Freiheit, Verantwortung, Toleranz Gaucks Werte für Deutschland

Seine Antrittsrede als Bundespräsident hat Joachim Gauck bereits vorgelegt - in Buchform. Darin gibt er sich als Liebhaber der Freiheit, strenger Staatsmann, Verteidiger der Marktwirtschaft - und politischer Grenzgänger.
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Der Weg des Joachim Gauck

Berlin/DüsseldorfWas für ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Ausgerechnet den 20. Januar hatte der Kösel-Verlag als offiziellen Erscheinungsstermin von Joachim Gaucks neuem Buch „Freiheit: Ein Plädoyer“ festgelegt. Als es immer klarer wurde, dass sich Christian Wulff kaum noch im Amt des Bundespräsidenten halten werden kann, zogen die Verlagsmanager den Termin sogar um einige Tage vor. Wenige Stunden, nachdem sich Koalition und Opposition auf den ehemaligen Bürgerrechtler als zukünftigen Bundespräsidenten festgelegt habe kann man daher nachlesen, wofür Joachim Gauck steht. Es ist ein Bekenntnis zur Freiheit und der Aufruf, für diese zu kämpfen - und liest sich in weiten Strecken wie eine Bewerbung für das höchste Amt im Staate.

Angela Merkel hatte sich am Sonntagabend von Grünen, SPD und FDP nur sehr widerwillig überzeugen lassen, aber das Buch belegt, dass Gauck gut auf das Stellenprofil passt, dass die Kanzlerin geschrieben hat: „Über die Parteigrenzen hinweg“ solle der neue Kandidat Strahlkraft entfalten, sagte sie. Genau so einer wäre Gauck: ein linker Konservativer, ein liberaler Grüner. Kein Parteipolitiker, sondern ein parteipolitischer Grenzgänger. Seitdem er nach der Wiedervereinigung zehn Jahre lang der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde war, ist der 72-Jährige parteilos. Er versteht sich als Bürgerbewegter - mit Betonung auf Bürger.

So spricht er auch aus dem Buch „Freiheit: Ein Plädoyer“, das auf einem Vortrag basiert, den Gauck 2011 auf dem Neujahrsempfang der Evangelischen Akademie Tutzing gehalten hat. Es ist ein gestrenger potenzieller Staatsmann, der dort schreibt, ein unbequemer, der den Bürgern etwas abverlangt. Einen „Liebhaber der Freiheit“ nennt sich der Mecklenburger Theologe. Manchmal beschleiche ihn „das Gefühl, einer gewissen Minderheit anzugehören“, bekennt er. Bei vielen Deutschen vermutet er „eine geheime Verfassung, deren virtueller Artikel 1 lautet: Die Besitzstandswahrung ist unantastbar.“

Belesener und wortgewaltiger Freiheitskämpfer

Gauck soll Bundespräsident werden

Bei solchen Sätzen wirkt es nicht verwunderlich, dass Gauck sich bei seiner ersten Nominierung wunderte, dass ausgerechnet die SPD ihn küren wollte. „Ich hätte die Nominierung eher aus dem Kreis der Liberalen oder Konservativen erwartet“, sagte er da. Schließlich verkündete Gauck immer wieder Positionen, hinter denen sich auch Konservative scharen können: „Wer ausgerechnet der Wirtschaft die Freiheit nehmen will, wird immer mehr verlieren als gewinnen“, sagte Gauck im Jahr 2010. Oder: „In einigen Vierteln deutscher Städte gibt es zu viele Zugewanderte und allzu wenige Altdeutsche.“

Gaucks ureigensten Thema war und ist die Freiheit - weil das Leben in einer Diktatur erlebt hat. Darauf wies er auch am Sonntag im ersten Satz seiner ersten Stellungnahme hin: „Am meisten bewegt es mich, dass ein Mensch, der noch geboren ist in diesem finsteren, dunklen Krieg und der 50 Jahre in der Diktatur aufgewachsen ist, jetzt an die Spitze des Staates gerufen wird." Und er greift eine Bemerkung der Kanzlerin auf, wenn er hinzufügt: "Von all den Dingen, die Sie heute gesagt haben, ist mir am Wichtigsten, dass die Menschen in diesem Land wieder lernen, dass sie in einem guten Land leben, das sie lieben können. Weil es ihnen die wunderbaren Möglichkeiten gibt, in einem erfüllten Leben Freiheit zu etwas und für etwas zu leben."

Neben der Unabhängigkeit und Belesenheit ist es vor allem seine Rhetorik, die Gauck qualifiziert. Problemlos zitiert er in freier Rede den Philosophen Karl Jaspers oder den Juristen Gustav Radbruch. Gauck schöpft aus der moralischen Autorität, die ihm seine Vergangenheit als Oppositioneller in der DDR und als Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde verleihen.

Er geißelt die Müdigkeit der Deutschen, sich für die Freiheit zu engagieren. „Sind wir zu vornehm und satt geworden, um für die Werte zu streiten, die für den Westen Deutschlands seit 60 Jahren selbstverständlich geworden sind?“ fragt der 72-Jährige in seinem Buch.

„Marktwirtschaft hat Mängel - aber sie ist lernfähig“

„Der ist absolut skandalsicher!“

Auch das Thema Wirtschaft geht Gauck aus dem Blickwinkel der Freiheit an. Auch Demokratie und Marktwirtschaft hätten Mängel, räumt Gauck zu. Sie bedürften der Verbesserung, doch im Gegensatz zu anderen Ordnungen bestünde diese Möglichkeit, weil es sich um ein „lernfähiges System“ handelt. In keinem anderen System seien Freiheit und Eigenverantwortung besser gestaltet worden. Gegenentwürfe, die das Kollektiv in den Vordergrund gestellt haben, hätten weniger Freiheit, weniger Lebensfreude, weniger Rechtssicherheit und weniger Wohlstand gebracht. „Und deshalb gibt es keinen Grund für den alt-neuen Versuch, eine neue Variante von Antikapitalismus in die politische Debatte zu bringen“, folgert Gauck.

Damit meint Gauck auch die weltweiten Proteste gegen Banken und Kapitalismus. Der Traum von einer Welt, in der man sich der "Bindung" der Geldmärkte entledigen könne, sei eine “romantische Vorstellung”, sagte Gauck bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit" im vergangenen Oktober. Die Protestbewegung "Occupy Wall Street" und ihre deutschen Pendants würden rasch verebben, sagte er voraus. Und er macht klar, dass er auch die Freiheit der Banken verteidigen will: “Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren.”

Gauck schafft es, die Freiheitsfrage für alle essenziell zu machen, gar Begeisterung für Werte zu wecken, die hierzulande nicht mehr diskutiert werden. Er umreißt eine neue Art der Leitkultur, die nichts Deutschtümelndes hat: „Freiheit, Verantwortung und Toleranz können Grundlage einer globalen Leitkultur sein.“

Ab dem 18. März, wenn ihn die Bundesversammlung zum neuen Bundespräsidenten wählen wird, kann Gauck sich voll und ganz in den Dienst dieser neuen Leitkultur stellen - und versuchen vergessen zu machen, welchen Schaden sein Vorgänger Christian Wulff dem Präsidentenamt und der politischen Kultur Deutschlands zugefügt hat. Aber auch Gauck weiß, auf welch schwieriges Parkett er sich begibt. "Ich kann Sie nur bitten, die ersten Fehler gütig zu verzeihen und von mir nicht zu erwarten, dass ich ein Supermann und ein fehlerloser Mensch bin," schloss er seine Erklärung am Sonntagabend.

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28 Kommentare zu "Freiheit, Verantwortung, Toleranz: Gaucks Werte für Deutschland"

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  • Gauck hatte den Stasi-Namen "Larve" und er ist nach Maßstäben seiner Behörde ein Täter und kein Opfer. Ein von der Stasi überprüfter und für gut befundener Täter, wie Stasi-Berichte über Gauck belegen.
    Die "Welt" hatte das Terpe-Papier bereits am 23. April 1991 publiziert und wir haben es auch noch nicht vergessen!!!

  • Herr Gauck hatte den Stasi-Namen "Larve" und er ist nach Maßstäben seiner Behörde ein Täter und kein Opfer. Ein von der Stasi überprüfter und für gut befundener Täter, wie Stasi-Berichte über Gauck belegen.
    Die "Welt" hatte das Terpe-Papier bereits am 23. April 1991 publiziert und wir haben es auch noch nicht vergessen!!!
    Gauck ist der sichere Untergang von Deutschland – er wird den kriminellen ESM-Vertrag (der Name ist die größte Lüge: „Europäischer Stabilitätsmechanismus“) unterschreiben.
    Herr Gauck gibt an, dass sein Vater, ein Kapitän zu See, wegen Spionage vom sowjetischen Staatssicherheitsdienst verhaftet worden sei und diese sog. Unrechtstat sein Leben geprägt hat. Aus russischen Quellen, auch früheren DDR-Quellen verlautet aber, dass sein Vater wegen Kriegsverbrechen während der Nazi-Zeit 1950 verhaftet und verurteilt wurde, dann vorzeitig begnadigt wurde und anschließend in der DDR passabel lebte.
    Erscheinungsdatum des Originalartikels: 30/06/2010
    Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=376
    Ich denke Frau Beate Klarsfeld wird es herausfinden!!!

  • Bevor Ihr alle weiterlobt, mal nach "IM Larbe" googeln
    Wenn da auch nur ein Zipfelchen Wahrheit dran ist, dann ist er nicht tragbar

  • Heute gab es etliche negative Einlassungen zu Gauck zu hören. In der ehemaligen DDR ist man gar nicht so gut auf ihn zu sprechen.

    Die Jusos ließen gar verlauten, man würde sich, auch die SPD, noch wundern, wenn man sich da ins Boot geholt habe.

    Schorlemer, auch Pfarrer und Bürgerrechtler, betonte,
    Gauck habe sich bisher im Wesentlichen mit dem Freiheitsbegriff beschäftig, was fehle würde wäre, sich nun auch mit dem Begriff der Gerechtigkeit zu beschäftigen.

    Von anderer Seite wurde er als Neokonservativer eingeordnet.

    Es wäre schon interessant, mal zu erfahren, welche Gründe bei Merkel gegen seine Wahl vorlagen. Ob wir das jeh erfahren?

    Na dann mal tau mit dem netten "Präsidenten der Herzen"

  • Für mich hat Gauck etwas mit Inspektor Columbo gemeinsam. Während die Zuschauer den Mörder von Freiheit und Demokratie bereits kennen, tappt Gauck noch im Dunkelen. Hoffen wir (für uns alle), dass er, wie Inspektor Columbo, Erfolg hat.

  • Interessant wird es wie er sich zu dem kriminiellen ESM positioniert.

  • Gauck ist doch schon im Club:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816445,00.html

  • So, und nun entspannen wir uns wieder bei einem Gedicht von Wilhelm Busch:

    Es stand vor eines Hauses Tor
    Ein Rößlein mit gespitzten Ohr,
    Der käute sich sein Bündel Heu
    Gedankenvoll und still entzwei.
    Nun kommen da und bleiben stehn
    Der naseweisen Buben zween,
    Die auch sogleich, indem sie lachen,
    Verhaßte Redensarten machen,
    Womit man denn bezwecken wollte,
    Daß sich das Rößlein ärgern sollte.
    Doch dieser hocherfahrne Greis
    Beschrieb nur einen halben Kreis,
    Verhielt sich stumm und zeigte itzt
    Die Seite, wo der Wedel sitzt.

  • Ob er das auch weiterhin tut, bleibt abzuwrten.
    Vielleicht findet er nun auch, dass der Islam zu Deutschland gehört
    Mir ist Gauck ein wenig zu selbstverliebt und auch ein wenig manipulativ. Er will, genau wie Grünen, ein angepaßtes Volk was pariert
    In ihm stecken mehr als 60 Jahre DDR und in seinem Alter ändert man sich nicht mehr

  • Seine Heimatstadt Rostock will ihn nicht zum Ehrenbürger machen.
    Das muß doch Gründe haben.
    Mir wurde Gauck zu sehr nach oben gepuscht, vorrangig von der Presse und da bin ich immer ein bißchen vorsichtig. Da wir ja fast nur noch Systempresse haben
    Ich glaube, die SPD und die Grünen haben sich keinen Gefallen getan ihn so sehr zu nominieren, denn Gauck ist auch gegen den Sozialstaat
    Und ich habe fast das Gefühl, Gauck ist genau so machtgeil wir Merkel.
    Andere hätten sich wohl kein zweites Mal aufstellen lassen.
    Denn letztendlich ist er doch nur ein Verlegenheitskandidat und zukünftiger Präsident, nachdem einige honorige Männer von Format (Voßkuhle, Lammert) abgewunken haben
    Warten wir es ab

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