Frauenanteil im Management steigt
Führungskräfte wollen weniger arbeiten

Der Frauenanteil in den deutschen Führungsetagen ist gestiegen, zeigt eine DIW-Studie – doch Gleichberechtigung ist noch längst nicht erreicht. Einen gemeinsamen Wunsch haben aber beide Geschlechter: weniger Arbeit.
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BerlinFührungskräfte in Deutschland würden gerne kürzer arbeiten. Männer in Leitungsfunktion oder einer Fachkarriere verbringen im Schnitt 44 Stunden pro Woche im Büro oder der Fabrik. Sie würden ihre Arbeitszeit gerne um sechs Stunden reduzieren. Auch bei den weiblichen Führungskräften liegt die Diskrepanz zwischen gewünschter und tatsächlicher Arbeitszeit bei sechs Stunden. Sie arbeiten im Schnitt 40 Wochenstunden, angestrebt werden 34 Stunden.

Das zeigen Daten des Sozio-oekonomischen Panels von 2015, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für seinen aktuellen „Führungskräfte-Monitor“ ausgewertet hat. Als Führungskraft gelten dabei nicht nur Angestellte mit Personalverantwortung, sondern auch hochqualifizierte Beschäftigte allgemein. Nicht berücksichtigt sind Selbstständige, Landwirte und Beschäftigte im öffentlichen Dienst.

Für rund neun von zehn Führungskräften gibt es eine vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit. 44 Prozent der Männer und Frauen arbeiteten zwischen 41 und 50 Stunden in der Woche. Bei beiden Geschlechtern ist aber der Anteil überlanger Arbeitszeiten von 50 Stunden und mehr seit 2005 zurückgegangen.

Die sinkende Arbeitszeit führt nach den DIW-Erhebungen zumindest zum Teil dazu, dass die Männer mehr im Haushalt helfen. Gaben von den befragten männlichen Führungskräften 1995 nur 12 Prozent an, dass die Hausarbeit zwischen beiden Partnern gleichmäßig verteilt ist, so waren es zuletzt 31 Prozent. Entsprechend ist der Anteil der weiblichen Führungskräfte, die mehr putzen, bügeln oder kochen als der Partner, von 41 auf 33 Prozent gesunken.  

Der Frauenanteil in den Chefetagen ist nach der breiten Definition des DIW von 1995 bis 2015 um rund zehn Prozentpunkte auf etwa 30 Prozent gestiegen. „Es geht voran, was den Anteil von Frauen in Führungspositionen betrifft“, sagte die DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies, Elke Holst. Gemessen an der hohen Qualifikation der Frauen in Deutschland sei der Anteil von 30 Prozent allerdings nicht besonders hoch.

Auch 27 Jahre nach der Wiedervereinigung spielten offenbar „kulturelle Unterschiede“ zwischen West und Ost immer noch eine Rolle, sagt Holst. So liege der Frauenanteil in Führungspositionen in Ostdeutschland bei 44 Prozent. In den alten Bundesländern sind es nur 27 Prozent. Und der Anteil ist seit 1995 deutlich langsamer angestiegen als in den neuen Ländern.

Nach Ansicht der DIW-Forscher zeigt die gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte durchaus Wirkung. So sei der Anteil der weiblichen Aufseher in Unternehmen mit fester Geschlechterquote stärker gestiegen als in jenen ohne. Auch der europäische Vergleich zeige, dass in Ländern mit einer Quotenregelung Frauen häufiger in die höchsten Entscheidungsgremien aufstiegen als in Staaten ohne gesetzliche Untergrenze.

Allerdings brauchen Frauen nach wie vor Zeit, um in eine Führungsposition gelangen – auch weil sie öfter als Männer nur Teilzeit arbeiten oder eine Auszeit für die Kindererziehung nehmen. So ist der Frauenanteil bei den Führungskräften in der Altersgruppe der über 54-Jährigen seit 2005 besonders stark von 13 auf 23 Prozent gestiegen. Von den unter 24-Jährigen Führungskräften waren zuletzt 36 Prozent Frauen, von den 35- bis 54-Jährigen 28 Prozent.

Den Frauenanteil in den Führungsetagen weiter zu erhöhen, sieht Holst als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Die Unternehmen müssten die Erhöhung des Frauenanteils als zentrales Unternehmensziel definieren und einen verbindlichen Zeitplan festlegen. Wichtig sei auch die Transparenz bei der Besetzung von leitenden Positionen und bei Gehältern. Flexible Arbeitszeiten und Zeitsouveränität seien wichtige Optionen, um die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern voranzutreiben.

Der Staat müsse etwa für eine ausreichende Kinderbetreuung sorgen und Fehlanreize abbauen, die der Beschäftigung von Frauen im Wege stehen. Auch Paare selbst seien aber gefragt, für eine stärker partnerschaftliche Aufgabenteilung in der Familie zu sorgen, so die Berliner Wirtschaftsforscher.   

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