Frauen sind pessimistischer als Männer
Verbraucher bei Steuerreform skeptisch

Die deutschen Verbraucher stehen dem geplanten Vorziehen der Steuerreform noch sehr skeptisch gegenüber. Weniger als ein Drittel - 29 Prozent - glaubt, dass dieser Schritt die Wirtschaft beleben wird, wie eine Umfrage des Instituts polis im Auftrag der dpa ergab. 78 Prozent wollen auch nach der Umsetzung der nächsten Reformstufe 2004 nicht mehr Geld ausgeben. Frauen sind dabei deutlich pessimistischer als Männer.

HB/dpa HAMBURG. In den vergangenen Monaten haben sich der Umfrage zufolge 57 Prozent bei Anschaffungen zurückgehalten. Frauen waren viel sparsamer. Von ihnen haben 64 Prozent ihre Ausgaben reduziert, gegenüber 49 Prozent bei den Männern. Sie sind auch skeptischer, was den Nutzen der Steuerreform betrifft: Nur 25 Prozent der Frauen glauben an eine Belebung der Wirtschaft, während es bei den Männern immerhin 33 Prozent sind.

So wollen auch deutlich mehr Frauen ihren Konsum weiterhin zügeln, selbst wenn sie nach der nächsten Reformstufe mehr Geld in der Tasche haben sollten. 85 Prozent wollen die Ausgaben unverändert lassen, während es bei den Männern 71 Prozent sind. Die Frauen in Ostdeutschland sind mit 88 Prozent besonders zurückhaltend.

Nur 15 Prozent wollen nach dem Inkrafttreten der nächsten Steuerreformstufe mehr ausgeben. Bei Männern sitzt das Geld auch in diesem Fall lockerer: 19 Prozent sehen sich zu stärkerem Konsum bereit gegenüber 11 Prozent der Frauen.

Ungeachtet der Skepsis will die Mehrheit aber, dass die Steuerreform zu Stande kommt: 59 Prozent sind der Meinung, dass die CDU/CSU den Reformplänen der rot-grünen Bundesregierung im Bundesrat zustimmen sollte. Selbst unter den Wählern der Opposition glauben dies 54 Prozent. Im Regierungslager sehen 76 Prozent der SPD-Wähler die Union in der Pflicht und 71 Prozent der Grünen.

Die Sympathisanten der Regierungsparteien sind auch deutlich zuversichtlicher, was die Auswirkungen der Steuerreform betrifft. Spitzenreiter sind die Wähler der Grünen, bei denen 48 Prozent eine Belebung der Wirtschaft erwarten. Bei den SPD-Anhängern liegt der Anteil der Optimisten bei 37 Prozent, bei CDU/CSU nur bei 29 Prozent.

Mehr Konsum ist dagegen für die Anhänger aller Parteien fast gleichermaßen kein Thema. 77 Prozent der SPD-Wähler wollen nicht mehr ausgeben, ebenso wie 74 Prozent der Unions-Wähler und 74 Prozent der Grünen. PDS-Wähler stechen mit einem Anteil von 92 Prozent hervor.

polis befragte im Auftrag der dpa Mitte der Woche Woche 1038 Personen im Alter über 18 Jahren.

Die Bundesregierung hatte sich Ende Juni zu einem Vorziehen der nächsten Stufe der Steuerreform um ein Jahr auf 2004 durchgerungen. Dadurch soll es eine Entlastung der Steuerzahler im Schnitt um zehn Prozent geben. Die Regierung erhofft sich davon mehr Konsum und positive Impulse für die Wirtschaft.

Experten sind sich über die Auswirkungen der Reform für den einzelnen Verbraucher allerdings noch unsicher. Den generellen Steuersenkungen stehen beispielsweise auch die Erhöhung der Tabaksteuer und die Streichung der Entfernungspauschale für die ersten 20 Kilometer des Arbeitsweges gegenüber. Daher könnten unterschiedliche Faktoren wie Einkommen, Familienstand oder der Arbeitsweg darüber entscheiden, ob jemand nach der Reform mehr oder weniger Geld in der Tasche hat.

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