Frauke Petry unter Handlungsdruck
Asyl-Hardliner fordern AfD-Spitze heraus

Thüringens AfD-Chef Höcke tritt in der Flüchtlingspolitik als Scharfmacher auf. Die Bundesspitze der Partei pfeift ihn nun mit einem herben Rüffel zurück. Doch mehrere Vorstandsmitglieder stehen auf seiner Seite.

BerlinGeschichte kann manchmal unerbittlich sein, vor allem dann, wenn sie mit voller Wucht wiederkehrt und ihre Protagonisten vor längst gelöst geglaubte neue Probleme stellt. Diese Erfahrung muss in diesen Tagen Frauke Petry machen.

Die Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) legte einst ihr Veto ein, als ihr früherer Mit-Vorsitzender Bernd Lucke versuchte, den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke wegen NPD-freundlicher Äußerungen aus der Partei zu werfen. Der Fortlauf der Geschichte ist bekannt. Lucke verließ die AfD, Höcke blieb und Petry durfte sich als Siegerin des internen Flügelkampfs feiern lassen.

In den Wochen nach dem erfolgreich ausgefochtenen parteiinternen Machtkampf kehrte zunächst Ruhe ein bei der AfD. Doch nach der Sommerpause ploppte ein Thema hoch, dass nicht nur die AfD, sondern die gesamte deutsche Politik in Atem halten sollte – und noch lange in Atem halten dürfte: die Flüchtlingskrise. Petry erkannte sofort die Sprengkraft, die in dem Thema steckt und blies Anfang September zur „Herbstoffensive“ gegen die Asyl- und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.

Dass sie richtig damit lag, nicht mehr das Ur-Thema der AfD, die Euro-Krise, in den Vordergrund der politischen Auseinandersetzung zu rücken, sondern den Flüchtlingszustrom nach Deutschland, zeigen die zuletzt veröffentlichten Wahlumfragen. Niemand schlägt so viel Kapital aus den Berichten über unregistrierte Flüchtlinge und überfüllte Erstaufnahmeeinrichtungen wie die AfD. Die Flüchtlingskrise befördert die Partei jede Woche auf neue Umfragehöhen. Demoskopen sehen die AfD bundesweit zwischen 5 und 7,5 Prozent. Hält sie dieses Niveau, dann könnte sie im März in Baden-Württemberg in den Landtag einziehen und hätte damit erstmals ein Flächenland erobert.

Eigentlich könnte Frauke Petry also die Sektkorken knallen lassen. Doch die große Freude über den zunehmenden Rückenwind bei den Wählern wird massiv getrübt durch Björn Höcke. Der rechtsnationale Chef der AfD-Landtagsfraktion in Thüringen läuft Petry in der Flüchtlingsdebatte den Rang ab. Allerdings in einer Weise, die für Petry schwer erträglich ist.

Das Fass zum Überlaufen brachte Höckes Auftritt bei Günther Jauch am Sonntagabend, wo der AfD-Mann eine Deutschlandfahne auspackte, über seine Stuhllehne legte und gegen Flüchtlinge wetterte. Petry sagte daraufhin ihre Teilnahme an einer Kundgebung der Thüringer AfD in Erfurt ab und ließ die Parteimitglieder in einer Rund-Mail wissen, dass sie sich vom derzeitigen Stil des Auftretens Höckes nicht vertreten fühle. Er sei legitimiert, für den Landesverband Thüringen zu sprechen, nicht aber für die Bundespartei.

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