Freihandelsabkommen
Verbraucherschützer streiten über Debattenkultur bei TTIP

Das Freihandelsabkommen TTIP sorgt für heftige Diskussionen. Foodwatch und der Verbraucherzentrale Bundesverband streiten über den richtigen Umgang und die richtige Sichtweise.
  • 0

BerlinSchon seit Monaten wird über das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA hitzig debattiert. Eigentlich waren sich Verbraucherschützer bisher in ihrer Haltung recht einig – sie äußerten eher kritisch zu TTIP. Vielfach argumentierten sie mit der Angst vor genverändertem Essen oder dem viel zitierten „Chlorhühnchen“.
Doch nun ist nach einem Interview im Handelsblatt unter den Verbraucherschutzorganisationen Foodwatch und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine Diskussion entbrannt. Auslöser sind die Aussagen von Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, im Handelsblatt vom Montag. Darin fordert er eine Versachlichung der aufgeheizten Debatte über das Freihandelsabkommen und kritisiert die „Schwarz-Weiß-Denke“ von Diskussionsteilnehmer wie Foodwatch, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Bundesverband der Deutschen Industrie.
Auf die Frage, was er von der Form des Protests von Foodwatch-Gründer Thilo Bode und dem Deutschen Gewerkschaftsbund hält, sagte Müller: „Mein Verband hat sich bewusst nicht den Freihandelskritikern angeschlossen. Deren Schwarz-Weiß-Denke tut der Debatte nicht gut.“ Müller gab weiter zu bedenken, dass es viele Gründe gebe, warum die Stimmung so aufgeheizt sei – einer davon sei auch die Art und Weise des Protests. „Ich rufe nicht zu Demonstrationen auf und ich warne vor polemischen Äußerungen“, sagte er. Im Vorfeld hatte etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund zu einer großen Gegendemonstration am 10. Oktober in Berlin aufgerufen.


Im Interview fordert Müller, ein „abgespecktes“ TTIP: „Als Verbraucherschützer kann man nicht gegen fairen Freihandel sein“. Trotzdem will er die Bereiche Lebensmittel, Kosmetika und Chemikalienregulierung aus dem Abkommen ausklammern.
Nun hat Foodwatch reagiert: „Wir können uns über die Aussagen in Richtung der TTIP-Kritiker nur wundern“, schrieb die Organisation in einer Pressemitteilung. Denn offensichtlich gebe es „inhaltlich eine breite Übereinstimmung: Herr Müller will TTIP ‚abspecken‘ und das Abkommen auf Bereiche wie Zölle und technische Standards im Maschinenbau beschränken.“ Doch der vzbv-Vorstand Müller habe offenbar nicht bedacht: „Es gibt ein Verhandlungsmandat – und innerhalb des Mandats ist ein so abgespecktes Abkommen überhaupt nicht vorgesehen.“ Foodwatch schreibt weiter: „Es ist wohlfeil, ein abgespecktes Abkommen in den laufenden Verhandlungen zu fordern, wenn diese verbrieft ein ganz anderes Ziel haben.

Via Twitter legte Müller nach und bekräftigte, dass es ihm nicht nur um die Positionen einiger Diskussionsteilnehmer ginge, sondern explizit auch um deren Debattenkultur. An die Adresse von Foodwatch stellte Müller klar: „Positionen sind bekannt und zu TTIP gibt es auch Gemeinsamkeiten. Unterschiede bestehen in Tonlage und Einschätzung des Freihandels.“

Anja Stehle
Anja Stehle
Handelsblatt / Redakteurin

Kommentare zu " Freihandelsabkommen: Verbraucherschützer streiten über Debattenkultur bei TTIP"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%