Freihandelszone mit den USA: Liegt Deutschlands Heil im Freihandel?

Freihandelszone mit den USA
Liegt Deutschlands Heil im Freihandel?

Deutsche Politiker drängen auf ein transatlantisches Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA. Doch trotz der Vorteile für beide Seiten herrscht in der deutschen Wirtschaft Uneinigkeit über das Vorhaben.
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BerlinDie deutsche Politik sieht nach der Wiederwahl von Barack Obama zum US-Präsidenten die Chance auf ein transatlantisches Freihandelsabkommen in greifbare Nähe gerückt. Der deutschen Wirtschaft käme das gelegen – jedenfalls ist der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel der Überzeugung, dass ein solches Abkommen beiden Seiten erhebliche Wohlstandsgewinne bringen würde.  Daher sollten Verhandlungen dazu bald aufgenommen werden.

Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton F. Börner, sieht das nicht anders. Er sieht auch die Vorteile eines barrierefreien  transatlantischen Wirtschaftsraums. Daher hoffe er sehr auf neue handelspolitische Impulse nach der US-Wahl. Allerdings sagt Börner auch, dass er lieber den multilateralen Ansatz gegenüber bilateralen Lösungen bevorzuge.  

„Die tagtäglichen Probleme liegen ganz überwiegend außerhalb des handelspolitischen Gestaltungsrahmens beispielsweise in unterschiedlichsten technischen Normen und Standards in Europa und den USA“, begründete der BGA-Chef seine Position im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Deshalb darf man sich von einem transatlantischen Freihandelsabkommen neben einer starken Symbolkraft an praktischen Auswirkungen nicht zu viel versprechen.“ Er würde die Energie lieber auf einen neuen multilateralen Anlauf verwenden. „Als Stichwort wäre hier zu nennen ein Vorankommen und ein erfolgreicher Abschluss der laufenden Doha-Runde.“ Bei der vor Jahren in der der Hauptstadt Katars begonnenen und nach ihr benannten Verhandlungsrunde geht es insbesondere um den Abbau von Handelsbarrieren.

In Berlin ist man anderer Ansicht und sucht das Heil Europas lieber im Freihandel. So hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) jüngst bei der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Neu Delhi unmissverständlich erklärt, dass für den Erfolg der deutschen Exportwirtschaft verlässliche Regeln erforderlich seien. Daher sei er nun für bilaterale Freihandelsabkommen, wenn die weltweiten Verhandlungen in der Doha-Runde nicht vorankämen, sagte Rösler.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer, erwartet sogar noch in diesem Jahr weitere Schritte hin zur Schaffung einer Freihandelszone zwischen den USA und Europa. Eine Arbeitsgruppe des Transatlantischen Wirtschaftsrats („TEC“), die so genannte High Level Working Group on Jobs and Growth, werde bis Ende 2012 „Schritte identifizieren, mit denen die Zusammenarbeit in den Bereichen Handel und Investitionen vor allem dort gestärkt werden, wo der Austausch am ehesten Wachstum und Arbeitsplätze fördert“, sagte Pfeiffer Handelsblatt Online.

Kommentare zu "Liegt Deutschlands Heil im Freihandel?"

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  • Irrtum!
    Die antiquierte Freihandels-Ideologie ist seit Abbe Galiani und seinen Dialogen über den Getreidehandel (von Schumpeter gelobt), seit Friedrich List, Gustav Ruhland und Emmanuel Todd lange schon widerlegt!
    Zudem: Adam Smith wurde von Ricardo entstellt und falsch zitiert - dies wies u.a. Linksparteimitglied Franz Groll in "Wie das Kapital die Wirtschaft ruiniert" überzeugend nach - siehe aber auch die Buchveröffentlichungen und Internetauftritte von Manfred Julius Müller, der für Zollgrenzen und einen vernünftigen vorsichtigen modernen Protektionismus (u.a. über die Mehrwertsteuer) eintritt....der funktionierte und funktioniert nämlich sehr viel besser...nachweisbar, siehe auch Prof. Eberhard Hamer vom Mittelstandsinstitut Niedersachsen oder Gerhoch Reisegger mit ihren Buchveröffentlichungen!
    Ferner zeit-fragen.ch Archiv aus der Schweiz zur Thematik EFTA als Alternative zur EU oder LyndonLaRouche gegen den Monetarismus der Chikagoer Schule der Volkswirtschaft nach Milton Friedman und die exportfixierte neoliberale Angebotspolitik, bei Hans-Werner Sinn leider immer noch propagiert, aber bereits von Albrecht Müller in "Die Reformlüge" und von Peter Bofinger in "Wir sind besser als wir glauben" widerlegt... bueso.de Nachrichtenagentur EIR abseits der neoliberal-monetaristischen Mainstream Medien mit ihrer Freihandels-Ideologie...

    Gustav Ruhland, National Ökonom

    http://www.vergessene-buecher.de

    VWL und Geopolitik

    http://www.steinbergrecherche.com

  • Manfred Julius Müller für Zollgrenzen, gegen Monetarismus und gegen eine exportfixierte Angebotspolitik

    http://www.neo-liberalismus.de

    http://www.anti-globalisierung.de

    http://www.das-kapital.eu/

    http://www.das-kapital.eu/manfred-mueller.html

    http://www.grundeinkommen-buergergeld.de/publikationen.html

  • Ich bin GEGEN eine exportfixierte neoliberale Angebotspolitik, gegen die Freihandels-Ideologie und gegen den Monetarismus nach Milton Friedman...

    Die wahren Zahlen

    http://www.volksprotest.de Lösungen siehe Forum...

    Bürgerbewegung Solidarität

    http://www.bueso.de

  • Im 19.Jhdt hatten die USA und das Deutsche Kaiserreich noch einen wesentlichen Teil ihrer Zentral-Staatseinnahmen über Zölle bestritten. Der Staat braucht auch Einnahmen, denn wir alle wollen ja ständig was von ihm (Verkehrswege, Kitas, Subventionen, Sozialhilfe...) Warum soll der Staat über diese Einnahmen einfach so verzichten? Ist dies die Ideologie der US-Republikaner vom schwachen Staat? Gibt es bald noch mehr "Gestaltungsmöglichkeiten" zum Steuern sparen?

    Diese neue Freiheit ist nur die Übertragung von Entscheidungskompetenzen weg vom Staat hin zu Mächtigen in der Wirtschaft. Hierdurch verliert Deutschland noch mehr die Fähigkeit zu einer eigenständigen Wirtschaftspolitik.
    Oder kann ein Dresdner Stollenbäcker bald seine Stollen wieder in die USA ausführen ohne 100 Formulare und ohne Angst, dass der Puderzucker mit Droge oder Sprengstoff verwechselt werde?

  • @ Der Bernd
    Genau genommen verkauft uns die Finanzindustrie wohl vielmehr einen Porsche mit den Bremsen vom Trabbi. Deshalb fallen ja so viele darauf herein.

  • Da für den deutschen Staat eh nur Konzerne und Großbetriebe interessant sind, man ist zwar dadurch leichter erpressbar, macht mal. Wenn ich dadurch meinen gesamten Privateinkauf in den Staaten problemlos durch denn Zoll bekomme, warum nicht.Man sollte nur mal überlegen mit wem die USA weitere Freihandelsabkommen unterzeichnet hat und das ist nur interessant für Im. bzw. Exportorientierte Globalplayer. Man kann mal gegenrechnen ob es günstiger ist den Container mit Zoll von Asien (Südkorea)direkt nach Europa zu schiffen oder über Panama ohne Zoll.

  • Wer politisch über Freihandelsabkommen diskutiert, sollte mal mit klein- und mittelständischen Unternehmen sprechen, ob diese überhaupt noch in der Lage sind, diese extrem komplizierten Regelwerke noch umzusetzen. eientlich bleiben nur ein paar Automobil- und Chemiekonzerne, die sich den erforderlichen Aufwand "compliant" leisten können.

    By the way, welche US-amerikanischen Ursprungswaren gibt es eigentlich noch, die wir in der EU zollfrei gebrauchen können ?

  • Die USA und die amerikanische Hochfinanz weiss genau dass Sie alleine in die Bedeutungslosigkeit (weltmässig gesehen) zurückfallen würden. Man sucht jetzt starke Verbündete die man sich nach und nach einverleiben kann
    um so zusätzlich auch weiterhin in Richtung Ausbreitung (und Werterhalt) des Dollars sowie Weltregierung voranzukommen. es läuft doch immer alles wieder auf das gleiche hinaus, egal wie es verpackt wird und daherkommt.

  • Wünschenswert aber eher unwahrscheinlich. Die EU Regelungen für genetisch modifizierten Produkte, Schutz der Privatsphäre und die zugelassenen Werte und Standards in der chemischen Industrie werden eine solche Freihandelszone unmöglsih machen. Deswegen bin ich zum jetztigen Zeitpunkt dagegen-eine Vielzeahl von Produkten werden von Amerikanischen Unternehemen speziell für Europa entwickelt und produziert, gemäß unseren Regeln. Ich habe mehr Angst von der US-Lebensmittelindustrie, als die Tatsache dass BMW noch mehr Autos in den USA absetzen könnte. Das schaffen sie auch jetzt. Eine Liberalisierung bei den Dienstleistungen ist sowieso praktisch unmöglich-in Europa wird so viel durch die staatlichen Sozialsysteme geregelt und keiner hier wird die kostenlose Ausbildung und Gesundheit aufegeben.

  • Mehr Europa.
    Mehr USA.

    Nein Danke!!!

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