Frauenquote zeigt Wirkung
Anteil weiblicher Führungskräfte um fast vier Prozent gestiegen

„Chefetage ist Männersache“ – ein Eindruck, der sich beim Blick in die Aufsichtsräte und Vorstandsebenen oft bestätigt. So langsam werde die Führungsriege aber zunehmend von Frauen besetzt, sagt die Regierung.

BerlinGut ein halbes Jahr gibt es die umstrittene Frauenquote – aus Sicht der Bundesregierung zeigt sie bereits Wirkung. „Wir haben mehr Frauen in Führungspositionen und wir werden auch zukünftig mehr Frauen in Führungspositionen bekommen“, sagte Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstag in Berlin. Justizminister Heiko Maas (SPD) merkte aber auch an: Deutschland sei im internationalen Vergleich noch Schlusslicht.

Im Mai 2015 trat das Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in Kraft. Seit Januar müssen rund 150 große Unternehmen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat einen Frauenanteil von 30 Prozent erreichen. Wird das nicht erreicht, bleiben die Stühle unbesetzt. Die Quote gilt für börsennotierte Unternehmen, bei denen der Aufsichtsrat jeweils zur Hälfte mit Vertretern von Anteilseignern und Arbeitnehmern besetzt ist.

Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der etwa 150 Unternehmen sei binnen sechs Monaten um 3,86 Prozentpunkte auf 25,83 Prozent nach oben geklettert, sagte Schwesig. Alle Unternehmen, die 2016 bereits gewählt haben, hätten sich bei ihren Neuwahlen an die Vorgaben gehalten. „In diesen 50 Aufsichtsräten ist der Frauenanteil um 7,3 Prozentpunkte auf knapp 30 Prozent gestiegen.“

Maas merkte an: „Ich will noch einmal betonen, dass wir von einem außerordentlichen schlechten Status Quo aus starten. Denn Deutschland ist bei Frauen in Führungspositionen internationales Schlusslicht.“ Nach seiner Ansicht ist mit der Quote eine kulturelle Entwicklung angestoßen worden. Unternehmen würden in Zukunft gar nicht umhin kommen, Frauen in Führungspositionen nicht nur zu dulden - sie würden gebraucht. Frauen in Deutschland seien so gut ausgebildet wie nie.

Die Quote gilt nicht für Vorstände. Im Durchschnitt waren laut Bundesregierung bis zum Ende des Jahres 5,6 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Für die 160 größten Unternehmen liegt der Frauenanteil aktuell bei 6,4 Prozent. Laut der Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAR) sind es 6,5 Prozent.

Laut einer Studie der Non-Profit-Organisation „European Women on Boards“ (EWoB) mit dem Institutional Shareholder Services (ISS) liegt Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt. In Unternehmen des STOXX Europe 600 sei jedes vierte Mitglied in den Vorständen weiblich. Schweden, Norwegen und Belgien sind demnach Spitzenreiter.

FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow lobte die Entwicklung. Sie betonte aber, man dürfe über die Quote hinaus nicht die Unternehmen aus dem Blick lassen, die der gesetzlichen Regelung nicht unterliegen. „Hier besteht in Aufsichtsräten, Vorständen und im Management noch großer Handlungsbedarf. Die Konzerne stehen in der Verantwortung, gleichberechtigte Teilhabe auf allen Ebenen umzusetzen.“

Auch die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, sieht Luft nach oben: „Da Frauen aber nicht nur die Hälfte der Bevölkerung, sondern auch der Hochschulabsolventen stellen, bleibt noch Spielraum, bis sich in der Besetzung der Führungspositionen tatsächlich der Anteil an Frauen widerspiegelt, der ihnen nach Kompetenz und Qualifikation zusteht.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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