen. Bei den Kaminabenden lädt der „Vorwärts“ ein, und niemand zahlt für die Teilnahme.

HB: Würden Sie sagen, dass Herr Rüttgers käuflich war durch die Art der Kontaktfinanzierung?

Steinmeier: Es ist ja nicht der erste Vorfall. Die sogenannte bürgerliche Koalition macht Deutschland zur Bananenrepublik. Erst die Steuerprivilegien für Hoteleigner samt FDP-Parteispende, dann die Entlastung für Unternehmenserben, und jetzt spitzt es sich auf die Vermietung eines Ministerpräsidenten durch die CDU zu. All das spricht für ein suspektes Politikverständnis von Schwarz-Gelb in Berlin und Düsseldorf. Ich verspreche Ihnen: In NRW ist das Ende absehbar!

HB: Mit wem will die SPD denn die Mehrheit erlangen?

Steinmeier: Die Umfragen zeigen, dass Schwarz-Gelb keine Mehrheit hat. Rot-Grün ist nur einen Punkt dahinter. Das ist eine konkrete Machtperspektive auch ohne Linkspartei. Wir haben noch drei Monate Zeit und werden sie nutzen.

HB: Akzeptieren Sie die Linkspartei ohne Lafontaine als Mehrheitsbeschaffer?

Steinmeier: Natürlich war Lafontaine nicht irgendwer. Aber die SPD ist selbstbewusst genug, ihr Verhältnis zur Linkspartei nicht über Personen zu definieren. Viele Fragen sind in der Linkspartei weiterhin ungeklärt, zum Beispiel in der Außenpolitik. Und was die Landesebene betrifft: Die Genossen in den Ländern entscheiden selbst, mit wem sie regieren wollen. Es ist aber auch klar: In NRW ist die Linkspartei ein chaotischer Haufen.

Zurück
  • Video

Panorama Mann von eigener Bombe verstümmelt

In Bangkog soll ein Mann einen Sprengsatz nach Polizeibeamte geworfen haben. Doch die Bombe explodierte noch in seiner Hand - und zerfetzte ihm das Bein. Über die Gründe des Angriffs wird noch spekuliert.

  • Die aktuellen Top-Themen
Städtetag: Die Kluft zwischen reichen und armen Städten wird immer krasser

Die Kluft zwischen reichen und armen Städten wird immer krasser

Die Städte können etwas aufatmen. Nach langer Durststrecke können sie in diesem Jahr wieder mit einem Überschuss rechnen. Doch in vielen Orten wird die kurzfristige Verschuldung immer dramatischer.

Bundesweite Folgen: Professorenbesoldung ist verfassungswidrig

Professorenbesoldung ist verfassungswidrig

Das Bundesverfassungsgericht fordert mehr Geld für Professoren. Das Gericht erklärte die Professorenbesoldung in Hessen für verfassungswidrig. Die Entscheidung dürfte bundesweit Konsequenzen haben.

Schuldenschnitt: Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt

Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt

70 Prozent der Forderungen sollen private Gläubiger beim Schuldenschnitt aufgeben. Eine große freiwillige Beteiligung sehen Notenbanker aber nicht - und erwarten eine Verpflichtung für alle. Mit unkalkulierbaren Folgen.

Global Reporting Tiefer Griff in die Kasse

Das sorgenvolle Gesicht des Bankers sagte alles: Brady Dougan, Chef der Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) und US-Bürger, musste einen Verlust für das vierte Quartal 2011 von mehr als 600 Millionen Franken eingestehen. Bei der... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Zum Wochenende: Unser Modetipp für liberale Ökonomen

Wie kleidet sich der liberale Ökonom von heute? Ist doch ganz klar: Mit dem "Adam Smith Tartan". Die Scottish Economic Society hat zu Ehren des Begründers der modernen Volkswirtschaftslehre ein eigenes Schotten-Karo erstellt und im... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International