Frauenquote in Talkshows
Steinbrücks Netz-Expertin kassiert ersten Rüffel

Politisch unbeleckte Persönlichkeiten, die sich plötzlich in einem Wahlkampfteam wiederfinden, laufen Gefahr, sich in Interviews zu vergaloppieren. Steinbrücks Netzexpertin Joost erging es so, zur Freude der FDP.
  • 17

BerlinDesignforscherin Gesche Joost, im Team von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für Netzpolitik zuständig, hat mit der Forderung nach einem festen Frauenplatz in Talkshows und Konferenzen harsche Kritik auf sich gezogen. „Der Vorschlag der SPD ist nichts anderes als ein Eingriff in die Freiheit der Medien“, sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, Handelsblatt Online. „Die Redaktionen sollten ihre Gäste auch in Zukunft anhand der Themen auswählen können und nicht der Political Correctness unterworfen werden.“ Wer bei Fernsehsendungen, die der Information und Meinungsbildung der Bürger dienen, zuerst an die Quote und dann den Inhalt der Sendungen denkt, zeige wie wenig ernst er den Informationsauftrag des Rundfunks nehme.

Joost hatte mit Blick auf die Beteiligung von Frau in Fernsehsendungen erklärt, dass sich hier etwas ändern müsse. "Eine Selbstverpflichtung von Redaktionen und Veranstaltern, dass in Talkshows oder Panels stets beide Geschlechter vertreten sein müssen, würde ich sehr begrüßen", sagte sie „Spiegel Online“.

Sie sei erst kürzlich wieder in ein Gremium eingeladen worden, das fast nur aus Männern bestanden habe. "Da habe ich mich dann beschwert und gesagt: Das kann doch nicht euer Ernst sein." Eine feste Quote "von fifty-fifty für jede Gesprächsrunde" sei ihr aber zu radikal.

Joost sagte, sie fühle sich nicht als Quotenfrau im Team von Steinbrück. "Trotzdem finde ich den Begriff nicht schlimm, ich bin ein echter Fan der Frauenquote", so die Design-Professorin. "Ich habe in meiner Laufbahn viele Gremien, Unternehmen und Stiftungen von innen gesehen. Da sitzen meist nur Männer, und zwar 60 plus. Dafür habe ich kein Verständnis mehr, das geht so nicht."

Die gebürtige Kielerin rief die die SPD dazu auf, neue Wählergruppen stärker anzusprechen. "Ich glaube, die SPD muss für traditionelle Arbeitsmodelle und Start-ups gleichermaßen da sein", sagte sie. "Dass die SPD sich nur um den Facharbeiter kümmert, ist doch ein Modell von vorgestern."

Seite 1:

Steinbrücks Netz-Expertin kassiert ersten Rüffel

Seite 2:

"Neue Formate zur Überwindung der Politikverdrossenheit"

Kommentare zu " Frauenquote in Talkshows: Steinbrücks Netz-Expertin kassiert ersten Rüffel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Naja, was den Informations- und Bildungsauftrag des Rundfunks betrifft, so nehmen die den in den Funkhäuser doch gar nicht richtig ernst.

    Alles andere was die Dame gesagt hat ist entschuldbar. Sie ist schliesslich ein blonde Designforscherin, was immer das auch sein soll. Vielleicht eine neue Frisur designen ?

  • Abgesehen davon, dass es bald unerträglich wird, wer sich da alles zu Wort meldet und womit, ist der eigentliche Hammer aber Folgendes.
    „Wer bei Fernsehsendungen, die der Information und Meinungsbildung der Bürger dienen“.

    Das ist gut, das ist echt gut. Ich habe köstlich gelacht.

  • Es geht nicht darum, ob Berufspolitiker oder nicht. Es geht um den Inhalt ihrer Aussage.

    Aber mit der passt sie perfekt zu den (obsoleten) SozInnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%