Frauenquote abgelehnt
„Das ist Volksverdummung, was hier stattfindet“

Selten zeigen die Abgeordneten im Bundestag so viele Emotionen: Verrat und Scheinheiligkeit wirft die Opposition der CDU bei der Debatte über die Frauenquote vor. Nur eine zeigt keine Gefühle: Ursula von der Leyen.
  • 52

Berlin„Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen haben, nicht nur in der Wirtschaft, sondern überall“, sagt Unions-Fraktionschef Volker Kauder. Doch statt Zustimmung erntet er nur Gelächter. Die Opposition tobt, die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast protestiert lauthals. Kauder fährt Künast an: „Ich höre Ihnen als Mann zu, ich möchte, dass sie mir als Frau auch zuhören.“ Die Geschlechter-Debatte, da ist sie wieder.

Selten sind die Ränge im Bundestag so gut besetzt wie heute – selbst, wenn es um ein Gesetz geht, von dem eigentlich alle wissen, dass es nicht durchkommen wird. Seit Tagen spielen Opposition und Regierung Tauziehen um die Frauenquote. Über den Bundesrat hatte die Opposition ein Gesetzeswurf initiiert, der eine starre Frauenquote ab 2018 vorsah. Zeitweise sah es so aus, als ob die Opposition dafür genügend Quoten-Befürworter aus den Regierungsreihen einsammeln könne. Doch die Union brachte ihre Abweichler wieder auf Linie. So lehnte der Bundestag mit schwarz-gelber Mehrheit die starre Frauenquote ab. Gegen den Entwurf stimmten in zweiter Lesung 320 Parlamentarier, dafür waren 277, es gab eine Enthaltung. Auch Wackelkandidatin Ursula von der Leyen lehnte den Entwurf ab.

Am Morgen, wenige Stunden vor der Abstimmung im Bundestag, wagten die Grünen dann noch ein letztes Manöver. Sie stellten einen Eilantrag zur Änderung des Gesetzesentwurfs. „Entsprechend dem Konsens der Union wird für das Jahr 2020 eine Quote von 30 Prozent Frauenanteil vorgesehen“, hieß es in dem Antrag. Genau diese Forderung will die Union in ihr Parteiprogramm schreiben, so hat es der Bundesvorstand der CDU noch am Montag beschlossen, als Kompromiss mit den vermeintlichen Abweichlern.

Trotzdem bügelt die Union den Vorstoß der Grünen ab. „Wir wollen bis zum Jahr 2020 den Unternehmen die Möglichkeit geben die Quote zu erreichen. Und wenn Sie dann nicht kommt, dann wird sie gesetzlich vorgeschrieben“, sagt Unionsfraktionschef Kauder und erstickt damit alle Hoffnungen der Opposition im Keim. Die Union bleibt dabei: Die Unternehmen sollen erst mal nur dazu verpflichtet werden, sich selbst zu verpflichten. In der nächsten Legislaturperiode soll diese „Flexi-Quote“ kommen, verspricht Kauder.

Als erste Rednerin hatte Katrin Göring-Eckhardt schon zuvor ihrer Entrüstung Luft gemacht. „Die Wirklichkeit ändert sich nicht dadurch, dass die Union etwas ins Parteiprogramm schreibt“, erklärte die grüne Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl. Der Kompromiss der CDU sei „eine große Enttäuschung für die Frauen in der Republik“, sagte sie. Und mit Enttäuschung richtet sie sich auch an die gezähmten Rebellinnen aus den Reihen der Union: „Sie sind nicht verlässlich, nicht vertrauenswürdig und nicht die Frauen, die seit dreieinhalb Jahren mitverhandelt haben“, wirft Göring-Eckhart ihnen vor.

Es sind viele Fragen, die dort am Rednerpult des Bundestags aufgeworfen werden. Nicht nur zur Frauenquote, nicht nur darüber, ob Unternehmen aus eigener Kraft die Frauen in ihre Führungsetagen durchlassen werden. Nicht nur darüber, ob man der Wirtschaft Vorschriften machen darf, sondern auch darüber, welche Vorschriften eine Fraktion seinen Abgeordneten eigentlich machen darf.

Seite 1:

„Das ist Volksverdummung, was hier stattfindet“

Seite 2:

Quoten-Befürworterin von der Leyen verzichtet auf Rede

Kommentare zu " Frauenquote abgelehnt: „Das ist Volksverdummung, was hier stattfindet“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wurde wohl der Thread wieder aufgewärmt?

    Aber um was es eigentlich geht bei der ganzen Debatte ist doch, wo ist der lukrative Posten in der Privatwirtschaft nach dem Bundestag für die Abgeordnetin... ist doch so durchsichtig!

    Ich wäre als erstes einmal für eine Quotensenkung der LehrerInnen im Bundestag - eine Quote von 10% Lehrer ist allemal genug! Vielleicht hörte dann auch mal endlich die Gängelei der deutschen Bevölkerung auf!

  • MUSSTE NOCH EIN MANGEL IM BEITRAG FINDEN und IN ALLEN MEDIEN KEIN THEMA , WARUM NICHT , dass GRÜNE AUCH GESCHLOSSEN DAGEGEN STIMMTEN , WO DOCH MIT WORTE und ANTRAG EINBRACH ENTEN ??? MIT ihre STIMMEN HÄTTEN FRAUENQUOTE GEHABT und MIT TAT WAHRES DENKEN . . . SO DOCH JEDEM KLAR DAS ALLE WORTE LÜGEN WAREN , wo so Abgestimmt HABEN

    WEM HABEN sie sich WEISUNGSGEBUNDEN GEFÜHLT UND alle sich ZWINGEN LASSEN ???

    ATHEIST SICH Gott , im WISSEN Gott . . .
    und SO KANN GARNICHT RASSIST SEIN und NIEMANDEN RASSEMACKE LEBEN LASSEN KÖNNEN .
    SOUVERÄN
    Frank Frädrich , WILL AUCH WAHRHEITEN WISSEN , WELCHE NURNOCH 4 IM ZUSAMMENHANG WISSEN .


    MEDIEN WO EIN WORT VERBOTEN IST BETRÜGEN .
    AUF EINER ERDE WO GELDRECHT BEDIENEN MEHR WERT IST ALS MENSCHEN ZUM MENSCH SEIN DAS RECHT GEBEN und LEBEN LASSEN AUCH .

    " ESM " Hatte NICHT DEMOKRATIE Verhindert , SO WIE " DIE " ES WOLLTEN HÄTTEN FÜR IMMER BEKOMMEN , SONDERN GESETZE , aber WARUM NUR IN EINEM LAND ??? HÄTTEN ESM SO BEKOMMEN . . . . SOLCH DIENENDE Politiker, EINER VERSCHWÖRUNG , DIE ES VOR ADOLF SCHON . . . . JEDER DER ESM SO ZUGESTIMMT HATTE IST TÄTER und VERFASSUNGSRICHTER RETTER . . . ABER NUN EBBEND WEG ÜBER BANKEN KONTROLLE HABEN WOLLEN NEHMEN , um Ziel DOCH ZU ERREICHEN .


    See the Interview " Why the world is losing faith in democracy" CFR
    Siehe Interview: "Warum ist die Welt zu verlieren Vertrauen in die Demokratie" CFR

  • Wenn schon Quote, dann bitte richtig!
    Frauenquote im Schwerlastverkehr
    Frauenquote bei den Dachdeckern
    Männerquote bei den Reinigungskräften
    Männerquote bei den Kindergärtnern
    und das generell verbindlich!
    Also, die Firma muss ein Drittel Frauen, bzw. Männer beschäftigen in den oben genannten Berufen, wenn das nicht möglich ist müssen überschüssige Männer bzw Frauen entlassen werden.

    Danach arf es dann gerne auch eine Quote im mittleren Management geben - und ganz zum Schluss dann auch eine Quote für die Aufsichtsräte, damit unsere Politikerinnen endlich auch mal Geld verdienen können.

    Ich bin eine Frau - und ich empfinde eine Quote als Diskriminierung. Ich habe es Dank meines Könnens ins mittlere Management geschafft und nicht Dank meines Geschlechts. Ich wünsche, dass ds möglichst vielen Gelingt.

    Früher kamen Frauen nach oben - weil sie Frauen waren und sich hoch schliefen. Heute durch ihr Können. Morgen wieder weil sie weiblich sind????

    NEIN DANKE

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%